Der Regulationsansatz: Theorie und Geschichte

von Mark Glick und Robert Brenner

 

In den beiden vergangenen Jahrzehnten entwickelte die französische (oder Pariser) Schule der ökonomischen Regulation eine anspruchsvolle historisch-ökonomische Theorie, die von Anfang an einen bedeutenden Einfluß auf die Bemühungen hatte, die gegenwärtige Misere des kapitalistischen Systems und die sie begleitenden ökonomischen Transformationen zu verstehen. Angesichts dessen ist es nicht schwierig, die positive Aufnahme, die diese Schule gefunden hat, zu erklären. Die Theorie der Regulation ist eine Antwort auf die heute weitverbreitete These, wonach die orthodoxe Wirtschaftswissenschaft nicht in der Lage sei, aktuelle Entwicklungsmodelle - egal ob in Gegenwart oder Vergangenheit - hinreichend zu erklären. Sie ist aber vor allem auch eine Antwort auf die Meinung, dass die Wirtschaftswissenschaft aufgrund ihres ökonomischen Determinismus nicht in der Lage gewesen sei, die machtvollen Wege, in denen historisch entwickelte Klassenverhältnisse, institutionelle Formen und - allgemeiner - politische Aktionen die Fortentwicklung der kapitalistischen Wirtschaften geformt haben, systematisch in Betracht zu ziehen. So versuchen die Regulationstheoretiker explizit über die "ahistorischen Wahrheiten" der neoklassischen Ökonomie hinaus-zugehen. Ihr Verhältnis zu marxistischen Herangehensweisen ist jedoch weniger klar. Ihr ursprüngliches Vorhaben scheint demnach die Erlangung eines Verständ-nisses gewesen zu sein, wie Netzwerke institutioneller Formen während der aufeinanderfolgender Epochen, in denen sie vorherrschend gewesen sind, die Wirkungsweise die der Kapitalakkumulation zugrundeliegenden Gesetze (wie das in der marxistischen Tradition analysiert wurde) beeinflusst oder sogar verändert haben.

Die Theorie der Regulation geht methodologisch von der Überlegung aus, dass der zu abstrakte und untaugliche Charakter der meisten existierenden ökono-mischen Theorien ebenso wie die theoretisch unbefriedigende Natur der existierenden Wirtschaftsgeschichtsschreibungen von "ungenügenden Binde-gliedern zwischen Theorie und empirischer Analyse einerseits und von rein deduktiven und induktiven Methoden andererseits" herrühren. Ihr wichtigstes Ziel ist es, sich diese Bindeglieder durch die "Errichtung einer Reihe von dazwischen-liegenden Modellen" zu erarbeiten, um dadurch die Theorie historisch konkreter und empirisch testbar zu machen, und damit auch nützlicher für die historische Interpretation.

Demgemäß verneint die Regulationstheorie, dass die kapitalistische Produktions-weise von ihrer Entstehung bis zu ihrem schließlichen Ende mit einer einfachen Aneinanderreihung von sich nicht verändernden Gesetzen zu begreifen wäre. Die Regulationstheoretiker sehen die Geschichte des Kapitalismus eher als eine Abfolge von Phasen, jeweils unterschieden durch bestimmte historisch entwickelte, sozio-institutionell definierte Formen, die - so lange sie sich behaupten - charakteristische ökonomische Trends und Muster verursachen. Es gibt hier eine offensichtliche Ähnlichkeit zu dem marxistischen Ansatz, der versucht, Geschichte allgemeiner in Begriffen einer Reihe von historisch entwickelten Produktionsweisen zu verstehen, wobei diese Produktionsweisen jeweils durch eine Struktur gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse gekennzeichnet sind, die - solange sie sich behaupten - bestimmte Muster ökonomischen Verhaltens und systematischer Bewegungsgesetze verursachen. Tatsächlich können die regulationstheoretischen Schlüsselkonzepte der Regulationsweise und des Akkumulationsregimes in ihrer Wirkungsweise in bezug auf die regulationstheoretischen Phasen kapitalistischer Entwicklung - Entwicklungsweisen genannt - recht analog zu der Weise begriffen werden, in der die marxistischen Konzepte der Produktionsverhältnisse und der Produktivkräfte in bezug auf die Produktionsweise wirken. Außerdem: Eine Reihe gegenwärtiger marxistischer Theoretiker lehnt es ab, die sozialen Verhältnisse, die eine Produktionsweise konstituieren, als entweder technologisch bzw. ökonomisch determiniert oder einem unilinearen Entwicklungsmodell folgend zu begreifen. Ebenso bestehen die Regulationstheoretiker in ähnlicher Weise darauf, dass die strukturellen Formen, die ihre Entwicklungsweisen (oder -phasen) konstituieren, in der Geschichte des Kapitalismus zu einem bedeutenden Ausmaß als das Ergebnis von politischen und Klassenkämpfen zu begreifen sind.

Das Ziel dieser Abhandlung ist es, eine Analyse und eine Bewertung der Regulationstheorie hinsichtlich ihrer eigenen charakteristischen Ansprüche zu geben, indem die theoretischen und historischen konzeptuellen Verknüpfungen, wie sie von den Regulationstheoretikern zwischen hoher Theorie und Wirtschafts-geschichte konstruiert wurden, und insbesonders auch die dazwischenliegenden Modelle, durch die sie die kapitalistische Entwicklung zu verstehen versuchen, untersucht werden. Wir beginnen also mit einem Überblick der Grundannahmen und der wichtigsten theoretisch-historischen Ergebnisse der Schule.

 

I. Grundkonzepte und grundlegende Ergebnisse

Jedes Akkumulationsregime repräsentiert ein bestimmtes Muster ökonomischer Entwicklung, welches - obwohl historisch beschränkt - relativ stabil ist. Die unmittelbare Quelle der jedem Akkumulationsregime spezifischen Dynamik liegt in einer speziellen Reihe von Regulierungen, zu der gehören: (i) der Typus der Produktionsorganisation innerhalb der Unternehmen, der die Arbeit der Lohn-abhängigen mit den Produktionsmitteln definiert; (ii) der zeitliche Horizont der Entscheidungen der Kapitalbildung; (iii) die Verteilung des Einkommens zwischen Löhnen, Profiten und Steuern; (iv) der Umfang und die Zusammensetzung der effektiven Nachfrage; (v) die Verbindung zwischen kapitalistischen und nicht-kapitalistischen Produktionsweisen.

Charakteristisch für die Sichtweise der Regulationstheoretiker ist, dass die Art der Regulierungen, die das Muster des ökonomischen Wachstums definieren (welches wiederum das Akkumulationregime konstituiert), weitgehend als Ausdruck institutioneller Strukturen gesehen wird, die die Beziehungen zwischen den und innerhalb der Firmen, die Beziehungen zwischen den Kapitalien und das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit beherrschen - eben der Regulationsweise. (Regulierung (v) scheint nicht ganz zu den anderen Punkten zu passen, weil sie nicht einfach als eine Funktion kapitalistischer Institutionen gefaßt werden kann, und das ist ein Punkt, zu dem wir noch zurückzukommen haben.)

Jede Regulationsweise ist durch ein historisch entwickeltes, relativ integriertes Netzwerk von Institutionen konstituiert, das die fundamentalen kapitalistischen Eigentumsverhältnisse reproduziert, das vorherrschende Akkumulationsregime bestimmt und dazu beiträgt, die Vereinbarkeit der unzähligen, potentiell wider-sprüchlichen und konfliktreichen, dezentralisierten Entscheidungen der individuellen ökonomischen Einheiten herzustellen. Dieses Netz funktioniert im besonderen in der Weise, "sodass es eine bestimmte Entsprechung zwischen der Transformation der Produktionsbedingungen (Umfang des investierten Kapitals, Verteilung zwischen den Branchen und Produktionsnormen) und der Transformation in den Bedingungen des Endverbrauchs (Konsumtionsnormen der Lohnarbeiter und anderer sozialer Klassen, kollektive Ausgaben) erreicht." Das Netzwerk von Institutionen, das die Regulationsweise bildet, regiert den Akkumulationsprozess durch die Etablierung: (i)?der Wesenszüge des Verhält-nisses zwischen Kapital und Lohnarbeit und (ii) der Art der zwischen-kapitalistischen Konkurrenz, sowie (iii) dem Charakter der monetären und der Kreditverhältnisse, (iv) der Art und Weise der Abhängigkeit der Unternehmen einer nationalen Ökonomie von der internationalen Ökonomie, und (v) der Formen der Staatsintervention in die Wirtschaft. Tatsächlich haben sich die Regulations-theoretiker in der aktuellen Herausbildung ihrer Theorie im wesentlichen auf die ersten beiden dieser institutionellen Verflechtungen konzentriert. In der Tat: "Eine der zahlreichen strukturellen Formen stellt sich als besonders wichtige dar: das Lohnarbeitsverhältnis ... der Prozess der Sozialisation produktiver Aktivität im Kapitalismus", das ist "das Netzwerk legaler und institutioneller Bedingungen, die die Verwendung und die Reproduktion der Arbeitskraft bestimmen". Und wie Boyer zusammenfasst: "Dieses Konzept ist für uns hinreichend, um a priori enge Verbindungen zwischen den Formen der Lohnarbeitsverhältnisse und der Methode der Regulation" und um das große "Ausmaß der sich wechselseitig determinie-renden ökonomischen Krisen und der Veränderungen in den Lohnarbeits-verhältnissen zu konstatieren".

Die Kombination der Regulationsweise mit dem Akkumulationsregime führt in der Sicht der Regulationstheoretiker zu einer bestimmten Entwicklungsweise mit einem bestimmten Typ zyklischer, nicht bedrohlicher und sich selbst regulierender Krisen. Die zeitliche Ausdehnung jeder Entwicklungsweise führt aber schließlich zu einer Reihe immer lähmenderer Widersprüche, die aus den Fesseln entstehen, die von der bereits existierenden Regulationsweise dem Akkumulationsregime auferlegt worden sind. Mit der Reproduktion der Entwicklungsweise werden die bisher blendend funktionierenden Zyklen immer brüchiger. Das Ergebnis ist eine strukturelle Krise, die - genau weil die alte Regulationsweise zusammengebrochen ist - von notwendig unregulierten und konfliktreichen Handlungen von Klassen, Unternehmen, politischen Gruppen und Regierungen begleitet wird. Als Ergebnis dieser historisch nicht determinierten Prozesse von wettbewerbsbedingten Wirtschaftskriegen und sozioökonomischen und politischen Kämpfen wird sich schließlich eine der alternativen Möglichkeiten zur Lösung der Krise durchsetzen. Eine neue, historisch bestimmte Regulationsweise - die, indem sie das historisch entwickelte Akkumulationsregime regiert, eine neue Entwicklungsweise ermöglicht - ist das Resultat.

Die oben beschriebenen Konzepte wurden von der Regulationsschule in enger Verbindung mit ihren fortlaufenden Untersuchungen der verschiedenen historischen Phasen kapitalistischer Entwicklung ausgearbeitet. In der Hauptsache ist sie dazu gekommen, zwei Akkumulationsregimes - das extensive und das intensive - und zwei Regulationsweisen - die kompetitive, also die des Wettbewerbs, und die monopolistische zu spezifizieren. Im extensiven Akkumulationsregime findet das Wachstum vor allem auf der Basis handwerklicher Produktion mittels der Anwendung der Methoden zur Verlängerung des Arbeitstags und der Intensivierung der Arbeit bzw. der Ausweitung der Zahl der Arbeitskräfte statt. Deshalb ist sowohl das Wachstum der Produktivität als auch das Potential für Massenkonsum begrenzt. Im intensiven Akkumulationsregime findet das Wachstum vor allem durch Investitionen in fixes Kapital, was technologischen Fortschritt beinhaltet, statt - wodurch die Möglichkeit für regelmäßige Steigerungen sowohl der Produktivität als auch des Massenkonsums geschaffen wird. Die kompetitive Regulationsweise ist - in groben Zügen - von der monopolistischen in folgender Art unterschieden: Im ersten Fall gibt es eine handwerkliche Kontrolle über die Produktion und eine Bestimmung der Preise und vor allem der Löhne durch den Wettbewerb; im zweiten Fall gibt es wissenschaftliches Management, ein oligopolistisches System der Preissetzung und, als wichtigstes Charakteristikum, die Bestimmung der Löhne durch ein komplexes System von Kapital-Arbeit und staatlichen Institutionen - also eine soziale Regulierung der Konsumtionsweise.

Auf der Basis dieser Typologie unterscheiden die Regulationstheoretiker drei aufeinanderfolgende Entwicklungsweisen in der Wirtschaftsgeschichte des westlichen Kapitalismus der letzten eineinhalb Jahrhunderte, wobei jedes dieser Entwicklungsregime eine bestimmte Kombination einer der oben erwähnten Regulationsweisen und eines der oben erwähnten Akkumulationsregimes repräsen-tiert. Zuerst, über den größten Teil des 19. Jahrhunderts hinweg, verbreitete sich eine kompetitive Regulationsweise und setzte sich ein extensives Akkumulations-regime durch. Als nächstes entstand unter dem Druck von Klassenkämpfen und technischen Veränderungen zu verschiedenen historischen Zeitpunkten - ab den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten - eine neue Entwicklungsweise. Hier war nun die handwerkliche Kontrolle über die Produktion hinreichend geschwächt und der Wettbewerb zwischen den Firmen genügend kontrolliert, um die Herausbildung einer intensiven Akkumulation zu ermöglichen. Jedoch stellte sich diese neue Entwicklungsweise als zunehmend instabil heraus, weil die immer noch wesentlich kompetitive Regulationsweise nicht in der Lage war, den expandierenden Massenkonsum zu institutionalisieren, was aber notwendig gewesen wäre, um die durch die intensive Akkumulation ermöglichte expandierende Massenproduktion zu stützen. Das Resultat war die schwere strukturelle Krise - begriffen als Überinvestitions- und Unterkonsumtionskrise - in der Periode zwischen den Weltkriegen, die dann zur Depression der 1930er Jahre führte. Vor allem als Konsequenz der Klassenkämpfe in den 1930er Jahren bildete sich schließlich eine dritte Regulationsweise heraus, die die Blütezeit der intensiven Akkumulation und die in der Geschichte beispiellos erfolgreiche Periode kapitalistischer Entwicklung ermöglichte. Diese monopolistische Regulationsweise löste die Widersprüche der vorhergegangenen Entwicklungsweise durch die Sicherstellung der Herausbildung des Massenkonsums und bildete so die Grundlage für eine neue Entwicklungsweise, genannt "Fordismus". Jedoch erwies sich die historische Wiederholung genau jener Prozesse, die die Prosperität sicherstellten, als problematisch, weil die fortschreitende Perfektion des fordistischen Arbeits-prozesses in der Aushöhlung der Kapazität des Systems, die Entwicklung der Produktivkräfte und das stetige Wachstum der Produktivität sicherzustellen, mündete. Die Folge war die strukturelle Krise der fordistischen Entwicklungsweise - die vor allem als Produktivitätskrise betrachtet wird -, wie wir sie heute erfahren.

Im Rest dieses Artikels werden wir nacheinander jede der oben erwähnten Entwicklungsweisen, ihre strukturellen Krisen und die Übergänge zwischen ihnen betrachten. In jedem einzelnen Fall werden wir folgendermaßen vorgehen: (1) Klärung der logischen und der empirischen Basis jeder Entwicklungsweise vom Standpunkt der Regulationstheoretiker; (2) Kritische Hinterfragung ihrer Begriff-lichkeit und (3) Untersuchung ihrer empirischen Berechtigung, besonders im Hinblick auf das, was Aglietta den exemplarischen Fall nennt, den der Vereinigten Staaten.

 

II. Erste Entwicklungsweise:

kompetitive Regulation und extensive Akkumulation

Die für die Vereinigten Staaten und Teile Europas zumindest bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts charakteristische Entwicklungsweise äußerte sich in der Vorherrschaft einer kompetitiven Regulationsweise, die ein extensives Akkumulationsregime leitete.

1. Die ökonomischen Konsequenzen der durch die kompetitive Regulation geleiteten extensiven Akkumulation

Unter der extensiven Akkumulation beruhte die Produktion charakteristischer-weise auf handwerklicher Arbeit. Das Management fungierte hinsichtlich eines kurzfristigen Zeithorizonts und begrenzte die Anlage von fixem Kapital. Als Ergebnis wurde neues Kapital eher in schon bestehende Produktionstechniken investiert als in transformierte. Natürlich gab es eine "bedeutende Anwendung von Wissenschaft im Produktionsprozess, aber die Unternehmen versuchten vor allem das bereits existierende Wissen für ihre Geschäfte zu benutzen und bemühten sich nicht, es kontinuierlich weiter zu entwickeln." In Agliettas Worten lief das darauf hinaus, dass "unter dem extensiven Akkumulationsregime ... der absolute Mehrwert dominiert" und "die Länge des Arbeitstages der hauptsächliche Weg der Ausbeutung von Mehrarbeit ist." Wachstum wurde demgemäß vor allem mittels der Verlängerung und Intensivierung der Arbeit, einer spektakulären Steigerung der Zahl der Arbeitskräfte und einer dramatischen Expansion des Systems in geographischer Hinsicht ermöglicht.

Aus der Sicht der Regulationstheoretiker ist die extensive Akkumulation durch die weitumspannende kompetitive Regulationsweise erklärbar, durch die sie aufrechterhalten und gelenkt wurde. Es waren die institutionalisierten Formen der durch die kompetitive Regulation bestimmten Kapital-Kapital- und Kapital-Arbeit-Verhältnisse, die für die Begrenzung der Kapitalinvestitionen und für das beschränkte Wachstum der Produktivkräfte verantwortlich waren. Diese Fesseln der Kapitalakkumulation kamen zum Teil von der Angebotsseite. In den Unter-nehmen waren die handwerklichen Arbeiter in der Lage, eine beträchtliche Kontrolle über den Arbeitsprozess auszuüben, wodurch die Freiheit des Managements, Innovationen in der Produktion einzuführen, beschränkt wurde. Das Kapital-Kapital-Verhältnis bzw. die Verhältnisse zwischen den Unternehmen waren durch den halsabschneiderischen Wettbewerb zwischen vielen unkoordinierten Einheiten charakterisiert, sodass das Investitionsklima einen hohen Grad an Risiko und Unkontrollierbarkeit aufwies. Auf kurzfristige Gewinne angewiesen, scheute das Management davor zurück, technische Änderungen vorzunehmen, die die langfristige Bindung von fixem Kapital nötig gemacht hätte, und in umfassendener Weise Gelder für Forschung und Entwicklung auszugeben.

Nichtsdestoweniger war, aus der Sicht der Regulationstheoretiker, die wichtigste Fessel auf der Seite der Nachfrage zu finden. Die kompetitive Regulation ermöglichte direkte Ausbeutung im Arbeitsprozess bis zu einem Niveau, das ausreichend war, um die fortlaufende Kapitalakkumulation zu unterstützen. Gleich-zeitig setzte sie dem Wachstum des Massenkonsums enge Grenzen, wodurch die Entwicklung der Kapitalakkumulation entscheidend eingeschränkt wurde. Diese Beschränkungen auf Seite der Nachfrage entstanden einerseits aus dem Verhältnis der früh stattfindenden Kapitalakkumulation zu ihrer nichtkapitalistischen Umge-bung, und andererseits aus den die Kapital-Arbeits-Verhältnisse leitenden Institu-tionen innerhalb des Kapitalismus selbst.

In dieser Hinsicht sicherte sich die Arbeiterklasse zumindest bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts einen großen Teil ihrer zur Reproduktion notwendigen Lebens-mittel aus der Sphäre außerhalb der Warenproduktion, anscheinend aus ihrer Verbindung zu immer noch großteils nichtkapitalistischen ländlichen Haushalten und Dörfern. Die Umwelt der Arbeiter war "gekennzeichnet durch enge Verhältnisse zwischen Stadt und Land, durch einen durch Jahreszeiten unter-brochenen und durch Gewohnheiten stabilisierten Arbeitsrhythmus, durch eine unzureichende Trennung von produzierenden und häuslichen Aktivitäten, und durch eine Dominanz nicht-warenförmiger Verhältnisse über warenförmige Verhältnisse in der Konsumtionsweise - nicht-warenförmige Verhältnisse fanden ihre Existenzbedingungen in ausgedehnten familiären Verhältnissen und nachbar-schaftlichen Gemeinschaften." Diese "Wiederherstellung der Arbeitskraft in nicht-kapitalistischer Umgebung ermöglichte es, sehr niedrige Löhne zu zahlen und lange Arbeitszeiten durchzusetzen." Aus diesen Gründen konnten die Arbeiter nur einen streng begrenzten Markt für Konsumgüter darstellen.

Außerdem führten die Auflösungsprozesse vorkapitalistischer Gesellschaften selbst zu einem Druck auf die Löhne. Die direkten Produzenten wurden vom Kauf der zu ihrer Reproduktion notwendigen Waren abhängig, und ihre massenhafte Trennung vom direkten, nicht-marktförmigen Zugang zu ihren Unterhaltsmitteln hatte den Effekt, dass die Einkommen und die Nachfragestärke der Arbeiterklasse heruntergedrückt wurden. Arbeiter aus ländlichen Dörfern und kleinen Städten überschwemmten die großen Industriestädte der Vereinigten Staaten, wo sie gemeinsam mit Einwanderungswellen aus Europa und Asien eintrafen. Als die Arbeiter schließlich in den überfüllten kapitalistischen Arbeitsmarkt eintraten, fanden sie sich institutionellen Formen gegenüber, die die Kapital-Arbeit-Verhältnisse gegen sie dominierten. Unter der kompetitiven Regulation dauerte ein im wesentlichen unregulierter Arbeitsmarkt an, der durch eine beschränkte Herausbildung von Gewerkschaften und eine geringe Staatsintervention zur Unterstützung der Arbeitskraft gekennzeichnet war. Das Ergebnis war wiederum ein mächtiger Druck auf die Löhne und die Beschränkung der Nachfrage nach Konsumgütern.

Für die Regulationstheoretiker bildet die durch die wettbewerbsmäßige Regulation beschränkte Nachfrage nach Konsumgütern nicht nur den Schlüssel für die erste Entwicklungsweise, sondern auch den Schlüssel für ihre gesamte historische Konzeption kapitalistischer Entwicklung. Einerseits ist die Steigerung des Massenkonsums eine notwendige Vorbedingung für die völlige Entwicklung der Massenproduktion; aber andererseits kann sich die Massenkonsumtion nicht allein durch die Transformation der Produktion, des Arbeitsprozesses herausbilden. Als Konsequenz bedeutet das, dass die Durchsetzung einer Massenproduktion von Konsumgütern für die Arbeiterklasse vom Erfolg soziopolitischer Kämpfe abhängig ist, die die Errichtung von Institutionen zur Sicherstellung der Konsumnormen der Arbeiterklasse durchsetzen. Es war also "die Transformation der Existenz-bedingungen der Arbeiterklasse, wodurch die Methoden der Produktion von relativem Mehrwert in der gesamten Abteilung II ermöglicht wurden." Die Kapitalisten würden keine Investitionen tätigen, um den Arbeitsprozess zu transformieren und die Konsumgüter produzierende Abteilung zu entwickeln, wenn sich nicht schon ein Massenmarkt für ihre Produkte herausgebildet hätte; dies erforderte "die Einrichtung sozialer Kontrollen, um die Formation der Konsum-norm der Arbeiterklasse zu garantieren." Folglich betont Aglietta immer wieder "die Notwendigkeit einer umfassenden Verbindung der beiden Abteilungen der Produktion und die Abwesenheit jeglicher automatischer Mechanismen, die ihre Entwicklung ausgleichen." Wenn diese Verbindung fehlt, ist die Auswirkung einer aus der Abteilung I stammenden technischen Veränderung auf die Abteilung II in doppelter Hinsicht limitiert: Abteilung II wird es versäumen, die neuen Methoden zu übernehmen; die in Abteilung II produzierten Güter werden nicht im Preis fallen, wodurch ein damit einhergehender Anstieg der Reallöhne verhindert wird. Die logische Schlußfolgerung Agliettas ist, dass die historische Erscheinung einer ausreichenden effektiven Nachfrage, die die Massenproduktion von Konsumgütern der Arbeiterklasse möglich macht, letzten Endes "verbunden ist mit der Art und Weise, in der Klassenkämpfe dann erfolgreich oder erfolglos sind, die Produktions- und Austauschbedingungen zu revolutionieren und konsequenter-weise eine Ausdehnung der produzierten Massen von Waren hervorzurufen."

Solange also die kompetitive Regulation vorherrschte, verhinderte ihr Kapital-Arbeit-Verhältnis jeden definitiven Bruch, der über das extensive Akkumulations-regime hinaus geführt hätte, und ermöglichte bestenfalls ein punktuelles Wachstum der Abteilung I. Aglietta beschreibt die Makroökonomie der ersten Entwicklungs-weise der Regulationstheoretiker folgendermaßen: "Solange der Kapitalismus den Arbeitsprozess durch die Schaffung kollektiver Produktionsmittel transformiert, ohne die Konsumtionsweise umzugestalten, solange wird die Akkumulation nur ruckweise voranschreiten. Das Akkumulationsregime ist grundlegend ein extensives, das auf dem sektorweisen Aufbau der Schwerindustrie basiert. Die sich daraus ergebende Holprigkeit ist eine Funktion der ungleichmäßigen Entwicklung von Abteilung I."

Die Vereinigten Staaten als exemplarischer Fall

Im Schema der Regulationstheoretiker bleibt das Faktum, dass das Wachstum in der Entwicklungsweise, in der extensive Akkumulation durch kompetitive Regulation gelenkt wurde, relativ erfolgreich voranschreiten konnte, weil das Kapital Zugang zu riesigen Regionen mit unerschöpflichen Vorräten an Roh-materialien und billigen Arbeitskräften hatte. Aglietta zufolge waren die USA vom späten 18. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg und darüber hinaus die "exemplarische Nation" dieser ökonomischen Entwicklungsweise. Hier nahm das Wachstum zu großen Teilen die Form der "Nutzung des Landes an der Siedlungsgrenze" an, und zwar mit der Konzentration auf die Beschaffung wertvoller Mineralien und billiger agrikultureller Produkte. Es basierte vor allem auf der technologischen und kommerziellen Dynamik eines bäuerlichen, selbst-wirtschaftenden Kapitalismus. Der Aufstieg dieses Systems von Eigentums-verhältnissen war bedingt durch einen relativ leichten Zugang zu Land - gesichert durch die die neue Republik begründenden Klassen- und antikolonialen Kämpfe, und konsolidiert durch die Bemühungen mächtiger Spekulanten und Eisenbahngesellschaften. In den letzten beiden Dritteln des 19. Jahrhunderts kam es, bedingt durch die räumliche Ausdehnung des Wirtschaftsraumes und spektakuläre Steigerungen in der agrikulturellen Produktivität, folglich zu einer sprunghaften Entwicklung des landwirtschaftlichen Ertrages. Parallel dazu ent-wickelte sich zusehends auch der Bergbau, um die - in einer Grenzregion nach der anderen - entdeckten Mineralien ausbeuten zu können. Sowohl die Agrikultur als auch der Bergbau stimulierten und wurden stimuliert durch die dynamische Ausweitung des Eisenbahnnetzes, in Agliettas Sichtweise des 19. Jahrhunders vielleicht die Schlüsselindustrie in Abteilung I überhaupt und zugleich ein mächtiger Antrieb für die Produktion von Eisen, Stahl und Kohle.

Ermöglicht wurde die Kontinuität dieses Prozesses durch die Wellen billiger und unorganisierter Arbeitskräfte, die von den Farmen und aus dem Ausland rekrutiert wurden. Unter furchtbaren Bedingungen arbeitend, wurden diese Arbeiter gezwungen, den Großteil des Outputs abzutreten, dessen Steigerung vor allem durch Intensivierung der Arbeit und durch Verlängerungen des Arbeitstages und nur nebenbei durch Steigerungen der Produktivität und durch ein Ansteigen der organischen Zusammensetzung des Kapitals erreicht wurde. Tendenziell beruhte daher die langfristige Tendenz der auf extensiver Akkumulation und kompetitiver Regulation basierenden Entwicklungsweise - in den Worten Boyers - darauf, "dass die Produktivität quasi stagniert, ebenso die Reallöhne, während [...] das Wachstum nur durch die Verlängerung des Arbeitstags und durch die Anstellung neuer Arbeitskräfte erreicht wurde." Doch das Auslaufen dieser Tendenz konnte, zumindest in der USA, für eine längere Periode durch die Ausbeutung der außergewöhnlichen Möglichkeiten des Grenzlandes hinausgezögert werden.

 

2. Kompetitive Regulation und extensive Akkumulation: eine kapitalistische Entwicklungsweise

Die erste Stufe im regulationistischen Phasenmodell kapitalistischer Entwicklung ist also durch ein auf der Herauspressung von absolutem Mehrwert basierendes Akkumulationsregime konstituiert, welches Resultat der kompetitiven Regulations-weise ist. Ein solches Modell, mit seinen für den technologischen Wandel und die Massenkonsumtion charakteristischen Fesseln, erscheint allerdings verwirrend in bezug auf unser Wissen (oder was wir dachten zu wissen) über die grundsätzlichen Züge der kapitalistischen Produktionsweise - besonders in Bezug auf unsere Sicht der normalen Formen individuellen ökonomischen Verhaltens und der aggregierten Strukturen ökonomischen Wachstums, wie sie aus der Vorherrschaft kapitalistischer gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse als solcher resultieren. Erstens, was ist das für ein Kapitalismus, in dem die Herauspressung von absolutem Mehrwert dominiert? Zweitens, was ist das für ein historisch ausgedehnter Prozess der Kapitalakkumulation, der sich ohne bedeutende Zuwächse sowohl der Real-löhne als auch des aggregierten Konsums vollzieht? Drittens, warum sollten Umfang und Intensität der Kapitalakkumulation in dieser Phase durch einen Mangel an einem institutionell abgesicherten Konsumtionsniveau beschränkt sein? Die Betonung liegt nicht darauf, dass es begrifflich unmöglich wäre, bestimmte sozioökonomische Umgebungen oder institutionelle Bedingungen aufzuführen, in deren Rahmen sich eine vor allem auf der Basis von absolutem Mehrwert beruhende kapitalistische Entwicklung herausbilden würde oder wo sich Akkumulation vollziehen könnte, ohne von einem korrespondierenden Wachstum der Konsumtion begleitet zu werden, oder wo eine beschränkte Konsumtion weitere Investitionen verhindern würde. Die Frage, die gestellt werden muss, ist folgende: Auf welcher Basis können die Regulationstheoretiker von einer vollständigen, normalen und am Beginn stehenden Phase institutionell determinierter Entwicklung ausgehen? Also von einer ganzen Epoche, in der die kapitalistischen gesellschaft-lichen Eigentumsverhältnisse zwar vollständig etabliert sind, die aber vor allem durch eine Intensivierung der Arbeit und durch eine Verlängerung des Arbeitstages funktioniert, in der die Löhne der Arbeiterklasse und die gesamte Konsumtion nicht steigen und in der der Weg zur Massenproduktion durch die Beschränkung der Massenkonsumtion blockiert ist?

Wie schon angedeutet, scheint die Antwort der Regulationstheorie auf zweierlei zu beruhen: erstens auf den modifizierenden Effekten der breiteren vor-kapitalistischen Umgebung, aus der heraus diese ihre erste Entwicklungsweise historisch entstanden ist; und zweitens auf den strukturierenden Effekten des Netz-werkes kapitalistischer Institutionen, wie sie durch die kompetitive Regulations-weise selbst konstituiert worden sind. Selbst angenommen, dass durch beide dieser Sets von Effekten die fundamentalen Entwicklungstendenzen, wie sie weitgehend als den kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen innewohnend verstanden werden, umgekehrt oder sogar aufgehoben hätten, selbst in diesem Fall würde man doch denken, dass die Regulationstheoretiker sich verpflichtet fühlen würden, nicht nur den paradoxen Charakter ihrer Resultate expliziter zu behandeln, sondern auch darzulegen, auf welche Weise sie zu ihnen gelangten. Denn, wo die kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse vollständig etabliert sind, können wir - unter sonst gleichbleibenden Umständen - folgendes zu finden er-warten:

Entwicklung auf der Basis von relativem Mehrwert; ein durch langfristige Kapitalakkumulation hervorgebrachtes Steigen der Löhne und der gesamten Konsumtion; sowie Investitionen und kostensparenden technologischen Wandel mit der Folge wachsender Massenmärkte, ohne dass diese umgekehrt eine notwendige Voraussetzung wären.

Tatsächlich werden wir argumentieren, dass die Regulationstheoretiker ihre Schlussfolgerungen vor allem auf zwei Wegen erreicht haben: durch die Konzentration auf einige und das Ignorieren anderer ökomischer Effekte der Insititutionen der extensiven Akkumulation und der kompetitiven Regulation; und durch die nicht hinreichend begründete Annahme, dass bestimmte Tendenzen, wie sie aus der durch die kompetitive Regulationsweise konstituierten Umgebung hervorgehen - entweder ihr breiter, historisch bestimmter vorkapitalistischer, sozio-ökonomischer Rahmen oder die historisch bestimmte Struktur kapitalistischer Institutionen -, ein hinreichend quantitatives Gewicht haben, um dem allgemeinen Pfad der Entwicklung, dem Akkumulationsregime, ihren Stempel aufzudrücken.

Wettbewerb, Risiko und Investition

Wir möchten zuerst auf die Behauptung der Regulationstheoretiker eingehen, wonach die institutionelle Struktur der Kapital-Kapital-Verhältnisse, gekenneichnet durch eine Vielzahl dezentraler, miteinander in Wettbewerb stehender Unter-nehmen, dazu tendierte, die Investitionen in fixes Kapital - welche für technologische Veränderungen notwendig sind - zu erschweren. Und dass sie dadurch dazu tendierten, individuelle Unternehmen dahingehend zu beeinflussen, ihre Profite durch Methoden der Steigerung des absoluten Mehrwerts zu realisieren, und das ganze System folglich zu extensiver Akkumulation neigte. Es ist zweifellos richtig, dass, wie die Regulationstheoretiker argumentieren, die Kapitalisten das Risiko erkannten, Investitionen in fixes Kapital unter heftigem Konkurrenzkampf zu tätigen - mit nennenswerten Problemen für die Kapitalakkumulation und in der Folge für technische Veränderungen. Dabei haben die meisten Interpreten kapitalistischer Entwicklung, ob nun marxistische oder nicht, implizit oder explizit angenommen, dass es seit den Anfängen des Kapitalismus dasselbe Konkurrenz-Umfeld gewesen ist, das dazu tendierte, solche Investitionen unvermeidbar zu machen. Sie taten das mit der leicht ersichtlichen Begründung, dass kapitalistischer Wettbewerb - in der Tendenz, wenn auch nicht in jedem einzelnen Fall - einen unerbittlichen Druck auf die Unternehmen ausübt, die Senkung von Kosten zu maximieren, um so zeitweilige Extraprofite oder technologische Renten zu realisieren, sich dadurch gegen die Konkurrenz zu behaupten und hinreichende Gewinne für adäquate weitere Investitionen zu bündeln. Auf diese Art werden jene Firmen, die ihre Kosten nicht genügend minimieren, aus dem Geschäft gedrängt. Die durch das Risiko bedingte Investitionsbeschränkung erschien so als eine strikt relative Beschränkung, die aus sich selbst heraus unfähig war, eine langfristige Barriere für die Entwicklung von Methoden zur Steigerung des relativen Mehrwerts zu errichten.

Es sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnt werden, dass sich der Anteil des in fortschrittlicher und technisch neuwertiger Produktion investierten fixen Kapitals ohne Zweifel im Lauf der Zeit erhöht hat, wenn auch nur in ungleichmäßiger und kaum verallgemeinerter Weise. Das klassische Gegenbeispiel ist die Revolution der agrikulturellen Produktion vom 16. bis ins 18. Jahrhundert in England. Diese hatte bedeutende Kostensenkungen für Nahrungsmittel zur Folge, mit epochemachenden Rückwirkungen für die ökonomische Entwicklung, vor allem aufgrund gesteigerter Spezialisierung und der Reorganisierung von Farmen mit signifikanten, aber - in absoluten Zahlen - nicht besonders umfangreichen Kapitalinvestitionen. In der verarbeitenden Industrie selbst war die Geschichte des technischen Wandels in keiner Weise auf die Entwicklung von Maschinen mit großem Kapitalbedarf beschränkt, sondern wurde zu großen Teilen auch durch die Steigerung der Produktivität mittels einer Erweiterung der Arbeitsteilung (Aufbrechen von Einheiten in immer einfachere Komponenten / Wachstum der Detail-Arbeit), der Verbesserung der Kooperation und der Reorganisierung der Produktion mit dem Zweck einer effizienteren Nutzung von Rohmaterialien, Werkzeugen und der Arbeitskraft konstitutiert. (vgl. in der gegenwärtigen Periode die just-in-time-Produktion.) So beruht Wachstum in der Geschichte des Kapitalismus zu einem wichtigen (wenn auch beschränkten) Teil auf der Erweiterung der Produktion des relativen Mehrwerts auch ohne große Investitionen in fixes Kapital.

Der entscheidende Punkt dabei ist aber, dass, während das für eine erfolgreiche und innovative Akkumulation benötigte Anfangskapital im Laufe der Geschichte des Kapitalismus größer wurde, es gleichzeitig die Unternehmer und ihre Financiers zunehmend rational fanden, Risiken einzugehen. Denn die Abschreckung, die aus dem im Laufe der Zeit immer größeren Bedarf an fixem Kapital entsprang, wurde durch Profitanreize in Folge technischer Neuerungen (bzw. durch potentiell negative Folgen bei einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit) mehr als kompensiert. Einfach ausgedrückt: Die gestiegene potentielle Profitrate aus Investitionen in technischen Neuerungen hat das gestiegene Risiko früher oder später mehr als ausgeglichen.

Der klassische Fall ist natürlich die industrielle Revolution selbst, oder - was dasselbe ist - der Übergang von der Heimindustrie zum Fabriksystem. Dies hatte zur Voraussetzung, dass Unternehmer von einem System, das vor allem auf zirkulierendem Kapital basierte (wo die Kapitalisten Rohmaterialien und Löhne bzw. Kredite an die Arbeiter lieferten, die dabei selbst Eigentümer der Produktions-mittel waren), zu einem anderen System übergingen, das vor allem auf fixem Kapital basierte und in dem die Kapitalisten in zunehmendem Maß in Kapitalanlagen wie Fabriken und Ausrüstung (Gebäude und Maschinerie) inves-tierten. Die Notwendigkeit, sich in radikal gestiegener Art und Weise an fixes Kapital zu binden, war zweifellos eine bedeutende Entmutigung der britischen Unternehmer des 18. Jahrhunderts, die an kurzfristige Investitionen in der Produktion gewöhnt waren, wo die direkten Produzenten den größten Teil des Risikos (und vor allem die Verluste aus den zyklischen Abschwüngen des Marktes) tragen mussten. Trotzdem fand diese Umwandlung mit dem Aufkommen der Fabrik statt, wie zum Beispiel in der Baumwollindustrie. Auch bildeten die gestiegenen Risken, die mit dem erhöhten Bedarf an fixem Kapital verbunden waren, in der folgenden Epoche des Webstuhls, der Dampfmaschine, der Eisenbahn etc. nur ein relatives Hindernis für Investitionen. Von den allerersten Stufen der Industrialisierung an zeigte sich der Kapitalismus in der Lage, Barrieren für Investitionen in fixes Kapital in dem Ausmaß zu überwinden, in dem durch diese Investitionen höhere Profite erzielt werden konnten, und sich so auf der Basis der relativen Mehrwertproduktion zu entwickeln. Tatsächlich ist es die Grundannahme unterschiedlichster Strömungen der ökonomischen Theorie, dass die kosten-sparende und Profit-maximierende Konkurrenz zwischen den Firmen der zentrale Mechanismus kapitalistischer Innovation ist und der Schlüssel zu der einzigartigen Fähigkeit des Kapitalismus, die Produktivkräfte systematisch zu entwickeln.

Abschließend muß noch betont werden, dass die kapitalistischen Unternehmer die kapitalistischen Institutionen beständig transformiert haben, um mit dem wachsenden Bedarf nach Investitionen in fixes Kapital zurecht zu kommen. Das ist, in einem sehr allgemeinen Sinn, ein Argument der Regulationstheoretiker. Aller-dings sehen sie diese institutionellen Innovationen mit einer qualitativen, die gesamte Ökonomie durchziehenden institutionellen Veränderung verbunden (und sogar davon abhängig). Dadurch entstand ein qualitativer Bruch in der kapitalis-tischen Entwicklung nach einer anfänglichen Phase der bloß extensiven Akkumulation, gesteuert duch die kompetitive Regulation, wodurch schließlich eine neue Entwicklungsweise hervorgebracht wurde. In Wirklichkeit sind diese Veränderungen den kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen selbst innewohnend. Institutionelle Transformationen für die Erleichtung technolo-gischen Wandels sollten analog zu und als evolutionäres Merkmal der kapitalis-tischen verarbeitenden Industrie an sich gesehen werden, parallel zum technolo-gischen Wandel selbst - und, wie auch der technologische Wandel, als aus einem Feld natürlicher Selektion hervorgehend, das durch den kostensparenden Wett-bewerb zwischen Unternehmen charakterisiert ist. Als Ergebnis dieser Innovation bietet die Wirtschaftsgeschichte des Kapitalismus Zeugnis eines institutionellen Fortschritts nach dem anderen - Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit be-schränkter Haftung, Körperschaften, regulierte Banken, Konkursgesetze, vertikale Integration, horizontale Integration in Konglomeraten - als die Bedingungen für die Mobilisierung von Kapital, für den zeitlichen Horizont für Investitionen, für die Kontrolle über das Umfeld von Investitionen usw. schärfer wurden.

Es ist richtig, dass sich die Institutionen kaum kontinuierlich und automatisch entwickelt haben, aber das trifft auch für Produktionstechniken zu. Der Punkt ist einfach der, dass die zu verschiedenen Zeitpunkten notwendigen institutionellen Veränderungen, die für die Erleichterung der für den technologischen Wandel getätigten Investitionen in fixes Kapital benötigt wurden, während der gesamten Geschichte des Kapitalismus hindurch - wie auch der technologische Wandel selbst - Stück für Stück und nach lokaler Gewohnheit stattgefunden haben, und zwar als Ausdruck der Initiative einzelner Kapitalisten oder Gruppen von Kapitalisten, manchmal auch durch den Staat unterstützt. Um zu zeigen, warum solche institu-tionellen Innovationen in der vermutlich langen Phase extensiver Akkumulation ausgeschlossen werden sollten oder warum sie auf einen Alles-auf-einmal-Wechsel von extensiver zu intensiver Akkumulation warten sollten, müssten die Regulationstheoretiker nachweisen, dass jene Institutionen, die die kompetitive Regulationsweise konstituieren, auf bestimmte Art und Weise den Effekt hatten, jede institutionelle Veränderung zu dämpfen. Dies zu tun, sind sie aber nicht in der Lage gewesen. Letztendlich haben die Regulationstheoretiker nicht nur darin versagt, in adäquater Weise zu zeigen, warum intensiver Wettbewerb zwischen dezentralisierten Firmen die für den technologischen Wandel notwendigen Investitionen in fixes Kapital beschränkt haben sollten. In ähnlicher Weise haben sie es auch nicht geschafft zu zeigen, dass das System tatsächlich nicht von Anfang an und mehr oder weniger regelmäßig (wenn auch wieder nicht kontinuierlich) seine Institutionen verbessert hat, um solche Investitionen innerhalb des breiteren Konkurrenz-Umfeldes zu ermöglichen.

Handwerkliche Kontrolle, Investitionen in fixes Kapital und technischer Wandel

Es gibt keinen Grund zu leugnen, dass der Widerstand der Arbeiter eine Fessel für jene Investitionen in fixes Kapital bildete, die den technischen Fortschritt brachten - eine Fessel, die sich entsprechend den historischen Umständen mehr oder weniger kräftig auswirkte. Ebenso ist klar, dass die ausgebildeten Arbeiter versucht haben, ihre relative Seltenheit und ihre Unentbehrlichkeit im Arbeitsprozess zur Orga-nisierung ihrer Selbstverteidigung gegen das Kapital auszunützen, vor allem gegen die Einführung solcher Maschinen, deren Bedienung weniger qualifizierte Arbeitskräfte erfordert. Es ist aber nur schwer nachvollziehbar, wie die Regulationstheoretiker von diesen sehr allgemeinen Aussagen zu der Behauptung gelangen, dass die Kontrolle der ausgebildeten Arbeiter über den Arbeitsprozess eine institutionell abgestützte Barriere hinreichender Festigkeit und Breite konstituierte, um ein extensives Akkumulationsregime zu strukturieren; eines das - laut ihrer Darstellung - vor allem auf die Herauspressung von absolutem Mehrwert beschränkt war, und zwar über eine vollständige historische Epoche hinweg.

Im Zentrum der regulationistischen Argumentation steht die Ansicht, dass das Aufkommen des wissenschaftlichen Managements bzw. des Taylorismus/Fordismus - in Verbindung mit dem Aufkommen von großen Unternehmen und Oligopolen - ein Moment der Diskontinuität in der Entwicklung der Maschinerie, der Ab-qualifikation der Arbeiter und der kapitalistischen Kontrolle über den Arbeits-prozess darstellte, was eine hinreichend scharfe Grenze markierte, um den Übergang von einem Akkumulationsregime zu einem anderen festzumachen (bzw. diesen zum Teil tatsächlich erst hervorbrachte). In den Worten von Lipietz:

Die Periode von 1848 -1914 ist gekennzeichnet vor allem ... durch eine einfache Erweiterung der produktiven Kapazität ohne einen dramatischen Wechsel in der organischen Zusammensetzung [des Kapitals] oder der Produktivität ... In den 1920er Jahren setzte sich eine Revolution in der Organisationsweise der Arbeit, verallgemeinert in den USA und teilweise in Europa, durch: der Taylorismus. Durch eine gigantische und vertikale Vertiefung der kapitalistischen Kontrolle über den Arbeitsprozess kam es zu einer Expropriation des Wissens des Gesamtarbeiters, ein Wissen, das von nun an durch Ingenieure und Techniker im Sinne des 'wissenschaftlichen Managements der Arbeit' systematisiert wurde. Ein weiterer Schritt war die Integration dieses Wissens in ein automatisches System von Maschinen, wodurch die Methoden der Arbeit den Arbeitern diktiert wurden, die so ihrer Initiative beraubt wurden: Dieser Art war die produktive Geburtsstunde des 'Fordismus'.

Es ist schwierig zu erkennen, was aus diesem für den Versuch der Regulations-theoretiker, die institutionellen Grundlagen der verschiedenen Akkumulations-regime zu spezifizieren, so wesentlichen Argument zu machen ist. Es scheint aber dem ABC kapitalistischer Entwicklung ins Gesicht zu schlagen. Die Theoretiker der Regulation dürften den Klassenkämpfen um die Kontrolle über den Arbeits-prozess eine radikal autonome und entscheidende Rolle im Prozess der Kapitalakkumulation zugestehen. Auf dieser Basis wird eine quantitative und vollständige Transformation im Gleichgewicht der Kräfte zwischen den Klassen und in der Natur der technischen Veränderung vermutet, die sich zur Zeit der Taylor-Ford-Revolution vollzogen haben soll und einen epochalen Bruch hin zu einer im wesentlichen auf relativem Mehrwert basierenden Akkumulation ermöglichte. Es scheint, als ob die handwerkliche Kontrolle - oder, allgemeiner, die von den Facharbeitern ausgeübte Kontrolle - in bezug auf die Kapitalakkumulation vor dem Auftreten von Taylor und Ford allmächtig gewesen sei und danach ausgelöscht worden wäre. Aber diese extreme und diskontinuierliche Darstellung der Entwicklung der Kontrolle über den Arbeitsprozess scheint sich nicht aufrechterhalten zu lassen.

Die Theoretiker der Regulation scheinen die allgemeine Tatsache zu übersehen, dass seit der industriellen Revolution - wenn nicht schon davor - der kapitalistische Arbeitsprozess wieder und wieder durch die Einführung neuer Techniken transformiert wurde. Das hatte zur Folge, dass den individuellen Unternehmen durch die Durchsetzung größerer Effizienz (größerer Output bei gegebenem Input) eine bessere Profitabität gewährleistet wurde, und zwar nicht bloß durch eine - und oft auch unabhängig von einer - Intensivierung der Arbeit oder eine Ausdehung der Arbeitszeit. Um im Geschäft zu bleiben, waren die kapitalistischen Unternehmer gezwungen, diese Techniken zu übernehmen, weil dadurch die Gesamtkosten verringert werden konnten (ohne dass dazu eine größere Ausbeutung notwendig gewesen wäre, obwohl diese den Prozess natürlich oft begleitete). Arbeiter konnten, bei Gelegenheit, in der Lage gewesen sein, in einer bestimmten Industrie, an einem bestimmten Ort, manchmal für eine bedeutende Periode die Einführung solcher neuer Techniken zu beschränken; aber sie konnten es nicht prinzipiell - und sicher nicht unbegrenzt - auf der gesamten Breite einer auf verarbeitender Industrie beruhenden Wirtschaft.

Wenn einmal wenige Unternehmen einer Industrie (oder auch nur eines) eine effizientere Technik eingeführt haben, müssen die anderen folgen, oder sie werden aus dem Geschäft gedrängt, und so gab es wenig, was die Arbeiter tun konnten. Der Prozess des technologischen Wandels ist nicht zu verstehen, wenn er vom Klassenkampf um den Arbeitsprozess abstrahiert. Trotzdem ist es doch - von dieser Überlegung ausgehend - ganz falsch zu glauben, dass die Kontrolle der Arbeiter über die Produktionsstätte, die die Macht der Arbeiterklasse ausdrückt, auch nur annähernd ausreichte, um Investitionen in fixes Kapital und den technologischen Wandel für eine ganze Epoche zu begrenzen, wie es die Regulationstheoretiker vor allem für die extensive Akkumulation als charakteristisch annehmen.

Schon lange vor der Ära der tayloristisch-fordistischen Transformationen kamen neue Maschinen, die enorme Fortschritte in der Effizienz der Produktion repräsentierten, mehr oder weniger regelmäßig - wenn auch sicher nicht kontinuierlich - zur Anwendung. Aus den Gründen, die wir schon gesehen haben, waren Facharbeiter nicht in der Lage, systematisch und über einen beliebigen Zeitraum hinweg die gigantischen Umwälzungen des Arbeitsprozesses zu verhindern, die die Einführung neuer Maschinen begleiteten. Diese Entwicklungen hatten eine massive Entwertung der handwerklichen Geschicklichkeit, eine signifikante Intensivierung der Arbeit und eine bedeutende Einschränkung der Kontrolle der Arbeiter über die Produktion zur Folge. Oder, wie es in einer bekannten Formulierung heißt: "Solange sich der Maschinenbetrieb in einem Industriezweig auf Kosten des überlieferten Handwerks oder der Manufaktur ausdehnt, sind seine Erfolge so sicher, wie etwa der Erfolg einer mit dem Zündnadelgewehr bewaffneteten Armee gegen eine Armee von Bogenschützen wäre." Wie könnten wir die beginnende industrielle Revolution im Bereich der Baumwolle anders einschätzen, mit ihrer welt-historischen Senkung der Produktionskosten und ihrer verheerenden Vernichtung der handwerklichen Arbeit? Wie anders könnten wir die Marxsche Analyse über die 'Maschinofaktur' (veröffentlicht 1867) verstehen, wo er die schon vollendeten (wenn auch notwendigerweise unvollständigen) Prozesse der Zerstörung der handwerklichen Arbeit, die Unterordnung der Arbeiter unter die Maschine und die Intensivierung der Arbeit theoretisch fasst? Allesamt waren sie Konsequenzen der Einführung kostensparender Maschinen und jeder für sich ebenso spektakulär wie die unter dem Impetus des Taylorismus-Fordismus sich vollziehenden Prozesse (denen sie in vielen Aspekten ganz analog waren). Das Ergebnis ist, dass die wichtigsten Transformationen des Arbeitsprozesses, die sich im späten 19. Jahrhundert in der US-amerikanischen Manufaktur vollzogen haben, unverständlich bleiben, wenn sie als Übergang von einem Akkumulationsregime zu einem anderen gedacht werden. Im Gegenteil repräsentieren sie eine weitere Phase einer sich in Gang befindlichen, wenn auch kaum kontinuierlichen Entwicklung. Und, wie auch in früheren Phasen, reflektierten diese Transformationen zum Teil eine unabhängige technologische Dynamik, deren Ergebnisse in vielen Fällen in keinem bedeutenden Ausmaß durch vorherige Erfolge des Kapitals im Angriff auf die Bastionen der Facharbeiterkontrolle über den Arbeitsprozess bedingt waren, die aber nichts-destoweniger den Effekt einer radikalen Unterminierung dieser Bastionen hatten.

Außerdem: gerade weil die Einführung neuer Maschinen nicht bloß wegen des gesteigerten Einsatzes der Arbeiter durchgeführt wird, sondern vor allem, um die Effizienz zu steigern (was immer deren Folge auf den Arbeitseinsatz ist), bringt die Mechanisierung oft auch einen Bedarf nach neuen Fertigkeiten hervor und in der Folge sogar das Potential für eine bestimmte Schwächung der Kontrolle der Manager. Der kapitalistischen Produktionsweise wohnt - alles andere einmal als gleichbleibend gesehen - eine systematische Tendenz oder Neigung inne, Produktivitätssteigerungen, technologische Fortschritte über eine Verbesserung der Maschinerie und nicht des "Humankapitals" zu erreichen. Das ist deshalb so, weil - freie Arbeit vorausgesetzt - die Kapitalisten sich nicht sicher sein können, auch die Früchte ihrer Investitionen in 'Humankapital' zu ernten: Die Arbeiter könnten ja zu einem anderen Unternehmen wechseln. Es ist auch deshalb so, weil Facharbeiter in der Regel schwieriger auszubeuten sind. Aber das Faktum, dass ein durch Maschinen bedingter technologischer Wandel dem auf Facharbeit angewiesenen technologischen Wandel beim Erreichen des gleichen Grades an Effizienz vorgezogen wird, kann die Kapitalisten nicht davor bewahren, genau solche Investitionen zu tätigen, die vielleicht auch den Gebrauch von Facharbeit steigern (vor allem am Beginn), wenn dadurch eine höhere Profitrate erzielt werden kann. Auf jeden Fall haben die Prozesse der Mechanisierung in der Taylor/Ford-Ära, mit den sie begleitenden Umwälzungen des Arbeitsprozesses, sowohl die in älteren Mechanisierungsprozessen entstandenen Fertigkeiten zerstört als auch die Entstehung neuer Fertigkeiten hervorgebracht. 'Facharbeiter' - ein Begriff von solcher Elastizität, dass er sich von Kunsthandwerkern bis zu angelernten Arbeitern in manchen modernen Fabriken dehnen lässt - waren weder so zentral für den Arbeitsprozess vor der tayloristisch-fordistischen Revolution, noch so peripher danach, als dass sie im Zentrum des Übergangs zur intensiven Akkumulation gestanden wären. Als eine zentrale Institution der kompetitiven Regulationsweise kann die vor-tayloristische handwerkliche Kontrolle über den Arbeitsprozess die Arbeit der Strukturierung der "extensiven Akkumulation", wie es die Theorie der Regulation verlangt, nicht leisten.

Von kompetitiver Regulation zu beschränkter Konsumtion?

Kommen wir nun von der Darstellung der Angebotsseite durch die Regulations-theoretiker zu ihren viel zentraleren Thesen über die zwei Arten, wie die kompetitive Regulation das Wachstum der Konsumnachfrage behindert: erstens, dem niederdrückenden Effekt der vorkapitalistischen Umgebung und der nicht regulierten Kapital-Arbeits-Beziehungen auf das potentielle Wachstum der Löhne und der gesamten Konsumtion; und zweitens, dem restriktiven Effekt des begrenzten Wachstums der Massenkonsumtion auf das Wachstum der Massen-produktion.

Die Regulationstheoretiker gehen von einer Epoche der Akkumulation aus, in der die Reallöhne der Arbeiter nicht stiegen und die aggregierte Nachfrage stagnierte. Sie schreiben diese Effekte folgenden Faktoren zu: (i) dem Zugriff der Arbeiter auf die Subsistenzmittel durch direkte Verbindungen zu Haushalten und Dörfern der vorkapitalistischen ländlichen Gegenden; (ii) dem Überangebot an Arbeitskräften, das aus Einwanderungswellen aus großen, nichtkapitalistischen, ländlichen Gegenden resultiert, sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland; und (iii) dem hoch kompetitiven, unregulierten Charakter des Arbeitsmarktes. Diesen Faktoren werden wir uns jetzt zuwenden.

(i) Arbeiter ohne Zugang zu Konsumgütern über den Markt

Die paradoxe Vorstellung der Regulationstheorie über eine Phase eines vollständig etablierten Kapitalismus, in dem die Arbeitskräfte noch immer im Besitz von Subsistenzmitteln sind oder einen nicht-marktförmigen Zugang zu ihnen behalten haben, ist - das muss gesagt werden - besonders erstaunlich und bedarf zumindest einer näheren Betrachtung. Erstens gibt es - rein empirisch betrachtet - keinen Anhaltspunkt dafür, dass ein bedeutender Anteil der Bauern, von den Industriearbeitern gar nicht zu sprechen, in den kapitalistischen Vereinigten Staaten, außerhalb des Südens, während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen direkten, nicht-marktförmigen Zugang zu den Subsistenzmitteln gehabt hätte. Wir werden auf diesen Punkt später noch einmal zurückkommen. Selbst wenn dieser Ansatz eine größere historische Plausibilität hätte, würde seine theoretische Rechtfertigung und sein Status innerhalb der Regulationstheorie extrem unklar bleiben. Aglietta argumentiert richtig, dass sich die Herausbildung und die Ausdehnung einer Lohnarbeiterklasse durch eine doppelte strukturelle Veränderung vollzieht: [1] durch eine Trennung der Arbeitskraft von den Produktionsmitteln, die nur noch im Arbeitsprozess und unter der Kontrolle des Kapitals miteinander kombiniert werden, und ... [2] durch die Trennung der Arbeitskraft von ihren Existenzbedingungen (Subsistenz/Konsumtion). Doch von dieser Prämisse ausgehend, schlussfolgert er, dass "es keinen Grund gibt, weshalb die zwei Komponenten dieser doppelten strukturellen Veränderung gemeinsam auftreten sollten", und dass es gute Gründe für die Annahme gibt, dass sich die kapitalistische Entwicklung ursprünglich durch Punkt [1] in Gang setzen kann ohne das Auftreten von [2], sodass sich die Arbeitskräfte einen Zugang zu den Subsistenzmitteln erhalten können. Das ist allerdings verwirrend.

Offensichtlich impliziert schon das bloße Faktum der Proletarisierung einen Prozess, durch den die direkten Produzenten von ihren Subsistenzmitteln getrennt wurden oder getrennt werden. Wenn [2], also der Prozess der Trennung der direkten Produzenten von ihren Subsistenzmitteln, von Land und Werkzeugen, nicht stattgefunden hat, wie kann dann aber [1], der Prozess ihrer Unterwerfung als Lohnarbeiter unter die Dominanz des Kapitals innerhalb des Arbeitsprozesses, in Gang gesetzt worden sein? Es ist nur der Mangel der Arbeiter an den Subsistenzmitteln und ihr daraus folgender Zwang, auf dem Markt zu kaufen, der sie dazu zwingt, ihre Arbeitskraft zu verkaufen und sich der Ausbeutung unter das Kapital zu unterwerfen! Auf der anderen Seite, wenn die Arbeiter im Arbeits-prozess unter die Autorität des Kapitals gezwungen werden, dann erscheint es unter normalen Bedingungen aus ganz praktischen Gründen doch schwierig für sie zu sein, sich ihre Konsumtionsmittel aus agrikulturellen Haushalten und Grundstücken in ländlichen Gemeinden zu sichern.

Stellen wir uns um des Argumentes willen vor, die Arbeitskraft, die sich selbst dem kapitalistisch-industriellen Arbeitsprozess unterwirft, kann weges des direkten nicht-marktförmigen Zuganges zu den Subsistenzmitteln keinen Massenmarkt herausbilden. Wie könnte unter diesen Bedingungen eine adäquate Basis für eine fortlaufende Kapitalakkumulation existieren? Man hätte die sehr merkwürdige Wirtschaft, in der die Kapitalisten Maschinen für andere Kapitalisten produzieren, mit wenig oder keinem Absatz bei den Konsumgütern - eine Wirtschaft, sie sich vollständig aus Abteilung I zusammensetzt, in der die Kapitalisten - im übertragenen Sinne - die Maschinen der anderen Kapitalisten essen. Das scheint die Wirtschaft zu sein, die Aglietta und die Regulationstheoretiker innerhalb des historisch-institutionellen Rahmens der kompetitiven Wirtschaft ausmachen. Aber das scheint im besten Fall ein logisch vorstellbares Konstrukt zu sein, mit wenig praktischen Anwendungsmöglichkeiten für Fälle, in denen der Kapitalismus sich selbst etabliert hat.

Aglietta und die Regulationstheoretiker dürften weder vollständige kapitalistische Fälle noch Situationen, in denen die Produzenten den vollständigen Zugang zu den Subsistenzmitteln bewahrt haben, im Kopf haben. Sie dürften eher auf solche Verhältnisse anspielen, in denen die Bauern ihr Land und ihre Werkzeuge teilweise verloren haben und sich so gezwungen sahen, etwas Lohnarbeit zu leisten, dabei aber noch nicht völlig vom Kapital abhängig geworden sind. (Es muß gesagt werden, dass es überhaupt nicht sicher ist, dass das so gemeint war, weil sie sich auf Verhältnisse beziehen, in denen die Arbeit im Arbeitsprozess der Autorität des Kapitals unterworfen ist. In Agliettas beispielhaftem Fall der Vereinigten Staaten setzt sich das Land weder aus Bauern noch aus Lohnarbeitern zusammen, sondern aus kleinen, selbstwirtschaftenden kapitalistischen Bauern.) Es lassen sich so vielerlei Fälle entwerfen, historisch und in der Gegenwart, in denen Produzenten, namentlich Bauern - in Konsequenz von Bevölkerungswachstum und den daraus folgenden Teilungen der Besitzungen, des Wachstums der Steuern und ähnlicher Prozesse - sich selbst mit ungenügend Land und Werkzeugen für die Subsistenzsicherung fanden und sich so gezwungen sahen, einen Teil ihrer Arbeitskraft auf dem Markt an industrielle Großhändler zu verkaufen, um durchzukommen.

In diesen Fällen ist die Annahme, dass der Pfad der Kapitalakkumulation wirklich beschränkt sein könnte, tatsächlich vernünftig. Unter normalen Umständen ist es für die Kapitalisten extrem schwierig, die Arbeit unter ihrer Führung innerhalb der Fabrik zu organisieren - um die reele (im Gegensatz zur bloß formellen) Subsumtion der Arbeit unter das Kapital durchzusetzen. Sie wären wahrscheinlich gezwungen, die Produktion auf der Basis der Haushalte zu organisieren, das heißt als Hausindustrie. Allerdings würden Kapitalisten diese Form bevorzugen, wenn durch die in Relation zum städtischen Proletariat relativ niedrigen Löhne der bäuerlichen Fabrikarbeiter die im Vergleich zur Fabriksproduktion relativ niedrige Produktivität der bäuerlichen Haushalte kompensiert würde. Das Ergebnis wäre sicherlich eine starke Tendenz zu einer bloß extensiven Akkumulation. Gleichzeitig wären aber - in Einklang mit den Regulationstheorikern - auf einem Heimmarkt, in dem die verarbeitende Industrie auf der Basis halb-proletarisierter Bauern organisiert ist, bedeutende Restriktionen zu erwarten: Produzenten, die einen bedeutenden Teil ihrer Subsistenzgüter selbst produzieren, bieten auch nur eine beschränkte Nachfrage.

Nichtsdestoweniger ist es schwierig einzusehen, wie der Bezug auf Mechanismen dieser Art mit dem Projekt der Regulationstheoretiker vereinbar sein soll oder es gar unterstützt, wonach ein entstehendes Netzwerk kapitalistischer Institutionen (Regulationsweisen) für historisch veränderliche kapitalistische Entwicklungs-modelle verantwortlich sein soll. Denn die Ursachen für die beschränkte Akkumulation sind nicht historisch spezifizierte kapitalistische Institutionen; stattdessen handelt es sich um vorkapitalistische gesellschaftliche Eigentums-verhältnisse und um die Möglichkeiten und Grenzen, die diese den bäuerlichen direkten Produzenten auferlegen. Aus demselben Grund, weil man nicht einfach annehmen kann, dass ein solches System vorkapitalistischer gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse den Rahmen der frühen kapitalistischen Entwicklung bildet (sie können existieren oder auch nicht), können sie nicht in sinnvoller Weise als Mitauslöser einer integralen Phase oder Entwicklungsweise in der Entwicklung des Kapitalismus gedacht werden.

(ii) Ein Überangebot an Arbeitskräften aus dem vorkapitalistischen Land

Als ein weiteres Element der kompetitiven Regulationsweise, das die beschränkte Massenkonsumtion verursacht, führen die Regulationstheoretiker die Einwanderung aus internen oder externen nicht-kapitalistischen Regionen an. Aber das scheint dieselben Probleme aufzuwerfen, vergleichbar denen, die wir gerade diskutiert haben. Ohne Zweifel hat sich der industrielle Kapitalismus oft ursprünglich innerhalb vorkapitalistischer Agrargesellschaften oder innerhalb von Gesellschaften im Übergang zum Kapitalismus entwickelt und daraus auch seine Arbeitskräfte gesichert. Es ist ohne Zweifel so, dass ein wachsendes Angebot an Arbeitskräften zu einem Druck auf die Löhne führt, und zwar insofern, als das Entstehen des industriellen Kapitalismus von Prozessen der sogenannten ursprünglichen Akkumulation begleitet wird, die die Vertreibung der Bauern vom Land verursachen. Bzw. der industrielle Kapitalismus entsteht in einem Umfeld, in dem durch die weitverbreitete bäuerliche Armut die Industrie einen Attraktionspol für die bäuerlichen Arbeitskräfte bietet.

Aber auf welcher Basis können die Regulationstheoretiker mit Sicherheit behaupten, dass diese Bedingungen in zentraler Weise eine erste, von extensiver Akkumulation gekennzeichnete Phase kapitalistischer Entwicklung, mit ihren beschränkten Löhnen und ihrer beschränkten Massenkonsumtion, defininieren und determinieren? Sind diese Bedingungen nicht sowohl den Institutionen des Kapitalismus selbst äußerlich (wenn auch natürlich nicht dem Prozess der Entwicklung) als auch von der sozioökonomischen Ordnung abhängig, wie sie in der Zeit der Industrialisierung auf dem Lande vorherrschte?

Außerdem bleibt auch dort, wo die Prozesse der sogenannten ursprünglichen Akkumulation die ländliche Bevölkerung von ihren Produktions- und Subsistenz-mitteln trennen, die Frage, ob und inwieweit diese Prozesse auch für die verarbeitende Industrie nutzbar zu machen sind. Auf intensiven Formen des Ackerbaus beruhende Formen der Landwirtschaft haben sich, in manchen Fällen, als starke Konkurrenten für die Lohnarbeit erwiesen. Und in bestimmten, kritischen Fällen hat sich der agrarische Kapitalismus ohne (oder mit einer nur sehr langsamen) Trennung der agrarischen Produzenten von ihren Produktionsmitteln entwickelt, also auf der Basis von selbstwirtschaftenden kapitalistischen Bauern. In diesen Fällen kann es sein, dass das Aufkommen der kapitalistischen Land-wirtschaft nicht eine Überfülle, sondern einen Mangel an Arbeitskräften hervorbringt, und einen Druck eher für hohe als für niedrige Löhne in der verarbeitenden Industrie bedeutet. Dass dies nicht nur eine begriffliche Möglichkeit ist, wird - natürlich - aus Agliettas exemplarischem Beispiel der Vereinigten Staaten klar.

Vorkapitalistische agrarische Strukturen und deren Auflösung können natürlich, unter bestimmten Umständen, ausgedehnte Mengen von Arbeitskräften bereitstellen - mit darauffolgendem Druck auf die Löhne. Aber das vorauszusetzen, heißt eine historische Möglichkeit herauszugreifen, und nicht, diese Erklärung zur Vor-bedingung, zur Prämisse, für die anfängliche Phase der Entwicklungsweise zu machen, wie das im regulationistischen Schema der Fall ist. Parallel dazu sind die hier angeführten Mechanismen der Beschränkung der kapitalistischen Entwicklung im Rahmen der extensiven Akkumulation in entscheidender Hinsicht außerhalb des Umfangs der eigentlichen kapitalistischen Produktionsweise zu finden. Es ist deshalb überhaupt nicht klar, wie diese Mechanismen mit dem regulationistischen Projekt ineinandergreifen bzw. dieses veranschaulichen sollen, wonach historisch bestimmte Akkumulationsregimes nur in historisch bestimmten Netzwerken von eigentlich kapitalistischen Institutionen zu begreifen sind.

(iii) Ein unregulierter Arbeitsmarkt

Der unorganisierte, unregulierte und - als Konsequenz der massiven Immigration - für die Arbeiterklasse noch schwieriger zu kontrollierende Arbeitsmarkt der kompetitiven Regulationsweise erleichterte die kapitalistische Ausbeutung der Lohnarbeit außerordentlich. Gleichzeitig aber dürfen jene mächtigen Mechanismen - genausowenig wie die Existenz eines großen Angebots an Arbeitskräften - nicht entwertet werden, durch die mittelfristig ein erhöhter Konsum der Arbeiterklasse in den normalen Prozess von Wettbewerb und kapitalistischer Akkumulation eingebaut wurden.

Tatsächlich schien es ein Gemeinplatz zu sein, dass relativ ausgedehnte oder lange Wellen kapitalistischer Akkumulation - wie sie die erste Entwicklungsweise der Regulationstheoretiker auch einschließt - einen unerbittlichen Druck auf die Erhöhung sowohl der gesamten Konsumtion als auch der Reallöhne verursachen - einen Druck, den die Regulationstheoretiker in ihrer Diskussion der extensiven Akkumulation aus bestimmten Ursachen prinzipiell ignorieren. Die aggregierte Konsumtion steigt einfach deshalb, weil die Investition des Mehrwertes die Beschäftigung von zusätzlichen Arbeitskräften erfordert. Die Höhe der Löhne tendiert als Konsequenz der erhöhten Nachfrage nach Arbeit zur Steigerung. Zusätzlich sind die effizienteren kapitalistischen Produzenten gezwungen, die Löhne in die Höhe zu treiben, um mit anderen Firmen um die zusätzlichen Arbeiter konkurrieren zu können, die sie für die Erweiterung ihrer Marktanteile benötigen. Es war gerade der Druck durch das Heranziehen, das Halten und das Disziplinieren der schnell wachsenden Zahl an Arbeitskräften, der Henry Ford dazu brachte, seine berühmten 5$-pro-Tag-Arbeitslöhne anzubieten.

Weil diese Mechanismen sowohl in den frühesten Phasen der Kapital-akkumulation als auch in späteren sehr machtvoll sein können - und tendenziell auch in sehr repressiver politischer Umgebung funktionieren -, scheint die Behauptung ohne weiteres Argument nicht gerechtfertigt zu sein, dass die Effekte dieser Mechanismen durch die Konkurrenz zwischen den Arbeitern und durch die Immigration während der ersten Phase der Entwicklung aufgehoben worden seien. Was hier bei den Regulationstheoretikern übrig zu bleiben scheint, ist die Überhöhung einer Gegentendenz zu einem absoluten, determinierenden Kenn-zeichen einer ganzen Epoche ökonomischer Entwicklung.

Von eingeschränkter Massenkonsumtion zu beschränkter Massenproduktion?

Nehmen wir schließlich an, es wäre sicher, dass die der kompetitiven Regulation und der extensiven Akkumulation entsprechenden Institutionen die aggreggierte Nachfrage der Arbeiterklasse herunterdrücken. Es wäre dennoch notwendig, auch jenen Gedanken anzuzweifleln - vielleicht der konzeptuelle Haltegriff im generellen Stufenschema der Regulationstheoretiker, in dem historisch spezifizierte Konsum-normen eine bestimmte Rolle spielen -, wonach die Entstehung der Massen-produktion das selbständige Aufkommen der Massenkonsumtion zur Bedingung gehabt hätte bzw. ohne diese verhindert worden wäre.

Diese Behauptung scheint von der Voraussetzung abhängig zu sein, dass Akkumulation vor allem durch die Methoden der erweiterten Produktion von absolutem Mehrwert in Gang kommt und dass die Arbeiter ihre Subsistenzmittel von außerhalb der Sphäre der Warenproduktion erhalten. Noch direkter aber scheint sich diese Behauptung von Agliettas Konzeption der Kapitalakkumulation herzuleiten, wonach diese sich vor allem als "ungleiche Entwicklung von Abteilung I" vollzieht. Nach dieser Sicht entsteht technischer Fortschritt generell in der produktionsmittelproduzierenden Abteilung I und ruft weitere Investitionen in dieser Abteilung durch Kapitalisten hervor, die um Profite, die aus technologischen Renten stammen, bemüht sind. Trotzdem, weil der Konsum der Arbeiter in der kompetitiven Regulation und der extensiven Akkumulation beschränkt ist und weil nur wenige Austauschrelationen die Abteilung I an die Konsumgüter produzierende Abteilung II binden, führen die durch zusätzliche Investitionen in neue Techniken erreichten Steigerungen und Verbilligungen der Produktion in Abteilung I nicht zu einer kompensatorischen Expansion in Abteilung II. Das Ergebnis ist eine Tendenz zur Überproduktion - mit der Folge fallender Preise und einer schließlichen Unterbrechnung der Akkumulation in Abteilung I.

Bei diesem Argument gibt es eine Reihe von Problemen. Wenn wir den beschränkten und historisch beinahe undenkbaren Fall eines Kapitalismus beiseite lassen, in dem die Konsumgüter überhaupt noch keine Waren sind, sodass die Abteilung II effektiv nicht existiert, so ist es schwierig zu sehen, warum nicht ein bedeutsamer Teil der innovativen Tätigkeiten in Abteilung I unausweichlich zur Produktion von Kapitalgütern führen soll, die für die Anwendung in Abteilung II gedacht sind. Damit ist das bloße Faktum gemeint, dass der technische Wandel zwar formal aus Abteilung I kommen kann - beispielsweise ein neues Werkzeug, das in einer Maschinenhalle erzeugt worden ist -, was aber nicht heißen muss, dass nicht seine Motivation aus Abteilung II stammt bzw. dass nicht seine Auswirkungen deutlich in Abteilung II spürbar werden. Kapitalisten sind in der Regel dazu verpflichtet, jede neue Technik, mit der sie die Produktionskosten für eine Ware reduzieren können, zu übernehmen. Das gilt für die Kapitalisten der Abteilung II nicht weniger wie für die Kapitalisten der Abteilung I. Aus Abteilung I stammende billigere Kapitalgüter werden daher weitestgehend von der Konsumgüter produzie-renden Abteilung II übernommen werden; der reduzierte Preis wird die Größe der Bevölkerung, die in der Lage ist, die Ware zu kaufen, erhöhen, und - wenn Beschäftigung und/oder nominale Löhne nicht gerade fallen - der Markt dieser Ware wird sich als Folge des niedrigeren Preises unausweichlich ausweiten.

Die Regulationstheoretiker gehen eigenartige Umwege, um diese fundamentale Tendenz zu ignorieren (oder sogar zu verneinen). Dabei scheint es offensichtlich zu sein, dass seit den Ursprüngen des Kapitalismus der wichtigste Weg, auf dem Produkte zu Waren des Massenkonsums geworden sind, ein Resultat von ver-änderten Bedingungen im Angebot - mit einer Preisreduktion als Folge - gewesen ist; und dass Veränderungen in den Bedingungen des Angebots für Konsumgüter regelmäßig von neuen, in Abteilung I produzierten Maschinen ausgegangen sind. Deshalb galt es als elementare empirische Verallgemeinerung, dass der Aufstieg der Massenproduktion nicht den Massenkonsum zur Bedingung hat, sondern eher diesen hervorbringt - dass letzterer von ersterer abhängt, auch wenn er diese in mancher wichtigen Hinsicht erleichtert.

 

3. Extensive Akkumulation, kompetitive Regulation und die Wirtschaftsgeschichte der Vereinigten Staaten

Die kritischen Beurteilungen in der vorangegangen Sektion würden, wenn sie gerechtfertigt sein sollten, schwerwiegende Zweifel am gesamten regulationis-tischen Ansatz der ersten 'Entwicklungsweise' nach sich ziehen. In dem Ausmaß, in dem die Regulationstheoretiker den Beweis für Mechanismen erbracht haben, die - in der Theorie - der Produktion Fesseln auferlegen und so ein Modell extensiver Akkumulation hervorbringen, beruhen diese Effekte auf bäuerlich-dominierten vorkapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen. In dem Ausmaß, in dem sie auf Mechanismen verwiesen haben, die aus (für die extensive Akkumulation verantwortlichen) genuin kapitalistischen Institutionen hervorgehen, in diesem Ausmaß ist ihnen die Erklärung nicht gelungen, warum diese Mechanismen die Effekte der Prozesse aufwiegen sollten, die in das Funktionieren der kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse per se eingebaut sind. Das Ergebnis ist, dass die Regulationstheoretiker uns keine Erklärung dafür ge-geben haben, weshalb die kapitalistischen Institutionen, die sie als konstitutierend für die kompetitive Regulationsweise betrachten, zu etwas anderem als intensiver Akkumulation führen sollten.

Wir müssen nun den historischen Fall näher betrachten, der für Aglietta und andere Regulationstheoretiker das durch eine kompetitive Regulationsweise geführte extensive Akkumulationsregime versinnbildlicht: nämlich die Wirtschaft der USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schlussendlich ist es ihre Fähigkeit, die wirkliche ökonomische Geschichte des Kapitalismus zu begreifen, wovon die Brauchbarkeit ihrer Begrifflichkeit abhängig ist.

Relativer Mehrwert und das Wachstum der Nachfrage der Arbeiterklasse

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, ist die, ob die US-Wirtschaft, wie die Regulationstheoretiker sie darstellen - strukturiert durch handwerkliche Kontrolle, durch eine Vielfalt konkurrierender Firmen und durch einen kompetitiven Arbeits-markt -, vor einer Verteilung der Kapitalien in sehr riskante Investitionen in fixes Kapital, wie sie für Innovationen und die Produktion zu niedrigsten Kosten benötigt wird, zurückschreckte. Es scheint hier wenig Gewissheit dafür zu geben, dass solche Investitionen abgeschreckt worden wären oder dass der Produktivitäts-zuwachs auf diese Weise beschränkt gewesen wäre.

Maddison zufolge fluktuierten die Bruttoinvestitionen in Fixkapital als Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA zwischen 12% und 15% in den Jahren von 1871 bis 1914, während die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Fixkapitals in der gleichen Periode bei 4.1% lag. Das sind in jeder Hinsicht beeindruckende Zahlen. Sie sollten mit den 6% und 1.4% verglichen werden, die im selben Zeitraum durch das Vereinigte Königreich erreicht wurden - einer Wirtschaft, die sicherlich die Phase der intensiven und nicht der extensiven Akkumulation durchmachte.

Kendrick bietet uns die folgende Tabelle für das Wachstum der Produktivität in der verarbeitenden Industrie in den USA vom Ende des Bürgerkriegs bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges:

Tabelle I

Durchschnittliche jährliche Zuwachsrate der Produktion pro Arbeitsinput in der US-Manufaktur, 1869-1914 (in %)

_____________________

1869-1879        1.05

1879-1889        2.66

1889-1899        1.53

1899-1909        1.22

1909-1914        2.43

_____________________

Quelle: J.W. Kendrick, Productivity Trends in the United States, National Bureau of Economic Research, Princetown 1961, S 465.

 

Gallman bietet Daten mit ähnlichem Resultat, die zwar nicht so gut verarbeitet sind, dafür aber weiter zurückreichen:

Tabelle II

Zehnjährliches Wachstum in der Warenproduktion pro erwerbstätig beschäftigtem Arbeiter, 1840-1909 (in %)

_____________________

1840-1849        10

1850-1859        23

1860-1869        2

1870-1879        22

1880-1889        27

1890-1899        15

1900-1909        24

______________________

Quelle: R.E. Gallman, "Commodity Output, 1839-1899: The United States", in Trends in the American Economy in the Nineteenth Century, Studies in Income and Wealth, vol 24, National Bureau of Economic Research, Princeton 1960, S 16, 24.

 

Die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität scheint in der Periode vor dem Ersten Weltkrieg etwas unterhalb der im Boom nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten zu liegen (vgl Tabelle V). Nichtsdestoweniger kann man kaum behaupten, dass die Produktivität stagnierte; noch ist es möglich, dieses stabile Wachstum der Produk-tivität über einen solch ausgedehnten Zeitraum in Begriffen der Intensivierung der Arbeit zu erklären. Von gleicher Wichtigkeit ist, dass wir keinen langfristigen Trend einer Abschwächung des Produktivitätswachstums an irgendeinem Punkt der Periode zwischen 1850 und dem Ersten Weltkrieg finden können, wie man es ab einem bestimmten Punkt einer Entwicklung erwarten würde, die sich auf der Basis einer konstanten (oder nur sehr langsam wachsenden) Stufe der Entwicklung der Produktivität vollzieht. Einen solchen Trend impliziert die oben erwähnte Boyer-sche Idee einer 'Halb-Stagnation der Produktivität' am Ende der Phase extensiver Akkumulation, aber diese Idee findet in der wirtschaftlichen Entwicklung der USA vor dem Ersten Weltkrieg keine Entsprechung.

Somit widerlegt die tatsächliche Struktur des langfristigen Wachstums der Produktivität in dieser Periode eindeutig die Behauptung der Regulations-theoretiker, dass die Grundlagen des ökonomischen Wachstums zu großen Teilen durch die Methoden der Steigerung des absoluten Mehrwerts eingeschränkt gewesen seien. In Wirklichkeit war die Steigerung des relativen Mehrwerts (mit der Folge einer intensiven Akkumulation) ein zentraler und bestimmender Aspekt des Entwicklungsprozesses in dieser Epoche, was angesichts der Dominanz eher reiner Formen kapitalistischer gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse in den USA der Nachkriegszeit auch nicht überraschen sollte.

Die Tatsache, dass das Wachstum der Arbeitsproduktivität ein charakteristisches Merkmal der ökonomischen Entwicklung war, macht deutlich, dass die Wirtschaft auch ein großes Potential für eine Steigerung der Reallöhne hatte. Tatsächlich verursachte das Wachstum der Produktivität eine Tendenz - auch wenn es diesen Prozess nicht determinieren konnte - zu steigenden Reallöhnen, offensichtlich wegen der Produktion zu niedrigeren Kosten und weil - unter Bedingungen der Konkurrenz und unter sonst gleichbleibenden Umständen - dadurch ein Druck auf sinkende Preise bei den Waren ausgeübt wird, die in die Reproduktion der Arbeiter eingehen. Zwischen 1864 und 1880 fiel der Preisindex für Konsumgüter von 180 auf 110, auch wenn er so nicht unter den Stand Mitte der 1850er fiel. Von 1880 bis 1900 ging das Preisniveau weiterhin bedeutend zurück, von 110 auf 95. Um folglich einen deutlichen Reallohnzuwachs sicherzustellen, mussten die Arbeiter also nur verhindern, dass ihre Nominallöhne so schnell fielen wie die Warenpreise.

Tatsächlich stiegen die Reallöhne nach der Depression während der 1870er Jahre zwischen 1880 und 1914 um 75%. Natürlich führte in der dem Ersten Weltkrieg unmittelbar vorangehenden Periode der Strom der Immigration dazu, dass das Wachstum der Löhne etwas unterhalb des Wachstums der Arbeitsproduktivität blieb, aber auch das ist etwas anderes als zu behaupten, dass die Löhne stagniert hätten. Rees zufolge stiegen die Löhne in der verarbeitenden Industrie zwischen 1889 und 1913 mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 1.3%, verglichen mit einer Steigerung von 2.1% der Produktion pro Arbeiter in derselben Periode. (Bei-läufig sollte daran erinnert werden, dass der Faktor 1.3% pro Jahr in dieser Periode auch den durchschnittlichen Anstieg des Outputs, bezogen auf eine Kombination von gewichteter Arbeitseinheit und Kapitalinput, darstellt.) Außerdem ist in der Periode 1880 bis 1914, während der Reallohn um 75% stieg, der Index der Arbeitsproduktivität in der verarbeitenden Industrie nur unwesentlich schneller angestiegen, um 83%. Wenn wir den Beginn der Periode mit dem Ende des Bürgerkrieges ansetzen, dann stiegen die Löhne tatsächlich proportional zu ihrem Anteil am Gesamtprodukt. Zuverlässige Daten für den Anteil der Konsumtion (als Gegenstück zu den Investitionen) am BIP sind erst ab 1890 verfügbar, aber von diesem Zeitpunkt an bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges hielt sich dieser Anteil auf gleicher oder höherer Stufe als zu jedem Zeitpunkt nach 1950. (vgl. Abbildung VI)

Wirtschaftliches Wachstum in den USA, 1850 bis 1914: eine klassische kapitalistische Entwicklung

Tatsache ist, dass die Form des wirtschaftlichen Wachstums in den USA in der Periode von etwa 1850 bis 1914 sich kaum deutlicher von der ersten Entwicklungs-weise der Regulationstheoretiker unterscheiden kann - wo ihrer Ansicht nach das Wachstum in erster Linie auf der Basis von gesteigerter Ausbeutung, einer scharfen Begrenzung des Wachstums der Produktivität und auf geographischer Expansion des Systems beruht. Ohne Zweifel hat die kapitalistische Wirtschaft der USA nach dem Bürgerkrieg die Ausbeutung der Arbeit signifikant gesteigert und ihre geographische Reichweite dramatisch erweitert. Nichtsdestoweniger folgte die wirtschaftliche Entwicklung einer Richtung, die vielleicht als klassischer Weg kapitalistischer Entwicklung bezeichnet werden kann, entsprechend der von den Regulationstheoretikern irreführend so genannten intensiven Akkumulation, und eben nicht der Richtung einer extensiven Akkumulation. Angetrieben von der Konkurrenz unter vielen Unternehmen, erreichte es dramatische Steigerungen der Mechanisierung, mit der Folge erhöhter Produktivität, was wiederum die Reallöhne wachsen ließ und für die explosive Expansion des dynamischsten Binnenmarktes der Welt in dieser Zeit sorgte. Dies wird nicht nur aus den schon zitierten gesammelten Zahlen für die Produktivität und für die Löhne in der verarbeitenden Industrie deutlich, sondern auch nach einem Blick auf die grundlegenden Konturen und Tendenzen der US-Wirtschaft.

Im Zentrum des Wachstum befand sich eine agrikulturelle Revolution. Beginnend Mitte des Jahrhunderts und unterstützt durch die Fertigstellung der trans-kontinentalen Eisenbahn 1869, erfuhr die Agrikultur einen spektakulären Prozess der Modernisierung. Wie Aglietta betont, bildeten natürlich nicht Bauern, sondern selbstwirtschaftende Farmerfamilien die soziale Basis. Ihre ökonomischen Aktivi-täten, die für die Kapitalakkumulation während des 19. Jahrhunderts die Schlüssel-rolle spielten, zertrümmern fast jeden Ansatz der Regulationstheoretiker, die kompetitive Regulation und die extensive Akkumulation zu erklären. Weit davon entfernt, in der Produktion den kapitalistischen Formen der Arbeit unterworfen und in ihrer Konsumtion von den Märkten unabhängig zu sein - wie die Arbeitskraft in der idealtypischen ersten Entwicklungsweise von den Regulationstheoretikern gezeichnet wurde -, blieben die agrikulturellen Produzenten immer noch im Besitz von bedeutenden Produktionsmitteln und behielten auch die Kontrolle über den Arbeitsprozess, wurden aber etwa ab den 1920ern in ihren Subsistenzmitteln mehr und mehr vom Markt abhängig.

Die Tatsache, dass sogar die meisten Farmer, von den Fabrikarbeitern ganz zu schweigen, ihre Konsumtionsmittel auf dem Markt kauften, zieht die Vorstellung der Regulationstheoretiker, dass in ihrer ersten Entwicklungsweise in den Ver-einigten Staaten die Arbeiter ihre Konsumtionsmittel außerhalb der Sphäre der kapitalistischen Warenproduktion erhalten hätten, ins Lächerliche. Gerade wegen ihrer Abhängigkeit vom Markt hatten die Farmer in den USA als Individuen keine andere Wahl, als technisch fortgeschrittene Maschinen aus dem Sektor der Kapitalgüter zu kaufen, um so die Kosten zu senken und auf ihren Absatzmärkten konkurrenzfähig zu sein. Das stellt die Ansicht der Regulationstheoretiker schwer in Frage, wonach eine Wirtschaft nicht in der Lage ist, mittels der Methoden der Steigerung des relativen Mehrwerts zu akkumulieren oder die Massenproduktion über Investitionen von Kapital in Abteilung II zu entwickeln, wobei natürlich die Produktion von Nahrungsmitteln der Konsumgütersektor par excellence ist.

Außerdem bedeutete die zentrale Rolle der selbstwirtschaftenden Familienfarmer, die ihren Platz in der Wirtschaft zu großen Teilen durch die Produktion in einer durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit hielten, dass die Agrikultur nur unter Schwierigkeiten genügend Arbeitskräfte für das Aufkommen der verarbeitenden Industrie bereitstellen konnte. Das Ergebnis war eine langfristige Tendenz - nicht der Herabsetzung der Löhne, sondern (in Kombination mit anderen Faktoren) das Halten der Löhne auf weltweit höchstem Niveau. Das Wachstum der agrikulturellen Produktivität in dieser Art - kombiniert mit dem Wachstum der Löhne -, führte zu einem Anstieg der verfügbaren Kaufkraft der Arbeiterklasse und somit auch zu einem Anstieg der Nachfrage der Arbeiterklasse nach einer ganzen Reihe von Konsumgütern außerhalb der Nahrungsmittel. Zur gleichen Zeit förderte die Nachfrage aus dem agrikulturellen Sektor direkt die Maschinen und Werkzeuge produzierende Industrie und - allgemeiner - den Sektor der Kapitalgüter, während das wachsende Einkommen der Farmer die Nachfrage nach Haushaltsgütern und den Markt für Konsumgüter insgesamt stützte. Und schließlich stimulierten die hohen Löhne durch den Einsatz von kostensparenden technischen Verbesserungen die Nachfrage nach Kapitalgütern, indem sie einen Anreiz boten, im Produktions-prozess relativ billige Kapitalgüter gegen relativ teure Arbeit auszutauschen.

Das dynamische Wachstum der agrikulturellen Produktion und der agrikulturellen Produktivität stimulierte das Wachstum der Mechanisierung (ja wurde eigentlich erst durch diese ermöglicht), die selbst von der Expansion und der Transformation der vorgelagerten Werkzeugmaschinenindustrie abhängig war. In der Land-wirtschaft verdreifachte sich die Produktion pro Arbeiter zwischen 1840 und 1911, wovon 70% des Wachstums der Mechanisierung zufielen und davon wiederum 60% zwei epochemachenden Erfindungen zuzuschreiben sind - der Mähmaschine und der Dreschmaschine. Umgekehrt war die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Werkzeugen zu großen Teilen für die eindrucksvolle Entwicklung und Trans-formation der Eisen- und Stahlindustrie verantwortlich. Andererseits lieferte das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion das Material für eine ganze Reihe nachgelagerter, moderner, mechanisierter Industrien im Bereich der Nahrungs-mittelverarbeitung - die Getreidemühlen, das Konservieren von Fleisch, das Brennen von Alkohol und ähnliches. Aglietta erwähnt die Bedeutung dieser Industrien, aber datiert ihr Erscheinen fälschlicherweise in die 1890er Jahre. Tatsächlich begannen ihre kraftvollen, transformativen Effekte bereits im Bürger-krieg zu arbeiten, wenn nicht noch früher.

Die spektakuläre Expansion der Produktion in der US-Wirtschaft beruhte letztes Endes auf einem ausgeprägten Sektor für Kapitalgüter, in dessen modernem Zentrum hochspezialisierte Maschinen produziert wurden. Die vielleicht charakteristischste Eigenschaft dieser neuen Technologie war die Einführung von austauschbaren Teilen, die selbst wiederum von den neuen Kapazitäten für Präzision und standardisierte Produktion abhängig waren. Wesentlich für diesen Prozess war natürlich der Ersatz von Arbeitskräften durch Maschinen. Maschinen ermöglichten eine effektivere Produktion und Erzeugnisse von höherer Qualität. Sie ermöglichten auch den Ersatz von teuren Arbeitskräften durch viel billigere, angelernte Arbeiter auf den verschiedenen Stufen, die ein Produkt bei seiner Erzeugung zu durchlaufen hatte - das gilt vor allem für den Zusammenbau der verschiedenen Teile zu einem fertigen Produkt, wofür in einem zeitraubenden Prozess hochqualifizierte Arbeitskräfte benötigt wurden. Die neue Maschinofaktur brachte so an zentraler Stelle den Ersatz von "Handarbeit" (und der Handarbeiter) durch die "Montage" (und die Monteure) zur Einführung.

Was den neuen Sektor der Werkzeugmaschinen in die Lage versetzte, der Entwicklung der US-Wirtschaft einen solch kraftvollen Antrieb zu verschaffen, war seine Fähigkeit, eine Reihe ähnlicher technischer Probleme zu lösen, die in der Konsumgüter- und in anderen Industrien entstanden waren. Neue Techniken, die zuerst konstruiert wurden, um Probleme in Industriezweigen wie Textil- und Waffenproduktion zu lösen, wurden dann im Lauf der Zeit für Stand- und Taschenuhren, Nähmaschinen, landwirtschaftliche Geräte, Lokomotiven, Schlösser, Eisen- und Metallwaren, Schreibmaschinen, Fahrräder und, letztendlich, Autos eingesetzt. Schon 1851 wurden sich ausländische Beobachter des Aufstiegs der US-Industrie zur Weltführerschaft bewusst und sahen auch deutlich, dass der Schlüssel ihrer immanenten Überlegenheit in der Nutzung von Maschinen - in hoch-spezialisierten Firmen konstruiert - für sehr spezifische Aufgaben zu finden war. Schon in den 1860er Jahren begannen die Unternehmer ihre Fabriken so zu organisieren, dass ein rationeller Ablauf der halbfertigen Produkte zwischen den einzelnen Stationen in der Fabrik ermöglicht und - bei der Verpackung von Fleisch und bei Getreidehebern - Mechanismen für eine kontinuierliche Bewegung dieser Teile zwischen den Arbeitsstationen entwickelt wurde - das waren die ersten Fließbänder.

Man kann die Bedeutung des unabhängigen Wachstums der auf Maschinen besierenden Massenproduktion für das Wachstum der Massenkonsumtion kaum überbewerten, ebensowenig die Bedeutung der Massenkonsumtion für die Entwicklung der US-Wirtschaft im 19. Jahrhundert. 1860 waren die zehn wichtigsten Sektoren der US-Wirtschaft der Größe nach folgendermaßen gegliedert:

In bezug auf den hinzugefügten Wert: (1) Baumwollprodukte; (2) Holz; (3) Stiefel und Schuhe; (4) Mehl [flour and meal]; (5) Männerbekleidung; (6) Eisen; (7) Maschinerie; (8) Wollprodukte; (9) Leder; (10) Alkoholika.

In bezug auf die Zahl der Beschäftigten: (1) Stiefel und Schuhe; (2) Baumwolle; (3) Männerbekleidung; (4) Holz; (5) Eisen; (6) Maschinerie; (7) Wollprodukte; (8) Mehl; (9) Leder; (10) Alkoholika.

(Quelle: D.C. North, Growth and Welfare in the American Past, 2nd Edition, Englewood Cliffs 1974, S 80.)

 

Es kann so gesehen werden, dass der größte Teil der der US-Industrie - in bezug sowohl auf den hinzugefügten Wert als auch auf die Zahl der Beschäftigten - direkt für den Massenkonsum entwickelt wurde. Weil ein großer Teil der Eisen- und der Maschinenproduktion die Nachfrage des landwirtschaftlichen Sektors zu befrie-digen hatte, genauso wie die Nachfrage der mechanisierten Industrie für Konsum-güter, scheint die Schlussfolgerung vernünftig - was viele Kommentatoren auch getan haben -, dass die Entwicklung der US-Wirtschaft auch in der Zeit des Bürgerkriegs sehr stark durch den heimischen Markt unterstützt wurde, durch Massenkonsumtion.

Es ist leicht, die Art und das Ausmaß, in dem sich die Massenkonsumtion auf der Massenproduktion gründete, nachzuweisen. Von den oben genannten zehn füh-renden Industrien haben mindestens acht - Stiefel und Schuhe, Baumwolle und Wolle, Männerbekleidung, Maschinerie, Eisen und Stahl, Mehl und Alkoholika - schon in der Zeit des Bürgerkriegs oder kurz danach die Erfahrung der Fabriks-mechanisierung gemacht oder befanden sich gerade voll im Prozess dieser Erfahrung. Wie Caroll D. Wright in der Einleitung zur Zählung der Manufakturen für das Jahr 1880 ausführte:

"Von den annähernd drei Millionen in der maschinellen Industrie dieses Landes beschäftigten Menschen arbeiten mindestens vier Fünftel im Fabriks-system. Einige der anderen beachtenswerten Fälle der Anwendung des Systems (neben dem Bereich der Textilien) sind in der Produktion von Stiefeln und Schuhen, von Uhren, Musikinstrumenten, Bekleidung, landwirtschaftlichen Geräten, Metallwaren allgemeiner Art, Schußwaffen, Eisenbahnen und Wagen, Holzprodukten, Gummiprodukten und sogar dem Schlachten von Schweinen zu finden. Die meisten dieser Industrien wurden in den letzten 30 Jahren auf das Fabrikssystem umgestellt."

Und Chandler fügt hinzu: "In den Industrien der Raffinerie, der Destillation, der Brennöfen und Gießereien war der Anteil der beschäftigten Arbeiter vermutlich höher als in vergleichbaren industriellen Unternehmen." Das Ergebnis war, dass der Sektor der Kapitalgüterindustrie zu großen Teilen wuchs, um die Massen-produktion in der Konsumgüterindustrie zu bedienen und um sie überhaupt erst technisch zu ermöglichen. Wiederum dürfte das die Behauptung von Aglietta und der Regulationstheoretiker rundum widerlegen, dass die nur geringfügige, sowohl technische als auch austauschförmige Verknüpfung zwischen Abteilung I und Abteilung II eine grundlegende Eigenschaft der Wirtschaft gewesen sei, was den Pfad der Akkumulation direkt beschränkt habe. Im Gegenteil: Es war die besondere Eigenschaft der US-Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, über Kapazitäten der Produzenten von Kapitalgütern (vor allem von Werkzeug-maschinen) zu verfügen, die in der Lage waren, effektivere Produktionsmittel als direkte Antwort auf die technischen Bedürfnisse von Firmen vor allem aus der Konsumgüterindustrie ins Spiel zu bringen. Angetrieben durch die Konkurrenz, steigerten die kapitalistischen Produzenten ihre Investitionen in fixes Kapital dramatisch, wodurch große Steigerungen in der gesamten Produktivität ermöglicht wurden - mit anderen Worten: Es handelte sich hier um Steigerungen mittels der Methoden der erweiterten Produktion von relativem Mehrwert. Zur gleichen Zeit ermöglichten die aus den Produktivitätssteigerungen resultierenden niedrigen Preise in Kombination mit der Kaufkraft der Arbeiter bedeutende Steigerungen der Reallöhne und der Konsumtion der Arbeiter und ein beeindruckendes Wachstum des Binnenmarktes.

Dieses allgemeine Bild wird durch die Ergebnisse einer vergleichenden Studie bestätigt, wonach die US-Industrie zwischen dem Bürgerkrieg und dem Ersten Weltkrieg die Hegemonie der britischen Industrie herausgefordert, wenn nicht sogar übertroffen habe. In der Tat sicherte sich die US-Wirtschaft lange vor dem Ende dieser Ära eine enorme neue Quelle der Dynamik durch die Anwendung der Wissenschaft auf die Technologie. Diese "zweite industrielle Revolution" war nicht nur eine Frage des Aufkommens des Autos, sonders selbst die Kulmination des auf dem mächtigen Sektor der Werkzeugmaschinen basierenden Wachstums der Maschinofaktur. Sie brachte auch vollständig neue oder gewaltig transformierte Industrien hervor, in welchen als Folge der wissenschaftlichen Fortschritte eine Produktion in einem kontinuierlichen Prozess ermöglicht wurde - namentlich bei Chemikalien, Benzin, Petrochemikalien, Stahl, Aluminium, Zement und so weiter.

Aglietta selbst präsentierte vergleichenden Daten, die ebenfalls die Vorstellung unterminieren, dass das theoretisch durch kompetitive Regulation und extensive Akkumulation strukturierte Entwicklungsmodell für die USA im letzten Teil des 19. Jahrhunderts gültig wäre oder dass das Aufkommen der Massenkonsumtion die institutionellen Transformationen der "fordistischen" Epoche abzuwarten gehabt hätte.

Tabelle III

Vergleich der durchschittlichen Indizes, 1890-99, in englischem Geld geschätzt und in Beziehung zur jeweils gleichen Indexzahl für England gesetzt.

 
Reallohn

pro Stunde

pro Arbeiter in der Produkion

hinzugefügter Wert

Reale Lohnkosten
       
England 1.00 1.00 1.00
       
Deutschland 0.59 0.66 0.90
       
USA 1.08 1.57 0.68

Quelle: Aglietta, Theory of Capitalist Regulation, S 92.

 

Am Ende des Jahrhundert war es der US-Wirtschaft schließlich gelungen, in der Arbeitsproduktivität England um das Eineinhalbfache zu übertreffen (und Deutsch-land um das Zweieinhalbfache), und sie konnte auf dieser Basis die Arbeitskosten deutlich unter denen der wichtigsten Konkurrenten halten, obwohl messbar höhere Löhne gezahlt wurden. Wie wir noch sehen werden, war bei den meisten der wichtigen Indikatoren wirtschaftlicher Entwicklung - Wachstumsrate des BIP pro Einwohner, Anteil des BIP, das in die Investition in Fixkapital gelenkt wird, Wachstumsrate der Investitionen in fixes Kapital pro Arbeitsstunde usw. - die Dynamik der US-Wirtschaft zwischen 1870 und 1914 vergleichbar mit jener, die sie dann im großen Boom 1950 bis 1973 hatte.

Wir können deshalb die Schlußfolgerung ziehen, dass die These der Regulations-schule einer durch kompetitive Regulation bestimmten extensiven Akkumulation den historischen Prozess der Entwicklung vollständig missversteht und dass die zur Diskussion stehende Periode offensichtlich nur durch die zunehmende Abhängigkeit der Akkumulation von den Methoden der relativen Mehrwertproduktion und dem Wachstum der Massenkonsumtion gekennzeichnet werden kann - was in Wirklichkeit auf eine intensive Akkumulation hinausläuft. Genauer auf den Punkt gebracht heißt das, dass - gerade weil die intensive Akkumulation bereits im Rahmen der von den Regulationstheoretikern so genannten kompetitiven Regulationsweise einsetzte - ihr weitläufig interpretierendes Schema institutionell begründeter historischer Phasen der Kapitalakkumulation fundamental in Frage gestellt ist. In diesem Schema wird dem Übergang von der extensiven zur intensiven Akkumulation eine zentrale Bedeutung eingeräumt: Das Aufkommen der intensiven Akkumulation wird durch die kompetitive Regulation verhindert, beschränkt und unterminiert; die Etablierung der intensiven Akkumulation ist in letzter Hinsicht von einer teilweisen Transformation der kompetitiven Regulation abhängig; der Widerspruch zwischen der intensiven Akkumulation und der immer noch teilweisen kompetitiven Regulation bildet den Hintergrund der Krise der Zwischenkriegszeit; und die Herausbildung einer neuen Entwicklungsweise - in der die intensive Akkumulation durch eine neu installierte monopolistische oder "Fordistische Regulationsweise" bestimmt wird - wird zu großen Teilen als Lösung dieses Widerspruchs erklärt.

Wenn jedoch die anfängliche Phase extensiver Akkumulation im für uns relevanten Zeitabschnitt nie existiert hat, was bleibt dann vom angenommenen Übergang zur intensiven Akkumulation? Wenn die intensive Akkumulation genau auf der Basis der Institutionen der kompetitiven Regulation entstanden ist, was bleibt dann vom angenommenen Widerspruch zwischen der kompetitiven Regulation und der intensiven Akkumulation, von der Fesselung der letzteren durch die erstere? Wenn es zwischen der intensiven Akkumulation und der immer noch teilweisen kompetitiven Regulation keinen realen Widerspruch gab - weil die Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und auf dem Arbeitsmarkt das doppelte Wachstum von Produktion und Konsumtion und von Ausstoß und Nachfrage förderte und dadurch die erfolgreiche intensive Akkumulation ermöglichte -, wie kann dann dieser Wiederspruch den Hintergrund für die Krise der Zwischen-kriegszeit bilden? Wenn die Krise der Zwischenkriegszeit nicht das Ergebnis des genannten Widerspruchs war, wie kann dann von den Institutionen, die die Fordistische Konsumtionsnorm garantierten, gesagt werden, sie würden das Übergehen der Krise der Zwischenkiegszeit in den Boom der Nachkriegszeit begründen ?

 

III. Zweite Entwicklungsweise: Intensive Akkumulation bei immer noch kompetitiver Regulation

Die durch die kompetitive Regulation und die extensive Akkumulation bestimmte Entwicklungsweise wurde im Schema der Regulationstheoretiker von einer neuen Entwicklungsweise ersetzt, die durch eine im wesentlichen immer noch kompetitive Regulationsweise bestimmt wurde, die ein intensives Akkumulationsregime leitete. Das veränderte Akkumulationsregime war Ausdruck der Ablösung der handwerk-lichen Produktion durch die Massenproduktion und die Hinwendung zu massiven Investitionen in fixes Kapital. Damit waren große technische Fortschritte verbunden, die in Erwartung langfristiger Gewinne getätigt wurden. Das Akkumulationsregime war aber auch Ausdruck eines qualitativen Bruchs, der zu einer neuen Stufe des Wachstums der Produktivität führte - sehr allgemein, zu einem Prozess der Kapitalakkumulation, der wesentlich auf der Herauspressung von relativem Mehrwert beruhte. Die Herausbildung dieser neuen Regularien, so die Argumentation, sei durch signifikante institutionelle Veränderungen ermöglicht worden. Neue Formen der Marktregulierung seien Ausdruck einer vertieften Organisierung zwischen den Kapitalien gewesen, und innerhalb der Fabrik hätten ausgedehnte Klassenkämpfe zu einem Bruch mit der handwerklichen Kontrolle geführt. Trotzdem sei die Regulationsweise in letzter Analyse kompetitiv geblieben, weil das fundamentale Kapital-Lohnarbeit-Verhältnis im wesentlichen immer noch unreguliert und durch ungehinderten Wettbewerb gekennzeichnet gewesen sei, mit der Konsequenz, dass die Konsumnorm der Arbeiterklasse oder die ökonomische Kapazität, eine hinreichende Nachfrage für die Produkte der Abteilung I zu bieten, nicht transformiert worden sei.

1. Massenproduktion ohne Massenkonsumtion

Sehr unmittelbar und direkt war das Regime der intensiven Akkumulation eine Funktion des Aufkommens des wissenschaftlichen Managements, wodurch die kapitalistischen Unternehmen gegen den Widerstand der Arbeiter mit Erfolg eine sich steigernde, systematische Kontrolle über den Arbeitsprozess durchsetzten, um so technische Neuerungen erzielen zu können. Allgemein formuliert, betraf das sogenannte tayloristische Methoden der Rationalisierung: eine Beschleunigung des mechanischen Prozesses der Vollendung der Arbeitsabläufe (das heißt, eine Intensivierung der Arbeit durch Arbeitsablaufstudien); Auffüllen der Unter-brechungen des Arbeitstages, die entweder aus der mangelnden Koordination zwischen den Funktionen der Maschinen oder aus anderen Unterbrechungen resultierten; und insbesondere die Integration zuvor getrennter mechanisierter Teile des Arbeitsprozesses (die davor oft zu bedeutenden Teilen unter der Kontrolle der Arbeiter selbst gestanden hatten). Der Taylorismus gipfelte in und wurde über-troffen von der fordistischen Vereinheitlichung des Arbeitsprozesses, einschließlich der Einführung von Förderbändern und Mechanismen zur Handhabung der Bewegung der Materialien, um deren Bereitstellung an den entsprechenden Werkzeugmaschinen zu gewährleisten. Der coup de grâce war das automatische Fließband, wodurch die Arbeiter rigoros an die durch das Maschinensystem gestaltete Arbeitsstelle fixiert wurden und sie so auch jegliche Kontrolle über Rhythmus und Autonomie ihrer Arbeit verloren. Der Arbeitsprozess wurde so "aus einem dichten Netzwerk von Verhältnissen innerhalb der Arbeitsplätze, zwischen denen die Zwischenprodukte hin und her gereicht wurden, (...) in einen einfachen, linearen Fluß der Werkstoffe umgewandelt."

Die Durchsetzung des tayloristisch-fordistischen Arbeitsprozesses wurde unter-stützt durch eine Veränderung in der Regulationsweise der Kapital-Kapital-Verhält-nisse, nämlich weg vom vollständigen Wettbewerb in Richtung der Oligopole. Eine qualitative Steigerung in der Konzentration des Kapitals, das Aufkommen von Kartellen, die durch das Finanzkapital kontrolliert wurden, und die Herausbildung der modernen Aktiengesellschaften ermöglichte eine größere interkapitalistische Kontrolle des Wettbewerbs, der Märkte und - allgemeiner - des Umfeldes von Investitionen. Die daraus resultierende Minimierung der Risken, kombiniert mit der Zerstörung der handwerklichen Kontrolle über den Arbeitsprozess, ermöglichte einen qualitativen Sprung bei den Investitionen in fixes Kapital für den technischen Fortschritt, besonders nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Zusammengenommen führten die ablaufenden Prozesse zum Entstehen einer neuen Entwicklungsweise, in der die Akkumulation mittels der Steigerung des relativen Mehrwerts domierte und auch zum ersten Mal das Potential für eine regulierte Massenkonsumtion geschaffen wurde. Aglietta datiert den Beginn dieses Durchbruchs für die USA mit dem Ende des 19. Jahrhunderts und seine endgültige Durchsetzung mit den 1920er Jahren.

Wie auch immer, es ist eine der zentralen Thesen der Regulationsschule, dass die sich neu herausbildende Entwicklungsweise inhärent instabil war, weil das neue Regime intensiver Akkumulation immer noch durch eine kompetitive Regulations-weise - bezogen auf die Kapital-Lohnarbeits-Verhältnisse - gesteuert wurde. Das spektakuläre Wachstum der Massenproduktion brachte neue Probleme, weil diese immer noch mit einem beschränkten Massenkonsum verknüpft war. Wie Aglietta erklärt, habe der Kapitalismus sich unter extensiver Akkumulation "für eine lange historische Periode gehalten, ohne die traditionellen Lebensformen zu zerstören, und dabei sogar von der Reproduktion der Arbeitskraft in nicht-kapitalistischer Umgebung profitiert, in die die Arbeitskräfte immer noch eingebunden waren." Dann kam der Aufstieg der intensiven Akkumulation:

"Die Zerstörung der traditionellen sozialen Umgebung wurde nur durch die Entwicklung der Schwerindustrie erreicht, die die für das Lohnverhältnis charakteristische totale Entwurzelung erzwingt: die Trennung der Arbeits-kraft von all seinen Existenzbedingungen. Die Lebensweise der Klasse der Lohnabhängigen hat in der Folge eine weitgehende Verschlechterung erfahren. Diese Verschlechterungen sind die Basis der gigantischen strukturellen Veränderungen, die alle kapitalistischen Länder ab dem Ende des 19. Jahrhunderts erfahren haben ..."

Die Tendenz, die Löhne der Arbeiter niederzuhalten, wurde schließlich mit der Jahrhundertwende in den USA noch heftiger. Das war Folge nicht nur des Verlustes des Zugangs der Produzenten zu nicht-warenförmigen Quellen der Reproduktion und der daraus resultierenden Überflutung des Arbeitsmarktes, sondern auch des massiven Drückens der Löhne durch die ansteigende Immigrationswelle. Im Gefolge des Ersten Weltkrieges erlitten die Arbeiter schließlich in einer Reihe großer Konfrontationen mit dem Kapital eine Serie vernichtender Niederlagen, die den Weg für Einschnitte im Lebens- und Arbeitsstandard während der 1920er Jahre öffneten. Schließlich, besonders in den 1920er Jahren, erodierte durch die technischen Fortschritte ihre Vehandlungsposition weiter, weil dadurch die alten berufsständischen Gewerkschaftsstrukturen [craft-union structures] unterminiert wurden. Ein Ergebnis sei gewesen, dass "das Missverhältnis zwischen der Expansion in Abteilung I und der Akkumulation in Abteilung II rapide anstieg, weil die den Arbeitsprozess revolutionierenden Kräfte zugleich auch die effektive Nachfrage nach Waren aus Abteilung II reduzierten." Der darunter liegende strukturelle Widerspruch der Entwicklungsweise - basierend auf intensiver Akku-mulation, aber gesteuert durch kompetitive Regulation - begann somit plötzlich in den späten 1920er Jahren manifest zu werden und brach in der großen Krise der 1930er Jahre hervor. Boyer fasst das Problem folgendermaßen zusammen:

"Massenproduktion ist technisch möglich, kann aber nicht aufrechterhalten werden, weil die vorherrschende 'Regulation' die Lohnzuwächse nach-drücklich mäßigt; und das zur selben Zeit, in der die Lohnabhängigen eine dominante Fraktion der Gesamtheit der Arbeitskräfte werden. Es stellt sich heraus, dass eine solche intensive Akkumulation höchst widersprüchlich (die Profitrate ist relativ zu hoch, um eine entsprechende effektive Nachfrage zu ermöglichen) und instabil ist. […] Langfristig handelt es sich deshalb nicht um eine lebensfähige Entwicklungsweise."

Was es dieser Entwicklungsweise anscheinend ermöglichte, sich in beschränktem Ausmaß zu entfalten, waren die fortlaufenden Möglichkeiten der Abteilung I aufgrund der ständigen Erweiterung des [geographischen] Grenzbereichs. Als aber die Möglichkeiten der Akkumulation in den Grenzbereichen ausgeschöpft waren, und besonders als sich das Tempo der technischen Veränderungen in den 1920er Jahren plötzlich beschleunigte, vollzog sich das wirtschaftliche Wachstum auf zunehmend zerbrechlicheren Grundlagen. Für eine kurze Periode versorgte die steigende Konsumnachfrage aus den mittleren Schichten von Managern, Verkäufern und technischem Personal - die aus dem gesellschaftlichen Mehrwert bezahlt wurden - die Wirtschaft mit einer neuen Quelle von Dynamik; aber die zugrunde-liegenden Tendenzen der ungleichen Entwicklung von Abteilung I und der Unterkonsumtion konnten nicht für ewig verzögert werden.

 

2. Gab es ein strukturelles Problem von Unterkonsumtion?

Im Zentrum der Theorie der Regulation steht die Vorstellung, dass der Konsum der Arbeiterklasse in der Höhe und in der Form

(a) in entscheidender Hinsicht institutionell bedingt,

(b) durch ausschließliche Veränderungen in der Technologie und im Arbeits-prozess nicht transformierbar, und

(c) in entscheidender Weise für den Pfad der Kapitalakkumulation bestimmend sei.

Die Durchsetzung der intensiven Akkumulation auf stabiler Basis benötigt aus diesen Gründen Institutionen, die die fordistische Konsumnorm der Arbeiterklasse sichern können. Dennoch wäre es möglich, dass die Regulationstheoretiker verneinen, dass der Kapitalismus im allgemeinen Unterkonsumtionskrisen aus-gesetzt sein könnte. Sie könnten argumentieren, dass die Krise der 1930er Jahre in Begriffen von historisch entwickelten Tendenzen, verknüpft mit einem ganz bestimmten Entwicklungsweg, verstanden werden muss - nämlich dem Aufstieg der intensiven Akkumulation, verbunden mit einer immer noch kompetitiven Regulationsweise. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass eine Unter-konsumtionstheorie die Basis - und unerlässlich - nicht nur für ihre Erklärung dieser Krise bleibt, sondern auch für ihre institutionell-historische Theorie kapitalistischer Entwicklung im allgemeinen.

In erster Linie ist das evident für die Theory of Capitalist Regulation, dem grundlegenden Text der Regulationsschule, der sich auf eine sehr explizite - wenn auch nicht voll ausgearbeitete - traditionelle Unterkonsumtionsthese gründet. Allgemeiner formuliert, ist die Unterkonsumtion das dominante Thema in der Herangehensweise an Krisen innerhalb des Regulationsansatzes, die die Entwicklung des Kapitalismus entlang einer Art von Drahtseil versteht, mit der Skylla einer Krise wegen steigender organischer Zusammensetzung/fallender Profitrate einerseits, und der Charybdis einer Krise wegen steigender Profitrate/ Unterkonsumtion andererseits. Von diesem Standpunkt aus gesehen, stehen aus der Abteilung I kommende technische Veränderungen im Zentrum der Kapital-akkumulation. Deshalb "verursacht eine Vertiefung des Prinzips der Mechanisie-rung … ein Steigen in der organischen Zusammensetzung des Kapitals als Gegenstück zu den Einsparungen an Arbeitskräften. Als Folge einer immer intensiveren Erneuerung der Produktionsmittel steigt der relative Mehrwert. Konsequenterweise wächst die Abteilung I mit einer immer schnelleren Rate." Aber dieser Prozess beinhalte eine doppelte Gefahr.

Einerseits, wenn "die Transformation der Bedingungen der Produktion durch ein Steigen der organischen Zusammensetzung des Kapitals zustande kommt", ohne dass "die Lohnkosten schneller fallen als das Verhältnis des konstanten Kapitals zum gesamten Tauschwert ansteigt [...], dann steigen die Gesamtkosten der Produktion (die Profitrate fällt) und die Rate der Akkumulation verlangsamt sich." Das ist, natürlich, das klassische Motiv der fallenden Profitrate.

Andererseits stimme es zwar, dass "die allgemeine Profitrate steigt und die Akkumulation sich beschleunigt, wenn die Produktionskosten fallen"; nichts-destoweniger "kann dieser Prozess durch unterschiedliche Prozesse beeinträchtigt werden" - vor allem durch Kräfte, die die Konsumkraft einer Gesellschaft unzureichend machen. Das gelte im besonderen unter folgenden Bedingungen:

"[i] die interne Entwicklung der Abteilung I verläuft zu schnell, weil die soziale Nachfrage nach Produktionsmitteln immer größer werden muß, um eine hinreichende Einsparung von Arbeitskräften aufrecht zu erhalten, um eine kontinuierliche Senkung der Produktionskosten zu ermöglichen; [ii] Der Tausch-wert der ausgeschütteten Löhne unterliegt einer relativen Abnahme, während die Profite weiter und weiter steigen, besonders in Abteilung I." Das Ergebnis ist eine Unterkonsumtionskrise und in der Folge eine Realisierungskrise.

"Ein Moment ist notwendig erreicht, ab dem die Profitrate in Abteilung I als Folge der beschleunigten Entwicklung dieser Abteilung in Relation zum angewandten Kapital steigt, während die Akkumulation in Abteilung II aufgrund der beschränkten gesellschaftlichen Nachfrage nach Konsumtionsmitteln eingeschränkt ist. Der Umfang der für den Kauf der Tauschwerte der Abteilung II bestimmten Einkommen wächst viel weniger schnell als der Umfang der für den Kauf von Produktionsmitteln bestimmten Einkommen […] Es gibt dann eine unausweichliche Differenz der Profitrate in Abteilung I und der in Abteilung II. Als Resultat wird die Abteilung II unfähig, genügend Produktionsmittel zu kaufen, um der Wachstumsrate der Abteilung I zu entsprechen, weil sich die Verteilung der Einkommen in einer Weise entwickelt, die keinerlei Bildung einer ausreichenden gesellschaftlichen Nachfrage nach Konsumtionsmitteln erlaubt. Unter diesen Bedingungen wird die notwendige, vollständige Realisierung der Tauschwerte unmöglich. […] eine Überproduktion der Produktionsmittel."

In der Sicht Agliettas ist die unterkonsumtionistische Dynamik ein beständiges Problem der kapitalistischen Produktionsweise, an der Wurzel nicht nur der Krise der Zwischenkriegzeit, sondern auch der Krise des Fordismus, die Mitte bis Ende der 1960er Jahre einsetzte, obwohl er auch eingesteht, dass die zugrundeliegenden historischen Bedingungen sehr unterschiedlich waren. Aber auch wenn ihre Arbeiten ein solch klares Statement vermissen lassen, würde die Unterkonsumtions-these doch die theoretische Fundierung des gesamten Gebäudes der Regulations-theoretiker formen. Dies deshalb, weil das direkt logische Ergebnis ihrer Argumente darin besteht, dass ein sich auf der Basis des relativen Mehrwerts entwickelnder Kapitalismus ohne historisch bedingte entgegenwirkende Tendenzen eine Unterkonsumtionskrise durchmachen würde - und, noch genauer, ohne spezifische institutionelle Formen, die ein entsprechendes Wachstum der Konsumtion der Arbeiter zur Folge hätten. Mit anderen Worten: Ein Kapitalismus ohne fordistische Normen der Konsumtion der Arbeiterklasse leidet an Unterkonsumtion. Oder wie Boyer es prägnant formuliert: "wenn die Anordnung der Löhne in erster Linie kompetitiv ist, führt eine neue industrielle Revolution zu so hohen Profitraten, dass diese langfristig wegen eines Mangels an ent-sprechender Gesamtnachfrage nicht erhalten werden können."

Die beiden wichtigsten Faktoren, die die Regulationsschule hier verantwortlich macht - 1. inadäquates Wachstum der Abteilung II, mit der Folge einer Disproportion zwischen Abteilung I und Abteilung II, und 2. Druck gegen das Wachstum der Löhne, mit der Folge von unzureichenden Einkommen, um den Ausstoß immer größerer Kapitalinvestitionen zu kaufen -, sind genau jene, die die Befürworter der Unterkonsumtionsposition, von Malthus bis Sweezy, als Quelle der kapitalistischen Krisen gesehen haben. Aber bis jetzt wurden keine Mechanismen geliefert, um zu zeigen, warum diese Faktoren - die beide tendenziell zu einer inadäquaten Konsumnachfrage führen - ernsthafte Probleme erzeugen sollten.

Wenn steigende Profitraten im Sektor der Kapitalgüter erweiterte Investitions-möglichkeiten bieten, warum sollten weitere Investitionen nicht in den Sektor der Kapitalgüter fließen, bis die Profitraten ausgeglichen sind? In gleicher Weise: Warum sollte die angenommene unzureichende Nachfrage nach Konsumgütern - und deshalb nach Kapitalgütern in Abteilung II - nicht durch die Nachfrage nach Kapitalgütern von Unternehmen, die durch Investitionen und technischen Fortschritt wettbewerbsfähig zu bleiben versuchen (was selbst wiederum durch steigende Beschäftigung zu gesteigerter Konsumnachfrage führen wird), mehr als ausgeglichen werden?

Es ist in dieser Hinsicht etwas kurios, dass die Regulationstheoretiker sich nicht auf den einzigen seriösen Versuch im letzten halben Jahrhundert beziehen, um die logische Notwendigkeit von Unterkonsumtionskrisen nachzuweisen - eine Anstrengung, die denselben Ausgangspunkt hat wie bei ihnen. Wie Aglietta et al beginnt ja auch Sweezy mit der Voraussetzung, dass Abteilung I als Konsequenz des Zwanges der Konkurrenz, zu akkumulieren und Neuerungen einzuführen, schneller wächst als Abteilung II. (Eine andere Art, dies darzulegen, bestünde darin, dass die Investitionen schneller wachsen als der Konsum als Anteil des nationalen Einkommens.) Seine zweite Voraussetzung, als technologisch determiniert gesehen, wäre, dass die Steigerungen bei den Investitionen zu einer Steigerung im Ausstoß führen wird, die proportional zu den Steigerungen bei den Produktionsmitteln verläuft; das heißt, dass mit steigenden Investitionen das Verhältnis von Kapital und Output konstant bleibt. Er schlussfolgert, dass während der proportionale Anteil des Konsums am Nationaleinkommen fällt, zugleich, wegen der proportionellen Steigerung von Investitionen und Ausstoß, dieser Ausstoß über die Konsumtion hinausgehen müsse.

Aber in Sweezys Argumentation finden sich zwei Fehler. Der erste, schon erwähnte, besteht in der unbegründeten Annahme, dass steigende Investitionen notwendigerweise eine annähernd proportionale Produktion von Konsumgütern mit sich bringen müsse. Der zweite besteht in der Annahme, dass gesteigerte Investitionen, die einen größeren Teil der nationalen Produktion einnehmen, nicht nur eine größere Quantität von Gütern (Gebrauchswerten) produzieren, sondern auch Güter von größerem Wert, die - wie angenommen wird - nicht gekauft werden können. Tatsächlich werden gesteigerte Investitionen, während sie einen größeren Output physischer Einheiten mit sich bringen, als Konsequenz des innewohnenden technischen Fortschritts Güter mit geringerem Wert als zuvor produzieren - das heißt, eine aggregierte wertmäßige Produktion, die immer noch konsumiert werden kann. Als Ergebnis gibt es in Übereinstimmung mit den beiden Voraussetzungen von Sweezy kein Problem in der Spezifizierung eines stabilen Entwicklungsganges der Kapitalakkumulation, auf dem auch die Unterkonsumtion vermieden werden kann.

Zusammenfassend läßt sich sagen: Keiner der zahlreichen verschiedenen Theoretiker der Unausweichlichkeit von Realisierungs- bzw. Unterkonsumtions-krisen hat bis jetzt eine systematische und allgemeine Argumentation entwickelt, mit der gezeigt werden könnte, dass die Realisation nicht durch eine gesteigerte aggregierte Nachfrage stattfinden kann, die sich aus den folgenden Ursachen erklären läßt:

1. weitere Expansion der Kapitalinvestitionen (Nachfrage nach Kapitalgütern) als Folge der durch den Wettbewerbsdruck notwendigen technischen Neuerungen und vermittels der Anwendung neuer Arbeitskräfte, die beinahe immer zur Verfügung stehen;

2. neue Konsumausgaben durch jene Arbeitskräfte, die in der Produktion neuer Kapitalgüter eingesetzt werden;

3. steigende Löhne, die normalerweise als Begleiterscheinungen der technischen Neuerungen über bloß zeitweilige Erweiterungen des Prozesses der Kapital-akkumulation hinaus erwartet werden können;

4. unproduktive Ausgaben.

Der Punkt ist offensichtlich nicht, dass nicht ernsthafte Probleme in bezug auf die effektive Nachfrage entstehen könnten. Es ist vielmehr so, dass eine Akkumulation durch ein relatives Wachstum von Abteilung I im Verhältnis zu Abteilung II mit der Folge eines Anstiegs des relativen Mehrwerts, beim Fehlen von Institutionen, die die Konsumnormen der Arbeiter sichern, nicht automatisch einen Mechanismus produziert, der das Aufkommen solcher Probleme determiniert.

Es muß betont werden, dass im Fortlauf der Kapitalakkumulation das Wachstum der Nachfrage und der Konsumtion sich in der Regel viel schneller und wirksamer durch ein Wachstum der Investitionen mit der Folge einer größeren Zahl beschäftigter Arbeiter als durch eine Erhöhung der Löhne pro Arbeiter vollziehen wird. In den USA der Nachkriegszeit zum Beispiel waren Veränderungen in der Zahl der Beschäftigten zu 80% für Veränderungen in der gesamten Nachfrage verantwortlich. Besonders aus diesem Grund sind Theorien, die versuchen, Krisen als Ergebnis eines Mangels an effektiver Nachfrage zu verstehen, genötigt, einige andere Mechanismen zu liefern, die zu unzureichenden Investitionen führen - und nicht nur die unzureichende Konsumtion der Arbeiterklasse.

 

3. Führte die Entwicklung eines intensiven Akkumulationsregimes unter einer kompetitiven Regulationsweise zu einer strukturellen Unterkonsumtions-krise in den 1920er Jahren?

Im Modell der Regulationstheoretiker entsteht das Problem der Massen-konsumtion potentiell dann, wenn das intensive Akkumulationsregime sich durchsetzt. In der Tat, die Regulationstheoretiker folgen der ursprünglich von Alvin Hansen und anderen keynesianistischen Interpreten der Großen Depression hervorgebrachten Argumentation. Sie glauben, dass die Krise der 1930er Jahre nur deshalb so lange hinausgezögert wurde, weil historisch zufällige Faktoren - vor allem die kontinuierlichen Möglichkeiten durch "das Grenzgebiet" - dazu tendierten, der ungleichen Entwicklung von Abteilung I und der Unterkonsumtion gegenzusteuern. Was heißt das genau? Verursachte das Aufkommen der intensiven Akkumulation im Kontext der kompetitiven Regulationsweise die strukturellen Probleme einer ungleichen Entwicklung von Abteilung I und der Unterkonsumtion, die dann in der Krise der Zwischenkriegszeit endeten? War das der Grund, weshalb bestimmte Institutionen geschaffen werden mussten, um den Konsum der Arbeiter zu sichern und auf diese Weise die Krise zu verhindern oder zu überschreiten und erfolgreich eine langfristige Entwicklung zu erreichen?

Erstens müssen wir nochmals betonen, dass es keinen Grund dafür gibt - eher das Gegenteil ist anzunehmen -, die grundlegende These der Regulationstheoretiker zu unterstützen, wonach intensive Akkumulation grundlegend mit kompetitiver Regulation unvereinbar und statt dessen eine institutionell gesicherte Konsumtion der Arbeiter notwendig sei, um Stabilität zu erreichen. Ungeachtet eines langfristigen Trends zu signifikanten Produktivitätszuwächsen waren die Löhne in der Periode von 1850-1914 in der Lage, ihren Anteil am nationalen Einkommen zu erhalten oder vielleicht sogar zu erhöhen, wie folgende Tabelle zeigt:

Tabelle IV

Anteil der Löhne am BIP (%)

_______________________

1849-1850        46.1

1859-1860        45.4

1869-1870        50.3

1879-1880        50.9

1889-1890        56.8

1899-1900        51.5

1909-1910        53.1

_______________________

Quelle: E.C. Budd, "Factor Shares, 1850-1910", in Trends in the American Economy in the Nineteenth Century, Studies in Income and Wealth, vol. 34, National Bureau of Economic Research, Princeton 1960, S 373.

 

Aber was ist mit der Krise der 1920er Jahre? Die Regulationstheoretiker argumentieren, dass die Kapitalisten dann die neuen Technologien der fordistischen Massenproduktion in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit installiert hätten. Dadurch wuchs der Investitionsfonds von Abteilung I in Relation zu Abteilung II und steigerte so das Wachstum der Produktivität radikal. Aber weil die Löhne zugunsten der Profite niedergehalten wurden, resultierte aus dem Missverhältnis zwischen den beiden Abteilungen und dem Mangel einer hin-reichenden Nachfrage der Arbeiterklasse eine Krise. Wir sollten somit erwarten, in den 1920er Jahren den Trend einer wachsenden Profitrate und eines wachsenden Anteils der Profite auf Kosten der Lohnzuwächse und des Lohnanteils zu finden, ebenso wie ein Zurückbleiben der Konsumtion hinter den Investitionen. Was heißt das?

Zunächst, weit davon entfernt, niedergehalten zu werden, sind die Löhne im Sektor der Manufaktur in der Periode nach dem Ersten Weltkrieg dramatisch gestiegen. 1924 lagen sie um 33% höher als 1914 und um 44% höher als 1917. Danach blieben sie bis zum Ende des Jahrzehnts in etwa auf der Höhe, die sie 1924 innegehabt hatten.

Teilweise als ein Ergebnis dieses Anstiegs der Reallöhne stürzte in ähnlicher Weise der Anteil der Profite (als Gegenstück zu den Löhnen) am nationalen Einkommen während der 1920er Jahre ab. Während der Anteil der Profite in der Periode von 1900-1919 zwischen 41% und 48% des Nationaleinkommens fluktuierte, schwankte er in der Zeit von 1922 bis 1929 zwischen 28% und 32% des Nationaleinkommens.

Zur selben Zeit blieb, wie Dumenil, Glick und Levy gezeigt haben, der Rückfluss aus Investitionen (das ist die Profitrate) weit davon entfernt, von 1917 bis 1929 disproportional anzusteigen. Dieser verblieb im Durchschnitt bedeutend unter demjenigen der Vorkriegs- und der Kriegsjahre von 1900-1917 und, obwohl er sich etwas vom unmittelbaren Nachkriegskollaps erholte, erreichte er zu keiner Zeit auch nur die Durchschnittsrate zwischen 1900 und 1917. Wenn die Depression ihren Grund im Druck der Profite auf die Löhne hatte, dann hätte sie vor und nicht nach dem Ersten Weltkrieg kommen müssen.

Bei einem steigenden Anteil der Löhne in der Periode 1919-1929 ist es vielleicht nicht überraschend, dass es keinen Niedergang in der Wachstumsrate der Gesamt-konsumtion gab. Tatsächlich erreichte der Anteil der Konsumtion am totalen Einkommen wesentlich höhere Stufen als in allen vorangegangenen Dekaden (relevante Daten sind ab 1890 vorhanden) oder als in allen späteren Dekaden bis zu Gegenwart.

Um die Hypothese, dass in den 1920er Jahren die Nachfrage unzureichend ge-wesen ist, zu stützen, argumentiert Aglietta, dass das Wachstum in der Industrie der langfristigen Konsumgüter nach 1926 gefallen und die Bauindustrie im selben Jahr ebenfalls geschrumpft sei. Wir wollen jeden dieser Punkte genauer betrachten.

Aglietta behauptet, dass die Profitrate im Sektor der dauerhaften Konsumgüter in den 1920er Jahren unter dem Durchschnitt gelegen habe und dass dies die chronisch schwache Konsumnachfrage offenbar mache. Trotzdem macht er in keiner Weise deutlich, dass es in diesem Sektor schon vor 1926 ernsthafte Probleme gab. Dem Standardwerk zur Profitabilität der Konsum- und der Kapitalgüterindustrien in dieser Periode zufolge, erreichten die Konsumgüter-industrien wesentlich höhere Proftraten als die Kapitalgüterindustrien:

"Die 18 Kapitalgüter produzierenden Industrien zeigen eine aggregierte Einkommensrate, die von 6% 1922 auf 10% 1923 und 1925 angestiegen und 1928 dann bei 8% gestanden ist. Die Konsumgüter produzierende Gruppe (26 Industrien) genoss viel höhere und regelmäßigere Einkommen - zwischen 12% und 16% in allen Jahren der gleichen Periode."

Die hohe Profitrate in der Konsumgüterindustrie in den 1920er Jahren war das Ergebnis der Tatsache, dass die "Verkäufe in den Konsumgütergruppen etwas schneller wuchsen als die Kapitalinvestitionen". Auch wenn Aglietta richtigerweise behauptet, dass sich das Wachstum dauerhafter Konsumgüter nach 1926 verlang-samte, flossen die Investitionen doch weiterhin in diesen Sektor - das heißt, dass diese Investitionsrate in Relation zur Investitionsrate bei den Kapitalgütern nicht ge-fallen ist -, weil hier die Profitrate bis zum Krach von 1929 absolut höher blieb als in allen anderen Sektoren. Sich verlangsamende Verkäufe bei gleichzeitigen hohen Profitraten deuten eher auf einen Anpassungsprozess als auf einen Abstieg in die Krise.

Weiters behauptet Aglietta, dass der Abschwung im Wachstum der Bauindustrie ein Zeichen der Unterkonsumtion gewesen sei. Aber selbst wenn es stimmen sollte, dass der Wert der Bauindustrie von 5.7 Mrd $ 1925 auf 3.2 Mrd $ 1929 gefallen ist, repräsentierte dieser Sektor nur 4% des BIP, sodass ein Rückgang seines Wachstums für sich genommen kaum ein Nachweis von gesamtwirtschaftlichen Problemen bei der Konsumtion sein kann. Außerdem scheint, wie oft argumentiert wurde, die Bauindustrie ihrem eigenen langfristigen Trend zu folgen, und der Rückgang von 1926 wird am besten als Wendepunkt in diesem Zyklus verstanden. Auf jeden Fall wurde jede Reduktion der Konsumtion, die als Ergebnis des Rückgangs in der Bauindustrie eingetreten ist, am Ende durch das Wachstum in anderen Sektoren kompensiert, weil es, wie wir schon bemerkt haben, in den 1920er Jahren kein längerfristiges Problem bei der Konsumtion gab.

Schließlich hätte sich die unzureichende Nachfrage - vermutlich - in einem Rückgang der Benutzung von Fabriken und Ausrüstungsgegenständen wider-spiegeln müssen. Tatsache ist, wie auch immer, dass es kein klares Anzeichen eines Rückgangs der Kapazitätsauslastung in den 1920er Jahren gegeben hat, und zwar bis zu Beginn der Krise.

Hier ist nicht der Platz, um einen alternativen Zugang zur Krise der Zwischen-kriegszeit anzubieten. Trotzdem ist es naheliegend, dass der Ausgangsgangspunkt weniger in den Veränderungen der Dekade der 1920er Jahre selbst zu suchen sein sollte, sondern einerseits im Kontrast der Wirtschaft der 1920er Jahre und der Zwischenkriegszeit insgesamt, und der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg andererseits. Somit kann gesagt werden, dass der starke Fall der Rate des Rück-flusses aus Investitionen zu einer neuen Zerbrechlichkeit in der Wirtschaft der 1920er Jahre geführt hat, wodurch diese auf fatale Weise für die unterschiedlichen Schocks anfällig wurde, die die Krise dann ausgelöst haben - die Krise bei den Farmern, internationale Ungleichgewichte, monetäre Probleme usw. Von diesem Standpunkt aus gesehen, sollte der zentrale Gegenstand der Untersuchung der Gründe der großen Depression die Frage sein, was den Fall der Profitabilität in der Periode nach dem Ersten Weltkrieg verursachte.

 

IV Entwicklungsweise Nummer 3: Intensive Akkumulation und monopolistische Regulation

In der Sicht der Regulationsschule wurde die Krise der 1930er Jahre durch die Durchsetzung einer neuen monopolistischen Regulationsweise gelöst. Dies führte zur Auflösung des grundlegenden Widerspruchs zwischen der intensiven Akku-mulation und der kompetitiven Regulation, und zwar durch die Konstituierung eines komplexen Netzes von Institutionen, das nicht nur den Wettbewerb zwischen den Kapitalien regulierte, sondern zum ersten Mal für bedeutsame Regulierungen der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit sorgte und auf diese Art das für die intensive Regulation notwendige Wachstum der Konsumtion der Arbeiter ermöglichte. Den Regulationstheoretikern zufolge wurde die monopolistische Regulationsweise nicht einfach oder direkt installiert, sondern war Ergebnis der massiven Krise und, vor allem, der großen Klassenkämpfe der 1930er Jahre. Der Erfolg der Klassenkämpfe bei der Gründung der Gewerkschaft CIO und dem Gewinn des Wagner-Acts war auf diese Weise unerlässlich für die Reihe von Ereignissen, "deren Ergebnisse die Durchsetzung von sozialen Kontrollen waren, die die Formation der Konsumnorm der Arbeiterklasse und die Regulierung seiner Entwicklung garantierten". Oder allgemeiner, in den Worten von Boyer:

In der monopolistischen Regulation (régulation monopoliste) ist die Verteilung der Einkommen durch eine Reihe von Kompromissen zwischen Kapital und Arbeit (fordistische Bildung der Löhne entlang der Inflationsrate und der Produktivität), zwischen den Unternehmen (Aufschlagspreissystem) und zwischen Staat, Einwohnern und Kapital (Wohlfahrtsstaat, Verknüpfung der öffentlichen Ausgaben mit dem Steuersystem) sozialisiert. Deshalb trägt der Mechanismus der reinen Preisanpassung nur einen kleinen Teil der Last der Anpassung von Nachfrage und Produktion. Zu einem großen Teil zielt ein komplexes Netz von Institutionen, Gewohnheiten und Gesetzen kontinuierlich auf die Entwicklung einer effektiven Nachfrage im selben Tempo mit der Kapazität der industriellen Produktion, die wiederum selbst über den Akkumulationsprozess partiell mit der Intensität und der Richtung der technischen Veränderungen verknüpft ist.

 

1. Die Dynamik des Fordismus und der Boom nach dem Zweiten Weltkrieg

 Selbst unter der instabilen Entwicklungsweise der Periode der Zwischenkriegs-zeit, strukturiert durch intensive Akkumulation und immer noch kompetitive Regulation, bewegten sich die Unternehmen in der Sicht der Regulationstheoretiker durch die Regulierung des Wettbewerbs zwischen den Unternehmen und der dadurch erreichten Kontrolle über die Märkte in Richtung eines stabilen Wachs-tums. Wie es sich dann nach dem Zweiten Weltkrieg voll entwickelte, "dämpfte die monopolistische Regulation mögliche Kämpfe zwischen den Unternehmen durch die Eliminierung von Preiskämpfen als dem normalen Mittel zur Erkämpfung von Marktanteilen." Stattdessen "konkurrierten die Firmen durch Werbung und, noch allgemeiner, durch die Differenzierung ihrer Produkte, während die Preise durch einen Zuschlag auf die Durchschnittskosten abgeleitet wurden."

Aber das wichtigste unterscheidende Charakteristikum der neuen fordistischen Regulationsweise wurde wieder auf der Seite der Nachfrage gefunden: Die "kapitalistische Klasse versucht nun überall, die (Re-) Produktion der Lohnarbeit zu kontrollieren, indem sie eine enge Verknüpfung der Produktionsverhältnisse mit den Warenverhältnissen, in denen die Lohnabhängigen ihre Lebensmittel kaufen, [...] zwischen Produktions- und Konsumweise durchzusetzen versucht." Der zentralste Punkt in dieser Hinsicht war eine besondere Form kollektiver Verhand-lungen, in denen die Arbeiter dem Management die volle Souveränität über den Arbeitsprozess übergaben und - im Austausch dafür - Lohnerhöhungen entlang der Inflationsrate und der Produktivität erhielten. Das erlaubte dem Kapital, die Innovationen ohne die Furcht vor einer Opposition der Arbeiter zu beschleunigen und große Plazierungen von fixem Kapital durchzuführen, ohne Angst haben zu müssen, dass diese sich als Folge eines plötzlichen Schrumpfens der Löhne und also auch der Nachfrage nicht mehr realisieren ließen. "Als sie nun gemeinsam mit den fortgeschrittensten Kapitalien das Wissen um die künftigen Lohnbewegungen mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einbeziehen konnten, begannen die Unternehmen systematisch den auf lange und standardisierte Produktionsabläufe angewandeten halbautomatischen Arbeitsprozess einzuführen und zu erweitern."

Die Tarifverhandlungen wurden durch die Übernahme keynesianistischer Fiskal- und Geldpolitik durch den Staat unterstützt, die den Einbrüchen bei der Nachfrage entgegenwirken sollten und wodurch der Konjunkturzyklus geglättet und hohe Arbeitslosigkeit verhindert wurde. Inzwischen konstituierte der Wohlfahrtsstaat, in der allgemeinen Bedeutung des Wortes, ein Sicherheitsnetz für die strukturell oder zeitweilig Arbeitslosen und erreichte auf diese Art sowohl eine Umverteilung zugunsten der Arbeiterklasse als auch eine anti-zyklische Form, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Schließlich wurden neue Institutionen eingerichtet, um langfristige Konsumentenkredite zu fördern. Das endgültige Ziel war eine geregelte Übereinstimmung der Produktion mit der Konsumtion, um so die Tendenz zur Unterkonsumtion zu über und die Basis für den großen Boom der Nachkriegszeit zu bereiten.

 

2. Benötigt intensive Akkumulation eine Monopolregulation?

Die Regulationstheoretiker scheinen im großen und ganzen anzunehmen, dass für den Großteil des 20. Jahrhunderts Monopole und Oligopole die Märkte der USA und der anderen fortgeschrittenen Länder kontrollierten. Durch die Eliminierung der Wahrscheinlichkeit einer radikalen Entwertung des Kapitals als Folge der Marktinvasion von billigeren Produzenten ermöglichte die monopolistische Regulation fortlaufende Investitionen in fixes Kapital, die für die intensive Akku-mulation entscheidend waren. Aber welche ökonomisch-institutionellen Einrich-tungen ermöglichten zu Beginn die Bildung solcher Monopole? Diese Frage stellt sich unmittelbar von selbst, weil die Existenz von Monopolen anzeigt, dass sich einige Unternehmen auf Dauer eine über dem Durchschnitt liegende Profitrate sichern, und das angesichts des allgemeines Antriebs kapitalistischer Unternehmen, genau dort zu investieren, wo über dem Durchschnitt liegende Profitraten zu finden sind und diese auf diese Weise wieder auf den Durchschnitt zu senken.

In der Standardsicht, die von Aglietta zum Teil wiederholt wird, führt die Ent-wicklung des Kapitalismus durch das Anwachsen der Marktkonzentration und einer massiven Zentralisation von Kapital mehr oder weniger zum Übergang der Verhältnisse zwischen den Kapitalien von kompetitiver zu monopolistischer Regu-lation. Gigantische Konzerne sind somit in der Lage, monopolistische Positionen aufgrund der immer weniger werdenden Unternehmen in den einzelnen Industrie-zweigen und vor allem durch das Wachstum der für das Eindringen in einen Zweig notwendigen, abschreckend großen Kapitalinvestitionen durchzusetzen. Manchmal wird hinzugefügt, dass eine kleine Anzahl von Produzenten den Weg für Preisabsprachen und Mengenbegrenzungen freigibt. Wie Marx es formuliert: "Die Konkurrenz rast hier im direkten Verhältnis zur Anzahl und im umgekehrten Verhältnis zur Größe der rivalisierenden Kapitale."

Aber das Problem dieser Standardsicht der Regulationstheoretiker ist, dass die kapitalistische Entwicklung nicht nur zu steigender Konzentration und steigender Größe der für den Markteintritt benötigten Kapitalien tendiert. Sie tendiert auch zur Kreation von institutionellen Formen, durch welche die Kapitalisten genügend freie verfügbares Kapital [abstract capital] für den Zugang in alle Bereiche mobilisieren können, in denen die Produzenten eine über dem Durchschnitt liegende Profitrate erzielen. Erstens schmiedeten die mächtigen Aktiengesellschaften selbst ein mächtiges Instrument zur Unterminierung von Monopolen - durch eine Steigerung des Finanz- bzw. des freien Kapitals, das dem Management zur Verteilung in die Bereiche mit den höchsten Profitraten zur Verfügung gestellt wurde, und durch die Steigerung des Tempos und der geographischen Reichweite dieser Kapitaltransfers. Das stimmt vor allem für die hochentwickelten korporativen Formen, die wir in Ostasien finden (keiretsu und chaebol in Japan bzw. Südkorea), die eine bisher unvorstellbare Tiefe der Fusion von Finanz- und produzierendem Kapital erreichen und so eine bisher unerreichbare Diversifikationstiefe erlauben. Zweitens sind die gigantischen Banken, die einen großen Teil des Weltkapitals mobilisieren, in der Lage, genügend große Mengen an Kapital zur Verfügung zu stellen, um den Zugang in alle Bereiche zu ermöglichen, in denen überdurchschnittliche Profite zu erzielen sind. Drittens ermöglichten die kapitalistischen Staaten selber, vor allem in den Entwicklungsländern, eine bisher unmögliche Zuweisung von Kapital an die nationalen Industrien, sogar in Bereiche, wo die zu erwartende Profitrate nicht notwendigerweise - oder nicht einmal als Möglichkeit - überdurchschnittlich war. Mit den modernen Entwicklungen im Transport und in der Kommunikation sind Firmen außerdem in der Lage, ihre finanziellen Ressourcen mit dem größten Tempo in der bisherigen Geschichte in Form wirklicher produktiver Kapazitäten zu materialisieren. Dass Wettbewerb nun aus einer solchen Vielfalt von allen Plätzen des internationalen Systems aus entspringen kann, erschwert offensichtlich die Bildung von stabilen Monopolen massiv.

Als Antwort auf den Wettbewerb können die Unternehmen natürlich zeitweilige Monopole (und damit überdurchschnittliche Profitraten) durch die Errichtung von Barrieren gegen kostensenkende Neuerungen erreichen; dadurch wird die Kapitalakkumulation und die Entwicklung der Produktivkräfte vorangetrieben. Aber die Barriere wird eventuell durch nachfolgende Wettbewerber aufgelöst, die sich die notwendigen Mittel für den Zugang zu einer Branche auf jeden Fall sichern und so die durchschnittliche Profitrate in diesem Zweig wieder herstellen werden.

Es muß betont werden, dass die Tendenz zur Angleichung der Profitraten in den verschiedenen Branchen der kapitalistischen Produktion nicht sofort und unmittelbar in Kraft treten kann; es gibt keinen ruhigen und unverzüglichen Prozess der Anpassung. Als Ergebnis können Firmen aus anderen Gründen als dem des alleinigen Besitzes von fortschrittlichen Produktionstechniken sich zeitweilig monopolistische Profite sichern, vor allem in lokalen Märkten. Aber der Punkt ist, dass jene Industrien, in denen die Preise in Relation zu den Kosten höhere Durchschnittsprofite erzielen können, langfristig weitere Investitionen anziehen werden: Das Angebot wird solange steigen, bis die Preise genügend gefallen sind, um die Profitrate wieder auf dem Durchschnitt der gesamten Wirtschaft zu etablieren. Um langfristige monopolistische Profitraten zu erreichen, müssen die Industrien mit Unterstützung des Staates politische Hindernisse gegen den Eintritt in die jeweilige Branche sichern; aber regulierte Industrien sind natürlich (nicht zuletzt in den USA) relativ selten und werden immer weniger.

Im Gegensatz zur Theorie der monopolistischen Stufe des Kapitalismus, wie sie die Regulationstheoretiker mehr oder weniger unkritisch übernommen haben, sinkt zur Zeit mit der Entwicklung des Kapitalismus die Fähigkeit der großen Gesell-schaften, Barrieren zum Schutz vor dem Wettbewerb zu errichten, weil die sozialen und physischen Barrieren der Vergangenheit überwunden sind und so die Bedingungen für die frei verfügbare Existenzweise von Kapital [existence of capital in the abstract] immer vollständiger etabliert werden. Weil die Monopolbildung in der historischen Entwicklung anscheinend immer schwieriger wird, während die Kapitalakkumulation im Lauf der Zeit anscheinend in jeder Hinsicht immer effektiver wurde, ist es schwierig, die Sicherung des Monopols als zentrale Vorbedingung für die dynamische Entwicklung der Investitionen in Verbindung mit der intensiven Akkumulation im allgemeinen und der Nachkriegswirtschaft im besonderen zu sehen.

Außerdem ist die These der Regulationstheoretiker, wonach die Dynamik der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg nur auf der Basis der monopolistischen Regulation gründete, prima facie aus dem einfachen Grund dubios, weil der sehr ausgedehnte, historisch spektakuläre Prozess der langfristigen intensiven Kapital-akkumulation auf der Basis des relativen Mehrwerts offensichtlich nicht nur potentiell, sondern auch tatsächlich auf der Basis der kompetitiven Regulations-weise stattgefunden hat. Wie wir außerdem schon gesehen haben, resultierte die Krise der 1920er Jahre nicht aus einer "Lebensunfähigkeit" der auf der kompet-itiven Regulation basierenden intensiven Akkumulation; noch war die Konstitution einer fordistischen Konsumnorm der Arbeiterklasse für die Etablierung einer überlebensfähigen intensiven Akkumulation notwendig. Es scheint deshalb wenig Berechtigung dafür zu geben, die Überwindung der Krise oder die nachfolgende Prosperität in Begriffen eines Wachstums des Massenkonsums zu interpretieren.

 

3. Die Rolle der Monopolistischen Regulation im Nachkriegsboom

 Was aber war dann die Rolle der Institutionen der monopolistischen Regulation in der Unterstützung des Nachkriegsbooms und der Bestimmung der Form der Kapitalakkumulation in dieser Periode?

Monopole

Es ist nicht möglich, an dieser Stelle eine detaillierte empirische Diskussion der Natur des innerkapitalistischen Wettbewerbs in den USA der Nachkriegszeit zu bieten. Es sollte nebenbei erwähnt werden, dass die Vorstellung einer empirischen Verknüpfung der Konzentration [des Kapitals] und der Profitraten innerhalb einer Industrie durch drei einflussreiche Studien in den 1950er und 1960er Jahren von Bain, Stigler und Mann popularisiert wurden. Allerdings waren alle drei Studien, wie in der damaligen Zeit argumentiert wurde, durch die Tatsache verzerrt, dass sie auf kurzfristige Perioden beschränkt blieben. Weil die Mechanismen, die die Existenz einer überdurchschnittlichen Profitrate in einem Industriezweig tendenziell unterlaufen, auf eine Umschichtung der Investitionen hinauslaufen, und weil eine solche Umschichtung der Investitionen Zeit benötigt, muß jede Studie, die die Existenz von Markteintrittsbarrieren nachzuweisen versucht, langfristig angelegt sein. Neuere Studien sind mit der Anwendung der neuesten verfügbaren Daten zur industriellen Profitabilität in der Periode von 1948 bis 1979 zu der Schlußfolgerung gekommen, dass bei der Betrachtung langfristiger Zeitläufe scheinbare Unter-schiede bei den Profitraten tendenziell bedeutsam geringer werden.

Die Institutionen der Massenkonsumtion

Wenn wir zur Rolle der Massenkonsumtion im Nachkriegsboom zurückkehren, scheinen zwei Beobachtungen besonders interessant zu sein. Erstens wurde die Krise lange vor der Instandsetzung der wesentlichen Strukturen der monopolistischen Regulation überwunden. Zweitens müssen die Regulations-theoretiker immer noch zuerst einmal zeigen, in welcher Art eine neue Form der Massenkonsumtion an sich - abgesehen von den angeblich eine Rolle spielenden fordistischen Institutionen - den charakteristischen Verlauf der Wirtschaft der USA nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte.

Die Regulationstheoretiker sehen den New Deal als den Wendepunkt in der Etablierung der fordistischen Institutionen. Im Nachhinein betrachtet, mag das der Fall gewesen sein. Nun ist es aber entscheidend zu erwähnen, dass, was auch immer ihre langfristige Bedeutung sein mag, die Entwicklungen in den 1930er Jahren es nicht geschafft haben, bis zum Ende des Jahrzehnts das Fundament für die Massenkonsumtion zu legen. Zu keinem Zeitpunkt der 1930er Jahre wandte die Regierung keynesianistische Maßnahmen zur Entfachung der Nachfrage mittels eines deficit-spending an. Die Ausgaben der Regierung stiegen zwar an, aber das Budget wurde in der Regel durch eine Erhöhung der Steuereinnahmen ausgeglichen gehalten. Von gleicher Wichtigkeit ist, dass zwar der historische Sieg der UAW [United Automobil Workers] über General Motors im Winter 1936/1937 vielleicht den Durchbruch für die Etablierung von industriellen Gewerkschaften in den USA bedeutete, dass aber der Erfolg in ihrem Kampf um Anerkennung zu diesem Zeitpunkt keineswegs gesichert war. Der CIO mußte 1937 bei Little Steel eine ent-scheidende Niederlage hinnehmen und konnte bis zum Ende des Jahrzehnts weder in der Auto- noch in der Stahlindustrie der Grad seiner Organisierung erhöhen.

Solange die Gewerkschaftsbewegung nicht wieder stärker zu werden begann, gelang es ihr nicht, die Entwicklung der Löhne entscheidend zu beeinflussen. Weitere Siege wurden erst mit dem von der europäischen Militarisierung verursachten Boom erreicht. Das Ergebnis war, dass weder die Politik der Regierung Roosevelt noch die Organisierung durch den CIO den neuerlichen Kollaps der Wirtschaft 1937/1938 verhindern konnte; die Arbeitslosigkeit stieg bald auf 20%, und die Depression dauerte bis zum Beginn des Krieges. Der New Deal selbst hatte wenig oder nichts mit dem Ende der Depression zu tun.

Insofern die steigende Nachfrage dazu beitrug, die Wirtschaft aus der Depression zu reißen - und das ist von der vollständigen Geschichte weit entfernt -, kam der Anstoß dazu nicht von der Institutionalisierung eines höheren Niveaus der Konsumtion der Arbeiterklasse, sondern durch massives deficit spending für die Rüstung. Natürlich setzte sich dieser Prozess nach dem Krieg auf einem spektakulären Niveau fort, mit 80% aller durch die Bundesregierung getätigten Ausgaben für Waren und Dienstleistungen und mit einem Anteil von 9% am BIP bis 1960.

Die Fragen, die gestellt werden müssen, sind immer noch folgende:

1. Was machte aus den künstlichen Injektionen für die Nachfrage einen so kraft-vollen Antrieb?

2. Warum dauerte der Boom für ein Vierteljahrhundert an?

Hier drängen sich zwei Fakten von selbst unmittelbar auf. Erstens war die beginnende Überwindung der Krise Ende der 1930er Jahre von einem schwindel-erregenden Anstieg der Profitrate gekennzeichnet. Von gleicher Wichtigkeit ist zweitens die Tatsache, dass in dem Vierteljahrhundert des Booms vom Beginn des Krieges an bis zur Mitte der 1960er Jahre die Profitrate, bereinigt um die Kapazitätsauslastung, mehr als doppelt so hoch war wie in den beiden krisenhaften Jahrzehnten zwischen den Kriegen. Das heißt, dass die Profitrate in den 1920er und 30er Jahren sehr niedrig und in den 1940er, 1950er und in der ersten Hälfte der 1960er Jahre sehr hoch gewesen ist. Das Wachstum der Konsumtion, der Nachfrage, ist zur Erklärung der dramatischen Bewegungen in dieser funda-mentalen ökonomischen Variable nicht in der Lage.

Wenn die fordistischen Institutionen nicht direkt für die Überwindung der Depression verantwortlich sind, welchen Beweis gibt es dann für eine Verbindung zwischen institutionell abgesicherter Massenkonsumtion und der spezifischen Entwicklungsweise der Nachkriegszeit, besonders dem großen Boom? An erster Stelle muß angezweifelt werden, ob das sogenannte Übereinkommen zwischen Kapital und Arbeit [capital-labour accord] - in dem die Gewerkschaften im Austausch für Abmachungen zur Produktivität und Klauseln bezüglich der Lebenskosten die Kontrolle über den Arbeitsprozess abgeben - die ihm von den Regulationstheoretikern zugeschriebene Rolle spielen kann, die in der Sicherung besteht, dass die Konsumtion mit den Investitionen und die Löhne mit den Profiten Schritt halten. Der historischen Regelung zwischen der UAW und General Motors von 1950 folgend, wurden vertragliche Maßnahmen, die Löhne entlang der Produktivität und der Lebenshaltungskosten schwanken zu lassen, üblich. Das bedeutet aber in keiner Weise, dass das Kapital damit einverstanden gewesen wäre, den Anteil der Arbeiter am Nationaleinkommen aufrechtzuerhalten, oder dass es nicht verbissen darum gekämpft hätte, den Grad der Angleichung der Löhne an die Produktivität und die Lebenskosten zu begrenzen. Es gab nie etwas in der Art eines allgemeinen "Sozialvertrages" (wie im sozialdemokratischen Schweden), nach dem die Einkommen zwischen Investitionen und Konsumtion oder zwischen Profiten und Löhnen verteilt worden wären. In dem Maße, in dem sich die Konsumtion und die Löhne als Konsequenz der Entwicklungen in der Privatwirtschaft mit den Investitionen und den Profiten entwickelten, handelte es sich dabei nur um das ungeplante Ergebnis von Myriaden unkoordinierter privater Entscheidungen von Unternehmen in bezug auf die Preise und von Myriaden von Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitskräften im Bereich der Beschäftigung.

Außerdem repräsentierte, wie Aglietta selbst erklärt, die irreführenderweise so genannte Übereinkommen zwischen Kapital und Arbeit das Ergebnis eines Sieges für das Management und einer Niederlage der Gewerkschaften in einem ausgedehnten und sehr bitteren Prozess von Klassenkämpfen, der unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann. In den späten 1950er Jahren gelang es den Arbeit-gebern, das ziemlich bedeutsame Ausmaß der Kontrolle in den Fabriken zurückzugewinnen, das die Gewerkschaften in den großen Kämpfen der 1930er und 1940er Jahre zeitweilig erobert hatten. In Agliettas Worten "ging die gesamte Richtung der Klassenkämpfe in den USA seit dem Krieg auf die Umwandlung von Tarifverhandlungen in einen Rammbock gegen die Beschäftigten." Angesichts dieses Wechsels im Kräfteverhältnis zwischen den Klassen zugunsten des Kapitals wäre es tatsächlich sehr überraschend gewesen, wenn die Arbeitgeber freiwillig vertraglichen Abmachungen zugestimmt hätten, die den Anteil der Arbeiter am Gesamteinkommen am Höhepunkt des Booms garantiert hätten.

Aber haben die Reallöhne tatsächlich mit der Produktivität mitgehalten? In Wirklichkeit fiel das Verhältnis von Lohnindex zum Index der Arbeitsproduktivität in der nicht-landwirtschaftlichen Privatwirtschaft kontinuierlich in der gesamten Periode von 1948 bis 1970. Mit anderen Worten: Das Wachstum der Löhne hinkte fast während des gesamten Nachkriegsbooms dem Wachstum der Produktivität hinterher. Wie Aglietta auch selbst bemerkt: "Die entscheidenden Jahre von 1958-1961 erlebten als Folge der plötzlichen Veränderung in der Form der Klassenkämpfe einen beschleunigten Fall der sozialen Lohnkosten (das sind die gesamten Lohnkosten) auf Kosten der Lohnabhängigen." Und als die steigende Arbeits-produktivität dem Wachstum der Löhne davonlief, wurde die Periode von 1958-1966, der Höhepunkt des Booms, Zeuge eines "spektakulären Wachstums des relativen Mehrwerts", mit dem Ergebnis, dass die Profitabilität in der Privat-wirtschaft in der Periode von 1958-1966 um etwa 33% oder mehr anstieg. Wenn sie existierte, dauerte die Epoche der "fordistischen Tarifverhandlungen" nur einige Jahre in den 1950er Jahren.

Was ist aber nun mit der aggregierten Konsumtion? Waren die anderen fordistischen Institutionen, inklusive des antizyklischen Keynesianismus und des Wohlfahrts-staates, in der Erhaltung der Höhe der Konsumtion gegen die Investitionen effektiver? In Wirklichkeit lag der Anteil der Konsumtion am BIP nicht nur um 20% unterhalb des Anteils während der angeblich unterkonsumtionistischen 1920er Jahre, sondern auch merklich unter dem Anteil zu allen Zeiten seit 1890 (mit Außnahme der kurzen Perioden während der zwei Weltkriege).

Es sollte nebenbei angemerkt werden, dass die japanische Wirtschaft, ohne Zweifel die dynamischste seit dem Zweiten Weltkrieg, keines der Konsumtion-Investitions- oder Löhne-Produktivitäts-Muster an den Tag legte, wie sie die Regulationstheoretiker als für eine stabile intensive Akkumulation zentral ansehen. Wie Itoh gezeigt hat, lag in Japan über die gesamte Periode von 1955 bis 1970 die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität um 50% bis 100% über der Wachstumsrate der Reallöhne (und die Verschiedenheit wurde in den folgenden 15 Jahren noch größer). Was die effektive aggregierte Nachfrage dennoch in die Höhe schnellen ließ, waren nicht so sehr die steigende Konsumtion als vielmehr die Investitionen in neue Fabriken und Maschinen, die in den Jahren 1956-1973 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 22% mehr als doppelt so schnell wuchsen wie das BIP. Offensichtlich gab es in dem langfristigen Wachstumspfad, was Aglietta "die ungleiche Entwicklung der Abteilung I" nannte, nichts inhärent Widersprüchliches.

Zuletzt zeigt sich, dass sich der Theorie der Regulation sogar in der Spezifizierung der Besonderheiten des US-Wachstumsmodells in der auf den Zweiten Weltkrieg folgenden "fordistischen" Epoche ernsthafte Probleme stellen. Denn die Größen-ordnung der mächtigen Wachstumswelle unterschied sich nicht von jener in der Ära vom Bürgerkrieg bis zum Ersten Weltkrieg - also von jener Epoche, die die Regulationstheoretiker in Begriffen der extensiven Akkumulation und der kompetitiven Regulation charakterisiert haben. Das wird aus einer Reihe von wesentlichen Variablen ersichtlich:

Tabelle V

Durchschnittliche jährliche Wachstumsraten in den USA (in %)

_______________________________________________

                1870-1913 1950-1973

_______________________________________________

BIP                4.1        3.7

BIP/Kopf        2.0        2.2

BIP/Arbeitsstunde2.0        2.6

(1)                4.7        4.0

(2)                2.6        2.9

(3)                14.5        13.2

 

(1)... Fixkapital

(2)... Fixkapital/Arbeitsstunde

(3)...Verhältnis der Bruttoinvestitionen zum BIP, 1880-1910, 1950-1973.

_________________________________________________

Quelle: A. Maddison, Phases of Capitalist Development, New York 1982, S 45, 44, 96, 100, 109, 40.

 

Nur bei einer bedeutenden Variable - dem jährlichen Durchschnittswachstum der Produktivität - sind die Ergebnisse in der späteren Periode spürbar besser. Aber sogar hier sind sie im Durchschnitt nicht besser als in der "prä-fordistischen" Periode von 1913 bis 1950 (2.6 % pro Jahr in beiden Fällen). Außerdem wird durch die Diskrepanz zur Epoche vor dem Ersten Weltkrieg das Argument der Regulationstheoretiker nicht bekräftigt: Was in ihrer Sicht die fordistische Wirt-schaft mit überlegenen Kapazitäten für rapiden technischen Wandel ausstattet, ist die Überwindung der institutionellen Barrieren, Investitionen in fixes Kapital zu tätigen, die angenommenerweise in die kompetitive Regulationsweise eingebaut worden seien - das sind vor allem die handwerkliche Kontrolle über den Arbeits-prozess, interkapitalistischer Wettbewerb und die beschränkte Konsumenten-nachfrage. Und es war genau die Wachstumsrate des fixen Kapitals, in der die Wirtschaft vor dem Ersten Weltkrieg der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg glich.

 

V. Vor einer neuen (vierten ) Entwicklungsweise?

1. Die Krise des Fordismus

Den Regulationstheoretikern zufolge brachte die fordistische Nachkriegsära Stabilität und Wachstum als Folge der erfolgreichen Lösung der Realisations-probleme und der Unterkonsumtion, die an der Wurzel des tendenziell ungleich-mäßigen Wachstums von Abteilung I gegenüber Abteilung II und der Unfähigkeit einer Umverteilung der Einkommen von Kapital zu Arbeit in der Wirtschaft der Zwischenkriegszeit lagen. Die neue monopolistische Regulationsweise erlaubte dem intensiven Akkumulationsregime, sich voll zu entwickeln, und ermöglichte so zur selben Zeit das unerbittliche Reifen bestimmter grundlegender Widersprüche, die in die fordistische Entwicklungsweise eingebaut waren. Allerdings ist die Schule der Regulation nicht vollständig eindeutig - oder sich uneinig -, wie diese Widersprüche nun genau aussehen.

Aglietta argumentiert, dass die Ursprünge der Mitte der 1960er Jahre einset-zenden Krise wie auch in der Krise der Zwischenkriegszeit in der ungleichen Ent-wicklung der Abteilung I zu finden seien:

"Die entscheidenden Jahre von 1958-61 erlebten einen beschleunigten Fall der sozialen Lohnkosten [...] Dadurch wurde die intensivste Akkumulations-welle der gesamten Geschichte des amerikanischen Kapitalismus eingeleitet, wodurch das dynamische Gleichgewicht der Expansion zwischen den beiden Abteilungen rasch gebrochen wurde. Abteilung I erweiterte sich rascher als Abteilung II und erreichte auch eine größere Differenzierung, wobei die Produktionsmittel produzierende Unterabteilung zum Teil durch die allgemeine Transformation des Produktionsprozesses ein schnelles Wachstum erreichte. [...] Das Ergebnis war eine sehr unausgeglichene Akkumulation, die nur insofern weiterlaufen konnte, als der produzierte relative Mehrwert auf beschleunigtem Weg akkumuliert wurde. Dieses Tempo selbst konnte nur aufrechterhalten werden, wenn die Produktionsprozesse sich immer schneller veränderten, um die wachsende Nachfrage an die Produktionsmittel produzie-rende Unterabteilung befriedigen zu können. 1966 war das Jahr der drohenden Blockade dieser Akkumulationsweise."

Es kann also kein Zweifel über die dauerhafte Bedeutung bestehen, die Aglietta den Problemen der ungleichen Entwicklung von Abteilung I und der unzurei-chenden Konsumtion der Arbeiterklasse gewidmet hat. In seinen Worten: Während in der Krise der 1920er Jahre "das wirkliche Problem die Etablierung des inten-siven Akkumulationsregimes gewesen ist", stellte die Krise der 1960er Jahre "eine tiefere Frage: Gibt es hinsichtlich der Transformation der Existenzbedingungen der Lohnarbeiterklasse eine Beschränkung in der Form der Erweiterung der Warenverhältnisse?" In Zusammenhang mit diesem zugrundeliegenden Wider-spruch bietet Aglietta eine Reihe von möglichen Lösungen der Krise mittels "post-fordistischer" Restrukturierungen der Konsumtion der Arbeiterklasse an - und zwar vor allem in Form des Aufstieges eines Gesundheitskomplexes.

Man kann jedoch in der Arbeit von Aglietta noch eine zweite Erklärung für die Krise finden, angeblich mit der ersten verbunden - eine Erklärung, die vor allem in den Studien der führenden Nachfolger in der Pariser Version der Theorie der Regulation große Bedeutung erlangt hat, vor allem bei Boyer und Lipietz. Bei dieser Position entsteht die Krise, wenn die Kapitalakkumulation auf "die andere Seite" des Drahtseils rutscht: Die Kapitalakkumulation ist nun nicht das Opfer der Ungleichmäßigkeit zwischen Abteilung I und II, sondern des tendenziellen Falles der Profitrate, weil die Arbeitsproduktivität nicht schnell genug wächst, um mit einem genügenden Wachstum der Mehrwertrate den Anstieg der organischen Zusammensetzung des Kapitals aufheben zu können. Die gegenwärtige Krise ist deshalb "in erster Linie eine Krise der Form der Arbeitsorganisation, in der die Beschränkungen für einen Anstieg der Mehrwertrate, die den in diesem Modus von Arbeitsbeziehungen organisierten Produktionsverhältnissen inhärent sind", ausgedrückt werden.

Der Fordismus, als Paradigma für die Organisationsform des Arbeitsprozesses, kann künftig nur noch ein sinkendes Wachstum der Produktivität bringen, weil langfristig das Management die Vorteile, die aus der Intensivierung der Arbeit durch tayloristische Arbeitsablaufstudien, der Zerstückelung des Arbeitsprozesses, der Reorganisierung der Montagehallen und der Einführung neuer Maschinerie auf der Basis der existierenden Technologie gesichert werden konnten, erschöpft hat. Inzwischen waren die Arbeiter so weit ungelernt und entfremdet, dass sie nicht länger die für das Wachstum der Produktivität wichtigen fortlaufenden Innovationen lieferten. Und das Ergebnis: "Die Entwicklung der Produktionsmittel produzie-renden Abteilung stieß auf Hindernisse, weil sie nicht länger einen Anstieg jener zu einer weiteren Mechanisierung der Arbeit führenden technischen Ver-änderungen ermöglichte, die eine für die Kompensation des Anstiegs der orga-nischen Zusammensetzung des Kapitals notwendige Einsparung an lebendiger Arbeit erzeugt hätte." Für die Regulationstheoretiker manifestierte sich die Krise der fordistischen Entwicklungsweise in einer Krise der Produktivität, die wiederum in den sozio-technischen Charakter des fordistischen Arbeitsprozesses selbst ein-gebaut war. Das führte durch einen scharfen Fall der Profitrate ab 1966 zu einer ökonomischen Krise.

 

2. Von einer "Erschöpfung des Fordismus" zur kapitalistischen Krise?

 Im System der Regulationstheoretiker ist das Verhältnis der aus der ungleichen Entwicklung der Abteilungen I und II ab 1958 entspringenden Krise und der aus dem Rückgang des Wachstums der Produktivität ab 1966 entspringenden Krise nicht vollständig klar. Aglietta argumentiert, dass die Akkumulation in der Periode 1958-1966 ungleichgewichtig wurde, weil die Gesamtarbeitskosten zu schnell gesunken sind, mit der Folge von zu großen Wachstumsraten sowohl der Mehrwert- als auch der Profitrate, weil das eine - in Relation zu Abeilung II - zu große Wachstumsrate in Abteilung I beinhaltete, die eine nicht zu erfüllende Steigerung in der Nachfrage nach Kapitalgütern erforderte. Aber zugleich sagt Aglietta, dass der Rückgang im Wachstum der Produktivität ab 1966 einen problematischen Fall der Profitrate verursachte. Denn der technische Wandel erfolgte nicht im Tempo des Wachstums des Kapitals (organische Zusammensetzung), und so verlangsamte sich das Sinken der gesamten Arbeitskosten.

Die unmittelbare Frage dabei ist, warum das langsame Wachstum der Arbeits-produktivität schließlich über die Reduktion der Mehrwert- und der Profitrate nicht zu einer Verlangsamung der Kapitalakkumulation geführt haben sollte und so auch zu einer Verlangsamung der Nachfrage nach Kapitalgütern, mit der Folge eines weiterhin gleichmäßigen Wachstums der Abteilungen I und II, wodurch das Problem der ungleichen Entwicklung von Abteilung I gelöst wäre. In anderen Worten heißt das, dass Aglietta für die Jahre ab 1966 den aus dem geringeren Wachstum der Produktivität entstehenden Rückgang der Profitraten zu einem Problem machte, während er in der Periode davor einen Anstieg der Profitrate problematisierte. Es ist zuviel des Guten, wenn Aglietta hier die beiden Enden des Drahtseils gegen die Mitte ausspielt.

In den neueren regulationistischen Texten wird die ungleichmäßige Akkumulation der Jahre 1958-1966 tendenziell ignoriert, um die gegenwärtige Krise statt dessen in Begriffen einer fallenden Grenzproduktivität des Kapitals im Rahmen des fordistischen Arbeitsprozesses ab 1966 zu interpretieren. Dennoch ist die Vor-stellung, dass die gegenwärtige Krise der Profitabilität als Folge eines Rückgangs der Produktivität, die selbst wiederum Ergebnis des fordistischen technologischen Paradigmas ist, höchst paradox - angesichts der regulationistischen Charakte-risierung des (tayloristisch-) fordistischen Arbeitsprozesses, angesichts unseres bisherigen Wissens über technologische Veränderungen im Kapitalismus, und angesichts der Konturen der Krise selbst, des Zeitpunkts, des Ausmaßes und deren Intensität.

Wie wir gesehen haben, charakterisieren Aglietta und die Regulationstheoretiker den fordistischen Arbeitsprozess als Entwicklung der maschinellen Fertigung (oder der Maschinofaktur). Wie Leborgne und Lipietz es bezeichnen: "Als allgemeines Prinzip der Organisation der Arbeit oder als 'technologisches Paradigma' ist Fordismus nichts anderes als Taylorismus plus Mechanisierung." Deshalb beinhalten die fordistisch-tayloristischen Prinzipien

"eine rigorose Standardisierung der operativen Praktiken und eine beglei-tende Separation [...] der Konzeption (Design, Konstruktion) auf der einen Seite und der händischen Fertigung auf der anderen. [...] Diese Rationalisierung durch Separation hat zwei Ziele. Das erste ist die Vollendung [...] der effizientesten Methode (des 'einen besten Weges') und die Ausschaltung sowohl des Experiments [...] als auch der Funktionsstörungen entlang der Werkbank [...], um so Vorteile in der Produktivität und in ihrer exakten Anwendung (der physikalischen Effizienz jeder Operation) durch die organisierte Sozialisation des kollektiven 'learning by doing' zu erlangen. Das zweite Ziel ist es, durch das Wissen um die für den Vollzug notwendige Zeit eine rigorose Kontrolle über die Intensität der operativen Arbeit zu erreichen [...] Wirklicher Fordismus kann vom Taylorismus durch die Tatsache unterschieden werden, dass diese Normen selbst in den automatischen Apparat der Maschine eingebaut sind."

Aber wenn der Fordismus nichts anderes als Mechanisierung plus Taylorismus plus Fließband ist - so das spezielle Anliegen der Regulationstheoretiker -, dann ist es schwierig zu sehen, warum er als mehr als eine Erweiterung der die Technologie transformierenden Prozesse gesehen werden sollte, die die kapitalistische Produktion für zumindest ein Jahrhundert (oder vielleicht auch zwei) charakterisiert haben. In diesem Fall: Warum sollte die maschinelle Produktion plötzlich, in der Mitte der 1960er Jahre, eine Obergrenze erreicht haben und nicht mehr in der Lage sein, die früheren Stufen des Wachstums der Produktivität zu erreichen und deshalb eine Krise des gesamten kapitalistischen Systems heraufbeschwören?

Es sollte daran erinnert werden, dass die Maschinofaktur selbst, sowohl begriff-lich als auch historisch, der Höhepunkt der verarbeitenden Industrie per se ist, die Zerstückelung von komplexen, hochqualifizierten Arbeiten in ihre einfachen, unkomplizierten Bestandteile (in einfache Arbeit). Adam Smith und Karl Marx zufolge war die Anwendung industrieller Methoden bestimmt für Kosteneinsparung - und zwar durch eine Erleichterung des learning-by-doing, durch kontinuierlichere Arbeitsprozesse, durch sinkende Ausgaben für das Anlernen von Fertigkeiten und durch die Erleichterung der Einführung von Maschinen als Folge der Vereinfachung der Fertigkeiten. Die Mechanisierung erreichte beim Ausstoß pro Person Vorteile nicht nur durch den Einbau neuer Techniken, die die Effizienz der Produktion direkt steigerten, sondern auch durch die Steigerung der Intensität und der Kontinuität der Arbeit (durch das Auffüllen der Poren des Arbeitstages).

Die gesteigerte Trennung von Planung und Ausführung brachte einen höheren Grad der kapitalistischen Dominanz über den Arbeitsprozess mit sich. Außerdem wurde die Mechanisierung selbst Gegenstand der allgemeinen Prinzipien der verarbeitenden Industrie - das sind Zerlegung und Vereinfachung -, wodurch der Einsatz von weniger Facharbeitern, das leichtere Anlernen von Arbeitskräften und die Intensivierung der aktuellen Tätigkeiten der Arbeit ermöglicht wurden. Die von den Regulationstheoretikern dem Taylorismus zugeschriebenen Innovationen scheinen so relativ eindeutig verschiedene Variationen eines lange etablierten und nur schwierig zu erschöpfenden 'technologischen Paradigmas' zu sein.

In diesem Kontext ist es ziemlich schwierig herauszufinden, was man mit der Vorstellung der Regulationstheoretiker machen könnte, wonach die durch den Fordismus erreichten Vorteile erschöpft seien. Dass man von der Anwendung schon gegebener maschineller Fertigungsmethoden schwindende Gewinne erwarten kann, macht in einem bestimmten Ausmaß Sinn. Die aus der Zerstückelung eines Produktionsprozesses in seine einzelnen Komponententeile (-arbeiten) stammenden Erfolge mögen in jeder einzelnen Technik an die Grenzen gelangen: Möglicher-weise kann man nicht alles von der Vereinfachung und Zergliederung komplexer Tätigkeiten im Arbeitsprozess, um Investitionen in "Humankapital" zu verringern, erwarten; vielleicht gibt es nur begrenzte Vorteile der aus der Vereinfachung resultierenden weiteren Mechanisierungen. Wie auch immer: Ein großer Teil weiterer Argumentation und Klärung wäre für den Nachweis notwendig, dass nach einem bestimmten Punkt in der Geschichte die Maschinofaktur im allgemeinen - als Gegenstück zu einzelnen mechanisierten Produktionsprozessen - nur noch verminderte Gewinne erzielen sollte.

Es liegt im Wesen der kapitalistischen Produktion, dass unter dem Druck des Wettbewerbs vollständig neue Werkzeugmaschinen, als Verkörperung neuer Techniken, eingebracht werden, um die alten Prozesse zu erneuern. Es liegt ebenfalls im Wesen einer kapitalistischen Ökonomie, dass regelmäßig vollständig neue Produkte eingeführt werden, um alte oder neue Bedürfnisse zu befriedigen, wodurch wahrscheinlich zu einem gewissen Grad Innovationen in der Produktion notwendig werden. Umgekehrt werden diese neuen Techniken selbst Gegenstand von Vereinfachungen, also der breiten Taylorisierung sein, aber auch Gegenstand einer Ersetzung durch neue Produkte und Techniken, und so ad infinitum. Es ist interessant zu bemerken, dass F.W. Taylor selbst sich quälend mit den Verbesse-rungen beschäftigt hat, die eher durch eine Reorganisierung des Arbeitsprozesses als durch die Einführung neuer Technologien zu erreichen sind. Aber weil neue Technologien zentral für die fortlaufende Transformation der Produktion sind, scheint es keinen Grund für die Erwartung zu geben, dass "eine Erschöpfung des fordistischen Arbeitsprozesses" zu einer Krise führen sollte, die mit fallenden Raten der Entwicklung der Produktivität verknüpft ist.

Wenn die Regulationstheoretiker diese These weiterhin vorantreiben, so scheint das deshalb der Fall zu sein, weil sie technologischen Wandel im allgemeinen und Mechanisierung im besonderen so interpretieren, als ob es sich dabei um einfache Prozesse handeln würde, in denen sich das Kapital unter dem Druck des Klassenkampfes das Wissen der Arbeiter und die Energie der Produktion aneignete. Dazu folgen wir Aglietta:

"Die kapitalistische Produktionsweise hat planmäßig Systeme der produktiven Kräfte hervorgebracht, die den absoluten und den relativen Mehrwert eng miteinander verknüpfen können. Ihre Basis ist das Prinzip der Mechanisierung [ Hervorhebung von Aglietta] , die in ihre Operationsweise die qualitativen Charakteristika jener konkreten Arbeiten miteinbezieht, die davor durch die Handfertigkeit der Arbeiter geleistet wurden. Das Maschinensystem ist ein Komplex von produktiven Kräften, in denen eine Reihe von Werkzeugen durch eine mechanische Energiequelle, den Motor, in Bewegung gesetzt werden. [...] Durch die Übertragung der qualitativen Charakteristika der Arbeit auf die Maschine reduziert die Mechanisierung die Arbeit zu einem Zyklus sich wiederholender Bewegungen, charakterisiert nur durch die Dauer, die Produktionsnorm. Das ist die Grundlage der Homogenisierung der Arbeit in der Produktion. Alle Modifizierungen in der Organisation der Arbeit repräsentieren einen weiteren Ausdruck dieses Prinzips."

Nüchterner gesagt ist "'Technologie' nichts anderes als die Einverleibung der Facharbeit in die Maschinerie." Diese Formulierungen reduzieren tendenziell den technologischen Wandel im allgemeinen und die Mechanisierung im besond-eren auf einen Aspekt des Klassenkampfes. Dort werden er bzw. sie vom Kapital durchgesetzt, um die Kontrolle der Arbeiter zu reduzieren und so ihre Ausbeut-barkeit zu steigern, vor allem durch die Intensivierung der Arbeit (aber vermutlich auch durch eine Beschränkung der Lohnzuwächse). Solche Vorstellungen helfen den Sinn der früher erwähnten Argumente der Regulationstheoretiker zu verstehen, wonach die handwerkliche Kontrolle über den Arbeitsprozess als Folge der nicht stattfindenden bedeutsamen Steigerungen der organischen Zusammensetzung des Kapitals für ein dreiviertel Jahrhundert die Entwicklung der kapitalistischen Industrie verhindert hat und wonach dementsprechend der epochemachende Sieg des Kapitals über die Facharbeiter mit der Einführung des tayloristischen Arbeits-prozesses eine revolutionäre Zunahme des konstanten Kapitals erleichterte. Die-selbe Konzeption untermauert auch die These, die uns nun beschäftigen wird: nämlich, dass die Vorteile aus dem tayloristischen bzw. fordistischen Arbeits-prozess - zu großen Teilen gesichert durch Verminderung der Qualifikation, durch Mechanisierung und durch Beschleunigung (jedoch auch durch learning-by-doing) - erschöpft sind. Aber das ist, gelinde gesagt, extrem einseitig.

Natürlich hat die Mechanisierung, wie die Regulationstheoretiker betonen, die gesteigerte Auspressung von Mehrwert durch die Schwächung der Macht der Facharbeiter in der Fabrikshalle (und darüber hinaus) sehr erleichtert und damit auch die Intensivierung der Arbeit und - allgemeiner - den Kapitalisten einen erhöhten Input der Arbeiter und so auch einen erhöhten Output bei gleichem Lohn ermöglicht. Zusätzlich hat sie durch die Miteinbeziehung der Fortschritte in der Wissenschaft und im technischen Verständnis (zu großen Teilen durch ausgebildete Arbeiter, aber, in den letzten Jahren mehr werdend, auch durch eingesetzte Wissenschafter und Ingenieure) zu unermesslichen und sich beschleunigenden Steigerungen der Produktivität (und so zu Steigerungen des relativen Mehrwerts) beigetragen. Das ist ein Aspekt der Mechanisierung, den die Regulationstheoretiker sehr stark dadurch herunterspielen, dass sie ihre Sicht der gegenwärtigen Krise in eine Krise der Produktivität einbetten.

Seit der späten Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein steigender Anteil des technologischen Fortschritts von zuvor erzielten Verbesserungen in systematischem Wissen abhängig geworden. Diese basierten auf erhöhtem Verständnis der Kräfte der Natur, die über den Produktionsprozess hinaus gewonnen wurden. Heute sind einige der spektakulärsten Quellen von Produktivitätssteigerungen in der fordis-tischen Fabrik selbst offensichtlich von der Wissenschaft abhängig - Cad/Cam, Roboter usw. Außerdem sind über die eigentliche Manufaktur hinaus ganze Reihen neuer Fabrikationen entstanden - die Computerrevolution, Biotechnologie, Werk-stoffe usw. -, die offensichtlich nicht als Repräsentanten der früher händisch bedienten Mechanisierung der Produktion begriffen werden können. Angesichts des starken Grades, in dem technische Veränderungen in der Produktion nicht nur vom tayloristisch/fordistischen Fließband, sondern von der Maschinofaktur selbst unabhängig sind, ist es schwierig zu verstehen, auf welcher Basis die Regulations-theoretiker versuchen können, die Produktivitätskrise in der Industrie in Begriffen einer Krise des fordistischen Arbeitsprozesses zu erklären.

 

3. Inwieweit kann eine aus der Krise des fordistischen Arbeitsprozesses abgeleitete Krise der Produktivität die gegenwärtige kapitalistische Krise erklären?

 Auch wenn wir der Meinung wären, dass ein langfristiger Trend einer Erschöpfung des fordistischen technologischen Paradigmas einen Rückgang des Produktivitätswachstums verursachte, so ließe sich dadurch das Einsetzen einer Profitabilitätskrise, die die Regulationstheoretiker mit Recht als die Ursache der gegenwärtigen Situation sehen, noch immer nicht befriedigend erklären. Genauer gesagt, kann damit der simultane und allgemeine Charakter der Krise auf inter-nationaler Ebene, die Plötzlichkeit ihres Hereinbrechens und die extreme Schärfe und Tiefe des Absturzes, wodurch eine klare Diskontinuität mit vorhergehenden Trends erkennbar ist, nicht erklärt werden.

Alle fortgeschrittenen kapitalistischen Wirtschaften begannen eigentlich zur gleichen Zeit Erfahrungen mit einer Krise der Profitabilität zu machen, nämlich in den Jahren 1966 bis 1970, und seit damals haben alle ihre verschiedenen Phasen in unterschiedlicher Ausprägung kennengelernt. In den USA begann die Profitrate 1966/1967 zu fallen, und nur ein oder zwei Jahre später passierte das auch in Japan und Deutschland. Bis 1974/1975 stürzten die Profite überall ab, wobei der Rückgang in Japan demjenigen in den USA zumindest gleichkommt. Von nun an waren die aufeinanderfolgenden Auf- und Abschwünge gleichermaßen durch ihre Synchronie gekennzeichnet. Die Frage, die den Regulationstheoretikern dann gestellt werden muß, ist, ob es wahrscheinlich ist, dass eine solche allgemeine Krise voneinander getrennte und zugleich im wesenlichen gleiche Trends der Produktivi-tät ausdrücken kann, die alle auf im wesentlichen parallele Entwicklungen der Technologie im Verhältnis zu den sozioökonomischen Institutionen in jeder fort-geschrittenen kapitalistischen Nation basieren.

Es ist nicht leicht einzusehen, warum zu unterschiedlichen Zeiten erbaute unterschiedliche Industrien (fordistische und nichtfordistische) mit unterschiedlicher Maschinerie und mit unterschiedlichen - die divergierenden Entwicklungen bei Nachfrage und Kapitalausgabe reflektierenden - Wachstumspfaden zur selben Zeit einen scharfen Fall der Produktivität erfahren haben sollten. Ebensowenig ist einzusehen, warum das für gesamte industrielle Volkswirtschaften mit so unter-schiedlichen Nachkriegserfahrungen - und durch so spezifische institutionelle Rahmen strukturiert - gelten sollte. Die US-Wirtschaft wurde im wesentlichen während des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach wieder aufgebaut. Im Gegensatz dazu fand die Rekonstruktion der japanischen Industrie kaum vor Mitte der 1950er Jahre statt, und diese konnte so von einem wesentlich höheren Niveau moderner Technik ausgehen, als das in den USA der Fall gewesen war, ganz zu schweigen von den die Kapitalinvestitionen und den technischen Fortschritt unter-stützenden mächtigeren Institutionen. Außerdem steigerte die japanische Wirtschaft im Vierteljahrhundert nach 1950 das fixe Kapital mehr als doppelt und die Produktivität dreimal so schnell wie die US-Wirtschaft. Wenn die beiden Wirtschaften trotzdem große Einbrüche in der Profitabilität zu mehr oder weniger der gleichen Zeit erfuhren, wie wahrscheinlich ist es dann, dass beide Einbrüche durch simultane, große Verschlechterungen in der Effizienz verursacht wurden?

Der Fall der Profitrate wurde nicht nur international synchronisiert, sondern schloss auch eine scharfe Diskontinuität mit ein. Zwischen 1950 und 1966 war die um die Kapazitätsauslastung bereinigte Profitrate in der Industrie stabil; aber von 1966 bis 1974 fiel sie plötzlich. Durch welchen möglichen Mechanismus könnte ein Rückgang im Wachstum der Produktivität diese Profitabilitätsstruktur erzeugen - offenbar das Ergebnis einer zurückgehenden Fähigkeit eines technologischen Paradigmas, ein Wachstum der Produktivität zu erreichen? Und sogar wenn man ähnliche Strukturen fordistischer industrieller Entwicklung irgendwie annehmen würde, die zu einem relativ synchronisierten Rückgang in der Produktivität quer durch die Industrien und durch die Länder führen würde, so wäre es vernünftiger, diesen Rückgang als graduellen und sich über eine bedeutende Zeitperiode ausdehnend zu erwarten.

Und schließlich wurde die Profitabilität in der Industrie in den USA zwischen 1966 und 1974 halbiert: Das heißt, die Investitionen in Arbeit plus Maschinerie plus zirkulierendes Kapital wurden um die Hälfte weniger profitabel, als sie es nur einige Jahre davor noch gewesen sind. Es ist sehr schwierig zu verstehen, wie das Wachstum der ökonomischen Effizienz so abrupt zurückgehen konnte, um einen so großen Einbruch der Profitrate zu verursachen, wenn man das nur als Ergebnis einer langfristigen Erschöpfung der fordistischen Produktionsweise sieht.

Gab es eine Krise des Produktivitätswachstums?

Um ihren Sachverhalt zu begründen, müssten die Regulationstheoretiker letzten Endes zeigen, dass es tatsächlich einen Rückgang im Wachstum der Produktivität als Hintergrund für den Fall der Profitrate gegeben hat. Das kann allerdings aus einer Untersuchung der historischen Entwicklung der verarbeitenden Industrie, notwendigerweise der Mittelpunkt jeglicher Erschöpfung des Fordismus, nicht gewonnen werden. Dieser Bereich erlitt in der ersten Phase der Krise einen viel stärkeren Rückgang der Profitabilität als die gesamte Wirtschaft: Seine Profitrate fiel von einer Spitze von 12% 1965 über 10% 1966 auf etwa 4% 1970, stieg bis 1973 auf 6% an und fiel dann 1974 weiter auf unter 3%. In der gleichen Periode fiel die Profitrate im nicht-finanziellen Geschäftsbereich von etwa 12,5% 1966 auf etwa 6,75% 1974. Trotzdem zeigen die von Bowles, Gordon und Weisskopf präsentierten Zahlen, dass von 1966 bis 1973 die Arbeitsproduktivität im Bereich der Produktion sogar um jährlich 3,3% gestiegen ist, mit einem vergleichbaren Anstieg von 2,9% in der Periode 1948/1966. Wenn man außerdem noch die wohl besten verfügbaren Zahlen für Produktivität heranzieht - die von der Federal Reserve Board bereitgestellen direkt-quantitativen Zahlen nur für die verarbeitende Industrie, eher als die durch das Bureau of Labor Statistics produzierten wertberichtigten Zahlen -, dann erscheint der Anstieg im Wachstum der Pro-duktivität in der Industrie während der ersten Phase der Krise der Profitabilität noch größer. Die Zahlen der Federal Reserve Board zeigen einen jährlichen Anstieg der industriellen Produktivität von 4,24% in den Jahren der rapide fallenden Profitabilität in der Industrie 1966/1973, mit einer vergleichbaren Jahresrate von 2,65% in der Boomphase 1948/1966.

Als Antwort auf die Daten, die einen Anstieg der Wachstumsrate der Arbeits-produktivität in der Periode der fallenden Profitabilität zeigen, haben die Theoretiker der Regulationsschule darauf hingewiesen, dass das Verhältnis von Kapital und Arbeit noch schneller gewachsen ist. Während die industrielle Produktivität in der Periode 1966/1973 1,6 mal so schnell wie in der Periode 1948/1966 gewachsen ist, war das Tempo des Wachstums im Verhältnis von Kapital und Arbeit doppelt so schnell. Diese Daten können als Ausdruck eines allgemeinen Rückgangs der Produktivität interpretiert werden, sodass die Arbeiter bei einem ähnlichen Zuwachs von Kapital in Relation zu den Arbeitskräften eine geringere Produktionssteigerung als zuvor erreichten.

Wenn man nun die Inputs nicht nur der Arbeit, sondern auch des Kapitals in die Erklärung miteinbezieht, wie waren dann die Trends in der Produktivität? Die von Kendrick/Grossman und Gollop/Jorgenson aufbereiteten Zahlen zeigen an, dass im Vergleich mit der Periode steigender Profitabilität von den späten 1950er bis zur Mitte der 1960er Jahre die Wachstumsrate der totalen Faktorproduktivität in der Periode der fallenden Profitrate nach der Mitte der 1960er Jahre bedeutsam zurückging. Trotzdem kann dieser Rückgang im gemessenen Wachstum der totalen Faktorproduktivität nicht benutzt werden, um einen tatsächlich statt-gefundenen Rückgang der Effizienz oder der Produktivität nachzuweisen, abgesehen davon, dass ein solcher Rückgang das Ergebnis einer Erschöpfung eines technologischen Paradigmas wäre und einen Fall der Profitrate verursacht hätte.

Tabelle VI.

Wachstum der totalen Faktorproduktivität in der Manufaktur

_________________________

1947-1953         .0090

1953-1957         .0080

1957-1960        -.0212

1960-1966         .0162

1966-1973         .0108

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Quelle: Berechnet aus Gollop und Jorgenson, "Productivity growth in the U.S. by Industry, 1947-1973", Tabelle 1.3.

 

Während es zum ersten richtig ist, dass das Wachstum der totalen Faktor-produktivität in den späten 1960er und den frühen 1970er Jahren geringer war als in der unmittelbar vorangegangenen Periode des Booms, so ist es ebenso Tatsache, dass das Wachstum in der gesamten Periode 1960 bis 1973 wesentlich höher als in allen Perioden nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen ist. Das scheint der Hypothese der Regulationstheoretiker, wonach der Rückgang der Produktivität ein direktes Ergebnis des wachsenden Versagens des fordistischen technologischen Paradigmas sei, direkt zu widersprechen. Außerdem erzeugt die mangelnde Korrelation zwischen der Profitabilität (die bis Mitte der 1960er Jahre hoch war und danach zu sinken begann) und der totalen Faktorproduktivität (die, nach dieser Messart, bis in die frühen 1960er Jahre niedrig war und danach anstieg) in der Nachkriegszeit ernsthafte Zweifel an der ganzen Vorstellung, dass ein Rückgang der Produktivität in der Periode unmittelbar nach 1966 verantwortlich für den Rückgang der Profitabilität gewesen sei. Tatsächlich, wenn die Zahlen für die totale Faktorproduktivität um die Kapazitätsauslastung bereinigt werden - das heißt, wenn das tatsächlich in der Produktion benutzte Kapital berücksichtigt wird, und nicht das bloß in der Fabrik herumstehende - dann gibt es einfach keinen Rückgang im Wachstum der totalen Faktorproduktivität in der Periode der fallenden und niedrigen Profitabilität von 1966 bis 1974 im Vergleich zur Periode der steigenden und hohen Profitabilität von 1948 bis 1966. So kommen auch Kendrick und Grossman zum Schluß, dass "die Sektoren der Landwirtschaft und der Industrie keinen statistisch bedeutsamen Rückgang in ihrer Produktivitätsentwicklung seit 1966 zeigen."

 

VI Schlußfolgerung

Die allgemeine Schwäche der Regulationstheorie liegt, auch wenn das paradox erscheinen mag, in ihrer Unfähigkeit, das allgemeine System der kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, die den Hintergrund ihrer Abfolge institutionell definierter Phasen bilden, hinreichend in Betracht zu ziehen. Die Regulationstheoretiker wollen eine Reihe historisch begründeter Konzepte als dazwischenliegende Verknüpfungen von hoher Theorie und Wirtschaftsgeschichte entwickeln und, im besonderen, demonstrieren, dass die institutionelle Entwicklung des Kapitalismus der Schlüssel seiner Geschichte ist. Der wichtigste der dazwischenliegenden Begriffe ist der einer durch eine Regulationsweise und ein Akkumulationsregime konstituierten Entwicklungsweise.

Aber weil jede Entwicklungsweise eine Phase innerhalb und eine Variation der kapitalistischen Produktionsweise per se repräsentieren muss, wäre es not-wendig, die Herausbildung, die Reproduktion und die Effekte der Regulationsweise zu verstehen, die jedes Akkumulationsregime zumindest teilweise in Begriffen der allgemeinen, durch die kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse konstituierten Zwänge lenken. Und zwar in erster Linie deshalb, weil die kapitalis-tischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, wenn einmal etabliert, den individuellen ökonomischen Einheiten oder Handelnden bestimmte, notwendige Formen wirtschaftlichen Verhaltens auferlegen - Optimierung der Preis-Kosten-Relation für den Verkauf der Waren durch entsprechende Spezialisierung, durch die Akkumulation von Mehrwert und durch das Einsetzen der neuesten Techniken, mit der Angst und unter dem Druck des Wettbewerbs vom Markt gedrängt zu werden.

Die sich daraus ergebenden aggregierten Entwicklungstendenzen - Tendenzen einer mittelfristigen, die Kosten der Produktion reflektierenden Entwicklung der Preise, eines Ausgleichs der Profitrate in verschiedenen Produktionsbereichen, einer zwanghaften Akkumulation von Kapital und einer beispiellosen Entwicklung der Produktivkräfte - unterscheiden den Kapitalismus von allen anderen Wirtschafts-formen. Und zweitens formen die kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentums-verhältnisse, wenn einmal etabliert, ein Feld natürlicher Selektion für die Heraus-bildung und Reproduktion der historisch spezifischen ökonomischen Institutionen selbst. Das praktische Versagen der Regulationstheoretiker, diese allgemeinen und charakteristischen Eigenschaften der kapitalistischen Produktionsweise hinreichend in Betracht zu ziehen, liegt hinter vielen der konzeptuellen und empirischen Schwächen der Theorie, die wir im Verlauf dieses Essays herauszuarbeiten ver-sucht haben.

Gesellschaftliche Eigentumsverhältnisse oder Institutionen?

Die Intensität, mit der die Regulationstheoretiker auf der Unterscheidung beharren zwischen den Effekten der Struktur der Kapitalakkumulation, die sie den unter-schiedlichen Institutionen innerhalb des Kapitalismus zuschreiben, und den Effekten, die sie dem breiteren Rahmen der gesellschaftlichen Eigentums-verhältnisse, kapitalistisch oder vorkapitalistisch (oder nicht-kapitalistisch), zu-schreiben, wird genau in den Regulations- und Entwicklungsweisen deutlich, die die Regulationstheoretiker herausarbeiten. Obwohl sie nicht viel Aufhebens davon machen, stellen sie eine "altertümliche" oder "traditionelle" Regulationsweise fest, die angenommenerweise der kompetitiven Regulationsweise vorangeht und in der "der agrikulturelle Sektor eine dominante Rolle spielt, weil die moderne kapitalistische Industrie erst im Entstehen begriffen ist. Dadurch entsteht ein einzigartiges zyklisches Muster: Jede schlechte Ernte führt zu steigenden Kornpreisen und allgemein zu steigenden Preisen in der Landwirtschaft; in der Folge können die Bauern keine industriellen Güter kaufen, und der industrielle Sektor wird so von der zweiten Runde der Krise getroffen; dann werden Arbeiter entlassen und die Nominallöhne gesenkt, auch wenn das allgemeine Preisniveau steigt. Die 'Regulation' ist von Natur aus stagflationär, weil sie Arbeitslosigkeit mit Inflation verbindet." Aber das offensichtliche Problem hierbei ist, dass das Entwicklungsmodell, auf das sich die Regulationstheoretiker beziehen - fest-gemacht ursprünglich durch den französischen Wirtschaftshistoriker C.-E. Labrousse -, in Begriffen eines eigentlich kapitalistischen Netzwerks von Institu-tionen, die eine Regulationsweise konstituieren können, nicht erklärbar ist.

Vorherrschend nicht nur im vorrevolutionären Frankreich, sondern auch in fast ganz Europa der mittelalterlichen und frühmodernen Periode und darüber hinaus, fanden sich die sozio-strukturellen Wurzeln der (fälschlicherweise so genannten) altertümlichen oder traditionellen Entwicklungsweise in den vorkapitalistischen sozialen Formationen dieser Epoche, besonders in der Dominanz einer Struktur, in der das bäuerliche Eigentum ein zentrales Element bildete. Weil die Bauern Eigentümer ihrer Subsistenzmittel waren, waren sie nicht vom Markt abhängig und mußten deshalb ihr Preis-Kosten-Verhältnis nicht durch Spezialisierungen, Erneuerungen, Verbesserungen oder durch das Umwechseln in die Sparte mit der höchsten Gewinnerwartung maximieren. Stattdessen führten sie tendenziell als Regel ihrer Reproduktion die "Produktion für die Subsistenz" ein - womit eine Diversifikation der Produktion für die Sicherung notwendiger Produkte und eine Vermarktung nur der materiellen Überschüsse gemeint ist. Die landwirtschaftlichen Produktivkräfte tendierten deshalb zu Stagnation, und die Produktivität war mit dem Wachstum der Bevölkerung langfristig rückläufig. Das Ergebnis war eine dem System innewohnende Anfälligkeit für schlechte Ernten, die tendenziell gebündelt auftraten. Dadurch wurde die "Krise der Subsistenz" vorangetrieben - mit dem Charakteristikum plötzlich und extrem steigender Preise, was ein bestimmendes Merkmal der regulationistischen "altertümlichen" oder "traditionellen" Ent-wicklungsweise ist. Der Schlüssel für die nachfolgende Form der Krise musste in der Antwort der Bauern auf die steigenden Preise gefunden werden.

Weil die Bauern nicht gezwungen waren, ihre Produktivität zu steigern, um die Gewinne zu maximieren, und weil sie dazu auch kaum in der Lage waren, steigerten sie ihre Produktion als Antwort auf die hohen Preise kaum (wie das kapitalistische Farmer getan hätten). Indem sie nur einen beschränkten Anteil für den Markt produzierten und nur beschränkt Produktionsmittel von ihm kauften, waren die Bauern dementsprechend nicht in der Lage, große Einkommen und Kaufkraft als Antwort auf die hohen Preise zu erzielen (wozu wiederum vom Markt abhängige kapitalistische Bauern in der Lage gewesen wären). Hohe Getreidepreise reduzierten in der Folge die frei verfügbare Kaufkraft der Arbeiter, wobei es nicht gelang, die frei verfügbare Kaufkraft der Bauern zu steigern. Die gesamte industrielle Nachfrage und die Gesamtheit der industriellen Löhne fielen, die Arbeitslosigkeit stieg an, während die agrikulturellen Preise noch für einige Jahre hoch blieben (die "Stagflation" der Regulationstheoretiker). Es sollte also evident sein, wie irreführend es ist, sich auf eine altertümliche oder traditionelle "Regulationsweise" als der "kompetitiven" oder "monopolen" Regulationsweise begrifflich gleichwertig zu beziehen; oder zu implizieren, dass das oben erwähnte Entwicklungsmodell in Begriffen eines historisch spezifischen Netzwerks kapitalis-tischer Institutionen (die eine Regulationsweise konstituieren können) zu erklären sei. Das altertümliche oder traditionelle Entwicklungsmodell ist als Funktion kapitalistischer institutioneller Formen jeglicher Art unverständlich und muss im Gegenteil als Effekt von gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen verstanden werden, die sich von denen des Kapitalismus völlig unterscheiden.

Es scheint vielleicht pedantisch zu sein, die Regulationstheoretiker auf diese irreführende Konzeptualisierung von historisch eher entfernten Entwicklungs-modellen hinzuweisen. Schließlich ist es ihr Projekt, die Bedeutung unter-schiedlicher Netzwerke institutioneller Formen für unterschiedliche Modelle der Kapitalakkumulation innerhalb des Kapitalismus zu demonstrieren. Was wir dennoch herausheben wollen, ist, dass ihr Versagen einer klaren Unterscheidung zwischen den ökonomischen Effekten einer breiten Umgebung vorkapitalistischer gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse und den Effekten von eigentlich kapitalistischen Institutionen das gesamte theoretische Gebäude der Regulations-theoretiker unterminiert, weil es sie zu einer unhaltbaren Theoretisierung der Geschichte des Kapitalismus per se von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die späten 1960er Jahre führt.

Wie wir zu zeigen versucht haben, muss einerseits die Erklärung der Regulationstheoretiker, insofern sie historische Fälle intensiver Akkumulations-regimes festmachen und eine überzeugende theoretische Darstellung anbieten - was sie kaum zu tun begonnen haben -, auf den Effekten nicht von eigentlich kapitalistischen Institutionen beruhen, wie es ihre Theorie verlangt. Sondern die Darstellung beruht auf dem breiten Umfeld vorkapitalistischer, die Entwicklung der Manufaktur gestaltender gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse. Was für die Form der von den Regulationstheoretikern identifizierten Akkumulation (charakte-risiert vor allem durch absoluten Mehrwert und eine beschränkte Massen-konsumtion) spezifisch zu sein scheint, ist ein sozioökonomisches Umfeld, das nur zum Teil aus proletarisierten bäuerlichen Produzenten, die somit als billige Arbeitskräfte für die Industrie verfügbar sind, besteht. Dadurch gab es nur ein beschränktes Potential für das Wachstum kollektiver Arbeit, also von verbesserter, konsistenter Produktivität und von Akkumulation auf der Basis des relativen Mehrwerts, und somit auch sehr beschränkte Möglichkeiten für ein Wachstum des inneren Marktes.

Andererseits: Die Regulationstheoretiker berufen sich auf die Effekte eines bestimmten Musters spezifischer kapitalistischer Institutionen, um zu erklären, wie die kompetitive Regulationsweise das Wachstum der Produktivkräfte behindern konnte und so eine vor allem extensive Akkumulationsweise strukturierte - und warum der Durchbruch zur monopolistischen Regulation notwendig für die Ermöglichung einer stabilen intensiven Regulation war. In diesem Fall aber sind ihre Argumente genau durch eine systematische Ablehnung der aufhebenden Effekte der ausgedehnten Struktur kapitalistischer gesellschaftlicher Eigentums-verhältnisse und besonders des eingebauten Zwanges der Konkurrenz beein-trächtigt. Die ökonomischen Zwänge oder Tendenzen, die sie der Existenz gegebener Institutionen zuschreiben, werden so entweder durch die den kapitalis-tischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen per se innewohnenden Gegen-tendenzen überrollt oder haben, als Konsequenz dieser Verhältnisse, keine aus-reichend ausgedehnten und langfristigen Effekte, um ein völlig unterschiedliches Akkumulationsregime zu bestimmen.

Die Regulationstheoretiker weisen zurecht auf das mit einer höchst kompetitiven Umgebung assoziierte Risiko hin, wodurch Innovationen tendenziell verhindert werden, die von umfangreichem Einsatz fixen Kapitals abhängen. Aber sie scheinen den offensichtlichen Tatbestand zu ignorieren, dass dieselbe höchst kompetitive Umgebung genau diese Investitionen für Unternehmen, die überleben wollen, unersetzlich macht und dass dadurch langfristig institutionelle Innovationen begünstigt werden, die die Fähigkeit der Unternehmen vergrößern, mit den Risiken umzugehen. Ähnlich behaupten die Regulationstheoretiker nicht unlogisch, dass die handwerkliche Kontrolle über den Arbeitsprozess, solange sie vorherrscht, die Mechanisierung und das Wachstum der Produktivität beschränken kann. Das Problem dabei ist, dass die produktiven Beziehungen des Arbeitsprozesses, auf die sie sich hier beziehen, innerhalb der Firma konstituiert und damit Gegenstand des Wettbewerbs mit anderen kostensenkenden Unternehmen sind.

Es ist theoretisch vorstellbar, dass die Gewerkschaften durch die (teilweise) Organisierung der Arbeiterklasse - über die individuellen Einheiten der Unter-nehmen hinaus - die Reproduktion der handwerklichen Kontrolle in den individuellen Einheiten gesichert haben könnten, und zwar genau durch die Ausübung ihrer kollektiven Kraft über die Gesamtheit einer Industrie, um so den Konkurrenzdruck auf die Firmen zur Aufrechterhaltung ihrer technologischen Renten (zeitweilige Extraprofite) via Innovation und durch die Nachahmung innovativer Teilnehmer am Wettbewerb zu mildern. In der Praxis hätten sich die Gewerkschaften unüberwindlichen Hindernissen gegenüber gesehen, um eine so weitreichende und dauerhafte Kraft, um die in erster Linie extensive Akkumulation für eine ganze Wirtschaft über eine ganze Epoche zu bestimmen, durchzusetzen. Schließlich, und analog dazu, betonen die Regulationstheoretiker, dass ein höchst kompetitiver Arbeitsmarkt die aggregierte Konsumtion durch Beschränkung der Lohnzuwächse tendenziell begrenzen und das beschränkte Wachstum der aggregierten Konsumtion tendenziell produktivitätserhöhende Kapitalinvestitionen in Abteilung II verhindern würde. Aber sie scheinen die ebenfalls offensichtlichen Gegentendenzen zu negieren, die der Wettbewerb zwischen akkumulierenden, kostensparenden Unternehmen auf das Produkt und den Arbeitsmarkt ausübt und so das Wachstum der Massenkonsumtion stimuliert, und zwar nicht nur durch die Ausweitung der Beschäftigung von Lohnarbeitern und durch steigende Löhne, sondern auch durch die Stimulierung kostensparender technischer Neuerungen, die selbst durch die reduzierten Preise den Markt ausweiten.

Frankreich und die Vereinigten Staaten

Die Regulationstheoretiker beschäftigen sich vorrangig mit Theorien mittleren Abstraktionsgrades und dem Primat von Institutionen. Dass dies sie tatsächlich zur Negation des historisch spezifischen Rahmens von gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen, in denen sich die verarbeitende Industrie entwickelt, und zu einer falschen Auffassung der Effekte der für die Regulationsweise konsti-tutiven kapitalistischen Institutionen führt, wird in der praktischen Anwendung ihrer eigenen Konzepte klar. Dies gilt etwa bei ihrer eher befremdlichen Feststellung, dass die wirtschaftliche Geschichte sowohl Frankreichs als auch der USA seit ungefähr dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts mit demselben Phasenmodell erfasst werden könne. Die wirtschaftlichen Entwicklungspfade dieser beiden Nationen unterscheiden sich in dieser spezifischen Phase so dramatisch, dass man auch bei oberflächlichster Betrachtung sich eher nach einer Theoretisierung ihrer systematischen Unterschiede als nach einer Konzeptualisierung einer vorgestellten Gemeinsamkeit fragen müsste. Geformt durch ein völlig unterschiedliches System der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse - nicht zu vergessen die divergie-renden Antworten auf die gleiche internationale kompetitive Umgebung -, können sie nur in Konsequenz einer vorgängigen, theoretischen Festlegung als Mani-festation der gleichen Dynamik interpretiert werden.

In Frankreich scheint sich etwas dem regulationistischen extensiven Akku-mulationsregime Ähnliches den größten Teil des 19. Jahrhunderts durchgesetzt haben. Aber es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dies irgendetwas mit der Vorherrschaft kapitalistischer Institutionen der kompetetitiven Regulationsweise zu tun hatte. Den Rahmen für die Entwicklung der französischen verarbeitenden Industrie bildete, in einem großen Ausmaß, ein System von gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen in der Landwirtschaft, das durch ein Übergewicht von kleinen, für sich selbst wirtschaftenden Produzenten und durch halbproletarisierte Bauern charakterisiert war. Dadurch wurde tendenziell das Wachstum der agrikulturellen Produktivität begrenzt, die Ausdehnung des Binnenmarkts be-schränkt und die Investitionen der verarbeitenden Industrie in die auf der halb-proletarisierten Bauernschaft beruhende heimische Industrie gelenkt. Parallel dazu war der manufakturelle Sektor in großen Teilen der Industrie bis spät ins 19. Jahrhundert nur in geringem Ausmaß durch mechanisierte Fabriken durchdrungen und wurde stattdessen durch kleine Produzenten und kleine, handwerkliche Geschäfte kontrolliert. Die Entwicklung der französischen Wirtschaft wurde schließlich auch durch ihre Unfähigkeit, in dieser Periode mit der britischen Hegemonie auf dem Weltmarkt zu konkurrieren, weiter beengt.

Im Gegensatz dazu schloss in den USA zumindest nach dem Bürgerkrieg ein spektakulärer Prozess intensiver Akkumulation das rapide Wachstum des fixen Kapitals, der Arbeitsproduktivität und eines Massenmarktes für die Konsumgüter der Abteilung II mit ein. Dieser Prozess fand trotz der von den Regulations-theoretikern so genannten Institutionen der kompetitiven Regulation statt - das heißt ohne die Institutionen, die die (fordistische) Konsumnorm der Arbeiterklasse etablierten, die angeblich für eine lebendige intensive Akkumulation unverzichtbar sind. Und er fand unter Verhältnissen eines in hohen Graden interkapitalistischen Wettbewerbs statt. Die sozio-ökonomische Umgebung der Entwicklung der Manufaktur bestand aus einem vollständigen System kapitalistischer gesellschaft-licher Eigentumsverhältnisse, vor allem in der Landwirtschaft, die ein besonders dynamisches Wachstum durchlebte und eine besonders entscheidende Rolle spielte. Am Ende des Jahrhunderts war es eher der industrielle Sektor von Großbritannien als jener der USA, der sich über die Verteilung der internationalen Wettbewerbs-fähigkeit sorgen musste.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Pfade der Kapitalakkumulation außerhalb der genauen Beschreibung der ausgedehnten gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, in die sie eingebettet sind, nicht zu begreifen sind. Und zwar nicht nur, weil diese Systeme die Bandbreite der ökonomischen Strategien definieren, die die individuellen ökonomischen Akteure sinnvoll zu übernehmen finden; sondern auch deshalb, weil diese Systeme ein Feld natürlicher Selektion der Anwendung von Institutionen konstituieren bzw. den Effekt von bereits etablierten Institutionen auf die Kapitalakkumulation stark determinieren. In der Praxis bedeutet das, dass man erwarten kann, dass die industriellen Entwicklungspfade fundamental variieren können, je nachdem, ob sie von vollständig kapitalistischen oder nicht-kapitalistischen agrarischen gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen umgeben sind (und, im letzteren Fall, je nachdem, von welcher Art), auch in der Umgebung von annähernd gleichen kapitalistischen Institutionen. Die gegen-sätzlichen Entwicklungen der Industrie zwischen 1850 und 1920 in Russland und Japan oder im Süden bzw. Norden der USA - oder in Frankreich und den USA - bieten schlagkräftige Illustrationen dieses Punktes.

Phasen nationaler kapitalistischer Entwicklung? Die Weltwirtschaft

Wenn man die Art und Weise und das Ausmaß ernst nimmt, in der nicht nur der ausgedehnte Rahmen der Klassenverhältnisse, sondern auch das Wesen der Weltwirtschaft die lokalen Prozesse der Kapitalakkumulation formen, dann erscheint das Projekt einer Konzeptualisierung der Geschichte des Kapitalismus als einer Abfolge institutionell determinierter, national situierter Entwicklungsweisen noch problematischer. Und zwar, weil die gegebene internationale Verteilung der produktiven Kräfte eine zentrale Rolle in der Zuordnung und Bestimmung der Institutionen hat, und zwar hinsichtlich ihrer Lebensfähigkeit in nationalen Wirtschaften zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt, und hinsichtlich ihrer Effekte auf die Kapitalakkumulation. Denn - auch wenn sie in gewisser Weise geschützt sind - diese Institutionen müssen direkt auf den internationalen Wettbewerb antworten.

Mit der Konzentration auf die Regulation vollständiger, nationaler Wirtschaften, widmeten sich die Theoretiker der Regulation kaum jenen institutionellen Neuerungen, die sich auf der Stufe der individuellen Einheiten des Kapitals vollzogen haben - Körperschaften, vertikale Integration, horizontale Integration, Formen von Fusionen zwischen Bank- und Industriekapital und ähnlichem. Doch scheint die Behauptung nicht strittig zu sein, dass diese Institutionen in ihrer Etablierung in wichtiger Hinsicht bedeutend waren, weil - was in genau diesem Ausmaß auch ihre positiven Effekte auf die Entwicklung der Produktivkräfte ausmacht - sie die Wettbewerbsfähigkeit der mit ihnen verbundenen ökonomischen Einheiten erhöhten - im Konkurrenzkrieg mit anderswo von anderen institutionellen Formen geprägten produktiven Einheiten.

In der Praxis entstehen und reproduzieren sich Institutionen auf lokalen - regionalen oder nationalen - Schauplätzen zu einem bedeutenden Ausmaß als Funktion bereits existierender Institutionen im Weltmaßstab: Sie sind konstruiert, um anderswo Institutionen nachzuahmen oder zu übertreffen, die die Wettbewerbs-fähigkeit in der Produktion fördern. Dieselben institutionellen Formen werden entweder Anreize oder Fesseln für die Entwicklung der Produktivkräfte darstellen, abhängig vom Stand der Verteilung der produktiven Kräfte in der gesamten Weltwirtschaft - womit einfach die Verteilung der technologischen Kapazitäten (fixes Kapital, Facharbeiter und die institutionelle Fähigkeit ihrer Anwendung) zwischen Nationen oder Regionen gemeint ist. Der Grund dafür liegt darin, dass die Kapazität von Institutionen, die Entwicklung der Produktivkräfte zu fördern, genau von deren Wettbewerbsfähigkeit abhängig ist. Diese wiederum hängt offensichtlich nicht nur von ihrer eigenen Effektivität, sondern auch von institutionell begründeten produktiven Kräften anderswo ab - vergleiche die kleinen, spezialisierten Firmen und den handwerklich kontrollierten Arbeitsprozess, wie sie in England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sind; die den Arbeitsprozess direkt lenkenden modernen, vertikal integrierten Gesellschaften in Relation zu den sich entwickelnden industriellen Gewerkschaften am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert in den USA; und die staatlich unterstützten keiretsu und die Einzelfirmengewerkschaften im Japan der Nachkriegszeit.

Das Ergebnis sollte klar sein: Die ökonomische Überlebensfähigkeit und die Wirkung von Netzwerken lokaler institutioneller Formen (Regulationsweisen) hängen sehr stark von der Entwicklungsstufe der Weltwirtschaft in ihren vielfältigen Verhältnissen zur nicht-kapitalistischen Welt ab. Ohne Zweifel, in diesem Kontext definiert, haben sich die Institutionen als sehr wichtig in der Formung regionaler oder nationaler Entwicklungspfade der Produktivkräfte erwiesen, und werden sich weiterhin erweisen, besonders durch ihren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie. In anderen Worten heißt das, dass Variationen der institutionellen Formen in den verschiedenen Ländern und Regionen einen großen Anteil in der Bestimmung der hierarchischen Ordnungen der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit zwischen Nationen und Regionen haben werden.

Der springende Punkt dabei ist, dass von dieser Warte aus die Erwartung durchaus vernünftig ist, dass genau definierte Variationen des institutionellen Systems zu messbaren Variationen in den Wachstumsraten der Produktivkräfte und der Wettbewerbsfähigkeit führen werden. Von derselben Warte aus gesehen ist aber auch die Erwartung vernünftig, dass - innerhalb einer gegebenen historischen Epoche in der Geschichte des Kapitalismus - sich lokale, regionale und nationale Wirtschaften hinsichtlich ihres institutionellen Systems stark voneinander unter-scheiden werden, weil, wie die Regulationstheoretiker betonen, diese Systeme das Ergebnis sehr spezifischer Prozesse historischer Entwicklung sind.

Aber wie kann in diesem Fall die von den Regulationstheoretikern so genannte Entwicklungsweise - das sind epochemachende Muster der Kapitalakkumulation und strukturelle Krisen - in erster Linie in institutionellen Begriffen verstanden werden? Was ist spätestens seit 1900 für die Entwicklung der Weltwirtschaft so bezeichnend? Das ist doch, dass ihre konstituierenden lokalen, regionalen und nationalen Elemente großteils zur gleichen Zeit die gleichen großen ökonomischen Phasen durchlebt haben. Trotz der großen Unterschiede in den historisch gebenen Systemen der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, der Regierungsformen, der ökonomischen Institutionen und dem Stand der technologischen Entwicklung hat im wesentlichen jeder Teil der kapitalistischen Welt an der beispiellosen ökono-mischen Ausdehnung in der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg teilgenommen, wurde von der vernichtenden Krise der Zwischenkriegszeit getroffen, war Teilnehmer des großen Booms nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde durch die in den späten 1960er Jahren beginnende strukturelle Krise nach unten gezogen, wenn auch in jeweils unterschiedlichem Ausmaß. Trotz der heterogenen Regulationsweisen seiner konstituierenden Teile besaß die Weltwirtschaft als Ganze in den Begriffen einer Abfolge von Entwicklungsphasen eine bestimmte Homogenität oder sogar eine Einheit. Offensichtlich war die Weltwirtschaft in der Lage, ihre sehr umfassende Logik all ihren einzelnen Bestandteilen aufzuprägen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Um die komplexen Funktionsweisen der einzelnen Teile verstehen zu können, ist es vielleicht immer noch unerlässlich, das Funktionieren des gesamten Systems zu verstehen, und das gilt vor allem für die - in eine strukturelle Krise kommenden - Entwicklungsweisen, die im Zentrum der Interessen der Regulationstheoretiker liegen.

Das Lohnarbeitsverhältnis und die strukturelle Krise

Was der regulationistischen Konzeptualisierung der kapitalistischen Geschichte ihre scheinbare Reichhaltigkeit und machtvolle innere Logik gibt, ist ihre Kon-zentration auf das Lohnarbeitsverhältnis, besonders auf den kapitalistischen Arbeitsprozess und auf das System der Bestimmung der Löhne (oder, allgemeiner formuliert, der Einkommensverteilung). In dieser Hinsicht funktioniert bei den Regulationstheoretikern der Begriff des Taylorismus-Fordismus als begrifflicher Haltegriff der gesamten Abfolge von Phasen: In jeder Entwicklungsweise sind es die institutionellen Formen der Arbeit - prä-tayloristisch, dann tayloristisch/-fordistisch - und/oder das Lohnverhältnis - prä-fordistisch, dann fordistisch -, die den Akkumulationsprozess zuerst erleichtern und dann fesseln, was zu strukturellen Krisen und Klassenkämpfen führt. Es war somit die Etablierung des tayloristisch-fordistischen Arbeitsprozesses in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jahr-hunderts - selbst ein Ergebnis der Klassenkämpfe, die die davor zugunsten der Arbeiterklasse vorherrschenden Kräfteverhältnisse umkehrten -, wodurch der Übergang von der extensiven Akkumulation, die die regulationistische erste Entwicklungsweise kennzeichnet, zur intensiven Akkumulation möglich wurde. Aber das Verharren der Institutionen der kompetitiven Lohnbestimmung in der regulationistischen zweiten Entwicklungsweise - ein Ausdruck für die zu große Macht des Kapitals über die Arbeit - fesselte die im tayloristisch-fordistischen Arbeitsprozess verwurzelte intensive Regulation und führte zu einer strukturellen Krise der Unterkonsumtion und zu den politischen Konflikten der Zwischen-kriegszeit.

Es war die Durchsetzung der fordistischen Konsumtionsweise - als Ausdruck eines Kompromisses zwischen den Klassen, der sich aus den soziopolitischen Konflikten der 1930er und 1940er Jahre herausbildete -, die die volle Entfaltung des tayloristisch-fordistischen Arbeitsprozesses und der intensiven Akkumulation im Nachkriegsboom, also die dritte Entwicklungsweise der Regulationstheoretiker, ermöglichte. Wie auch immer, als Ausdruck der Stärke der Arbeit gegenüber dem Kapital wurde der tayloristisch-fordistische Arbeitsprozess schließlich zu einer Fessel für das Wachstum der Produktivkräfte und endete in einer neuen strukturellen Produktivitätskrise ab den 1960er Jahren. Nach dem Taylorismus-Fordismus wird es schließlich ein neu konstruierter, auf einem neuen Kompromiss zwischen den Klassen aufbauender Arbeitsprozess sein, der einen Ausweg aus der gegenwärtigen ökonomischen Sackgasse ermöglichen wird, vermutlich eine neue, post-fordistischen Entwicklungsweise.

Es war der Kerngedanke unserer Abhandlung, dass jede der vorhergehenden Behauptungen sich angesichts der fundamentalen Realität kapitalistischer Ent-wicklung verflüchtigt - ausgehend von der einseitigen Konzentration der Regulationstheoretiker auf historisch spezifische Institutionen der Lohnarbeit und die damit assoziierte Balance zwischen den Klassenkräften, bis hin zur Vernach-lässigung der Zwänge, die durch die kapitalistischen gesellschaftlichen Eigentums-verhältnisse im allgemeinen, besonders durch den interkapitalistischen Wettbewerb, auferlegt wurden. Als Ergebnis ist die gesamte Betonung des Fordismus, sowohl hinsichtlich seiner angebots-, als auch hinsichtlich seiner nachfrageseitigen Aspekte, theoretisch zusammenhanglos und empirisch irrelevant. Und er liefert eine irreführende Sicht der Natur vergangener und gegenwärtiger kapitalistischer Krisen, der historischen Rolle der Klassenkräfte und der Politik in der Vorbereitung und der Lösung kapitalistischer Krisen sowie der Möglichkeiten gegenwärtiger Politik.

Um damit zu beginnen: Wenn die Regulationstheoretiker recht haben, dann war auf der Ebene der Fabrik der angebotsseitige Durchbruch des Taylorismus-Fordismus (was aber vielleicht selbst wiederum von der Begleitung einer oligopolistischen Organisation der Verhältnisse zwischen den Kapitalien abhängig war) die Bedingung sine qua non für den Sieg über die regulationstheoretische erste Entwicklungsweise. Es war der Durchbruch zu einer vor allem auf der Basis von relativem Mehrwert beruhenden Akkumulation, eben der intensiven Akkumulation. Aber, wenn das so gewesen ist, müssen wir die paradoxe Schlussfolgerung akzeptieren, dass ein vollständig entwickelter Kapitalismus - vor der tayloristisch-fordistischen Revolution auf der Ebene des Arbeitsprozesses (und der Über-schreitung des ausgereiften interkapitalistischen Wettbewerbs) - nicht in der Lage gewesen wäre (und das in der Realität historisch auch nicht tat), sich mittels einer auf relativem Mehrwert beruhenden Akkumulation zu entwickeln. Wir müssten dann auch glauben, dass während einer vollständigen Epoche die bloße Klassenkraft der Arbeit genügt hat, eine so starke handwerkliche Kontrolle über den Arbeitsprozess auszuüben, um damit jeden technischen Wandel verhindern zu können. In der Realität hingegen kann der kapitalistische Arbeitsprozess nicht einen institutionellen Zwang ausüben, der die gesamte Wirtschaft durchzieht und der ein vollständiges Akkumulationsregime und eine vollständige Entwicklungsweise determiniert. Im Gegenteil: Der Arbeitsprozess selbst wird regelmäßig (wenn auch nicht kontinuierlich) als Konsequenz der Kapitalakkumulation transformiert, weil der technische Wandel unter dem Einfluss des innerkapitalistischen Wettbewerbs stattfindet und zu einer Revolutionierung der Produktivkräfte und einem Wachstum des relativen Mehrwerts führt.

In der zweiten Entwicklungsweise der Regulationstheoretiker wird vorausgesetzt, dass die kompetitive Regulierung der Löhne die intensive Akkumulation behindert hat, und zwar durch die daraus resultierende unzureichende Nachfrage und die ungleiche Entwicklung der Abteilung I, mit der Folge einer strukturellen Krise. Wenn dem wirklich so wäre, müssten wir schlussfolgern, dass der Kapitalismus, von Natur aus und meistens in seiner Geschichte, mit einer strukturellen Krise der Unterkonsumtion konfrontiert ist. Aber wir haben auch versucht zu zeigen, dass die den Regulationstheoretikern zugrundeliegende Unterkonsumtionstheorie mangelhaft ist. Dies wird klar aus der langen Geschichte kapitalistischer Entwicklung auf der Basis des relativen Mehrwerts und ohne die fordistischen Institutionen der Massen-konsumtion, vor allem in den USA, und auch aus dem statistischen Material der Krise der Zwischenkriegszeit.

Nun zur regulationistischen dritten Entwicklungsweise: Als Grundlage für den großen Boom nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Durchsetzung der fordistischen Institutionen der Massenkonsumtion, insbesondere die kollektiven Abmachungen, vorausgesetzt. Aber wenn die Unterkonsumtion nicht die Quelle der Krise der 1930er Jahre gewesen ist, warum sollte die fordistische Konsumtion dann ihre Heilung konstituieren? Empirisch ist es nicht evident, dass in den USA jemals Institutionen etabliert worden wären, die mittels kollektiver Abmachungen der Lohnarbeit einen entsprechenden Anteil an den Produktivitätszuwächsen gesichert hätten. Und sicherlich gab es in Japan, dem Land, das den erfolgreichsten Boom der Nachkriegszeit erreichte, weder solche Institutionen noch eine solche Umverteilung. Tatsächlich bieten die Regulationstheoretiker in all ihren Schriften keinen anderen systematischen Widerspruch, bzw. keine andere Quelle kapitalistischer Krisen, als "die ungleiche Entwicklung der Abteilung I" und die Unterkonsumtion. Der fordistisch/keynesianistische Klassenkompromiss könnte sogar als Lösung der kapitalistischen Probleme gedacht werden ... wären da nicht die verbleibenden Schwierigkeiten mit der Entwicklung der Produktivkräfte, wie das in der gegenwärtigen Krise bloßgestellt wird.

Wenn wir uns nun der regulationistischen Analyse der Wurzeln der gegenwärtigen ökonomischen Krise zuwenden, dann wird vorausgesetzt, dass diese in der "Erschöpfung des tayloristisch-fordistischen Arbeitsprozesses" gefunden werden. Aber diese Voraussetzung leidet unter demselben fundamentalen Fehler, den wir schon bei der regulationistischen Betrachtung früherer struktureller Krisen gesehen haben: Dass nämlich die Form des Arbeitsprozesses gemeinsam mit den das Einkommen verteilenden Institutionen - in Analogie zum Konzept der sozialen Verhältnisse der Produktion in der Marxschen Theorie der Produktionsweisen - als die wichtigste Erleichterung und schließlich als hauptsächliche Fessel der Entwicklung der Produktivkräfte agiert. Demgemäß machen wir in theoretischer Hinsicht geltend, dass die Konzeption der Regulationstheoretiker dazu tendiert,

1. den technischen Fortschritt irreführend auf den Zugriff des Kapitals auf das Wissen, die Kontrolle und die Energie der Arbeiter auf der Ebene der Fabrik zu reduzieren;

2. besonders im Bereich der Produktion den Kampf um Klassenmacht fälsch-licherweise, aber bewusst, als Hauptquelle für technische Veränderungen zu nehmen; und

3. dem kapitalistischen technischen Wandel implizit eine unilaterale und uni-verselle Tendenz zur Entwertung von fachlichen Fähigkeiten zu unterstellen und dabei die neuen fachlichen Fähigkeiten herunterzuspielen, die oft im Zusammen-hang mit dem technischen Wandel benötigt werden.

Als Ergebnis wird die zentrale Rolle des ausgedehnten technischen und wissenschaftlichen Verständnisses des Arbeitsprozesses gewaltig unterschätzt, werden die allgemeinen, wenn auch nicht kontinuierlichen Tendenzen der Einführung von effizienteren Techniken (mit gesteigertem Output pro Input) unter dem Druck des Wettbewerbs negiert, und gelingt es nicht in adäquater Weise, die Gegentendenz einer aus dem technischen Wandel entspringenden Wiederaneignung technischer Fertigkeiten zu erkennen. Der technische Wandel ist die Konsequenz des Wunsches der Kapitalisten, die profitabelsten Techniken zu übernehmen, unabhängig von der Frage der technischen Fertigkeiten. Im besonderen heißt das, dass wir zwar nicht bestreiten, dass die Separation der Arbeiter von der Kontrolle über den und von dem Wissen vom Produktionsprozess - mit Entfremdung und Widerstand als Folgen - ein Faktor ist, der das Wachstum der Produktivkräfte betrifft. Wir bezweifeln aber sicherlich die Annahme der Regulationstheoretiker, wonach diese Trennung eine hinreichend große Barriere gegen den technischen Fortschritt errichtet hätte, um einen Rückgang der Produktivität herbeizuführen, der die gegenwärtige Krise des Kapitalismus hervorbrachte. Tatsächlich gab es nicht zuletzt im Fall der USA, wo die ökonomische Krise innerhalb der OECD zuerst und vielleicht am stärksten eingetreten ist, keine Krise der industriellen Produktivität in der Zeit des anfänglichen Rückgangs der Profitrate.

Politik

Weil die Regulationstheoretiker die ultimative Quelle der gegenwärtigen Krise in "der Krise der 'formwidrigen Eingebundenheit' der Arbeiter in die Produktion" finden - mit dem Misslingen, ihre bewusste, "formgerechte" Eingebundenheit zu sichern -, folgt daraus, dass Lipietz eine "anti-tayloristische" Revolution als den Ausweg aus der Krise propagiert. Das würde einen neuen Kompromiss zwischen den Klassen bedeuten, der, simultan, die sozioökonomischen Bedingungen für die Überwindung der Produktivitätskrise und die ökonomischen und politischen Bedingungen für eine gesellschaftsweite Zustimmung und Stabilität sichert. Die Arbeiter würden ein stärkeres Engagement in und eine stärkere Verpflichtung für eine besser werdende Produktion auf der Basis der Einführung von Arbeitsgruppen anbieten; die Kapitalisten würden Beschäftigungsgarantien, besser bezahlte Jobs und weiterhin die anteilsmäßigen Früchte aus den Produktivitätszuwächsen bieten. Die Regulationstheoretiker sind der Meinung, dass eine solche Übereinstimmung eine im Durchschnitt befriedigende Lösung hervorbringen könnte, in der sowohl Arbeit als auch Kapital von einem schneller wachsenden Kuchen profitieren könnten.

Dieser Vorschlag illustriert die allgemeinere Vorstellung der Regulations-theoretiker, dass die Lösung einer langfristigen kapitalistischen Krise einen "großen Kompromiss" zwischen den unterschiedlichen sozialen Klassen benötigt. In diesem Kompromiss würde von breiten Kreisen ein "Entwicklungsmodell als ökonomische Basis von etwas akzeptiert, das als das Beste betrachtet wird, was die Menschheit von ökonomischer Aktivität (zu diesem historischen Zeitpunkt) erwarten kann, und was gegen Rechte und Linke verteidigt wird."

Das ist analog zum regulationistischen Verständnis der Grundlagen des Booms der Nachkriegszeit, der in dieser Auffassung durch einen Rooseveltschen oder sozialdemokratischen Kompromiss konstituiert ist. In diesem hätten die Kapitalisten sowohl den Lohnzuwächsen entsprechend den Produktivitätsgewinnen als auch der Konsolidierung des Wohlfahrtsstaates zugestimmt und sich, als Ergebnis, eine stabile Nachfrage gesichert, um so Krisen abzuwehren und ein günstiges Umfeld für massive Kapitalinvestitionen zu schaffen. Nichtsdestoweniger, besonders hinsichtlich unseres Arguments, dass die Krise der 1930er Jahre keine Unter-konsumtionskrise gewesen ist, scheint es sinnvoller zu sein, das Gegenteilige zu sagen: Nämlich dass der Beginn und die Fortdauer des Booms die unverzichtbare Voraussetzung für den Rooseveltschen oder sozialdemokratischen Kompromiss war, der erst nach der Überwindung der Krise geschaffen oder stabilisiert werden konnte. Aus demselben Grund - weil die regulationistische Diagnose der gegen-wärtigen Krise fehlerhaft ist - wird auch das Rezept von Lipietz nicht funktionieren - der vorgeschlagene politische Deal ist deshalb nicht lebensfähig.

Wesentlich ist, wie wir zu zeigen versucht haben, dass die Quelle der gegen-wärtigen Krise nicht ein Problem des Produktivitätswachstums ist: Ein Rückgang im Wachstum der Produktivität verursacht keine Krise, also kann auch kein gesteigertes Wachstum der Produktivität die aggregierte Profitabilität und die Prosperität wieder herstellen. Auch wenn die Einbindung der Arbeiter in der gesamten kapitalistischen Wirtschaft (mit steigender Produktivität als Folge) erhöht werden kann, können die Kapitalisten angesichts des kontinuierlichen Drucks auf ihre Profite - auch wenn sie dies wollten - den Arbeitern im Austausch für ihre erhöhte Eingebundenheit keine Beschäftigung, keine ertragreichen Jobs und auch keinen Anteil an den Früchten der Produktivitätszuwächse sichern. Das heißt natürlich nicht, dass nicht jene Firmen, die in ihrer Branche eine höhere Produktivität als der Durchschnitt erreichen (wie auch immer sie das schaffen), auch relativ besser in der Lage sein werden, die Jobs ihrer Arbeiter zu sichern. Das gilt auch für Firmen oder Einheiten im "Zentrum" einer Industrie relativ zu den ausgelagerten oder auf andere Art an den Rand gedrängten Bereichen, wo die Arbeitsplätze zunehmend unsicher werden (oder sich auf andere Art ver-schlechtern). Aber in solchen Fällen profitiert bloß eine Gruppe von Arbeitern auf Kosten einer anderen, innerhalb einer - solange die Krise der Profitabilität andauert - im Durchschnitt verallgemeinerten Verschlechterung.

Diesem Punkt vielleicht ähnlich, ist es überhaupt nicht klar, dass heute das Kapital einen Klassenkompromiss in der Art der Regulationstheoretiker benötigt, um das Wachstum der Produktivität hinreichend zu sichern oder gar bedeutend zu steigern. Die Regulationstheoretiker sind der Meinung, dass eine bewusste Einbindung der Arbeiter (als Gegenstück zur "informellen Einbindung" der Vergangenheit) der Schlüssel zur Überwindung des Produktivitätsengpasses ist. Aber sie behaupten auch, "dass das Wissen einer eingebundenen Arbeiterklasse zum Vorteil sowohl der Firma als auch der Arbeiter akkumuliert wird" und dass das unmöglich ist, wenn es keine "Schicksalsgemeinschaft zwischen den Firmen und ihren Arbeitern gibt," weil "kein Arbeiter seine kooperativen Fähigkeiten anstrengen wird, wenn das die eigene Überflüssigkeit zur Folge hat." In diesem Kontext beschreiben die Regulationstheoretiker die Vereinigten Staaten als ein Land, in dem als Antwort auf die Krise der Produktivität eine "liberal-flexible Einbindung", als Gegenstück zu einer "verhandelten", übernommen wurde. So sollten durch die Eliminierung der Sicherheit von Arbeitsplätzen die Lohnkosten radikal zu senken sein - "durch Auslagerung, durch die Verlagerung von Teilen der Produktion in die Dritte Welt und durch eine Steigerung der Stufe der Automatisierung", und nicht durch die Einführung "eines neuen 'Sozialvertrages'", in dem die Lohnabhängigen aufgefordert werden, sich mit dem "Kampf um Qualität und Produktivität" zu vereinigen.

Wie auch immer, es bleibt eine Tatsache, dass die produzierenden Firmen der USA in der Phase der langfristigen Krise in der Lage gewesen sind, die Produktivität in einem höheren Tempo zu steigern als in irgendeiner anderen Phase in der Periode nach dem Weltkrieg. Und das trotz ihrer offensichtlichen Ablehnung der Kreation einer Gemeinschaft der Zukunft zwischen ihnen selbst und ihren Beschäftigten. In der Periode 1979-1989 waren die US-Firmen im industriellen Sektor in der Lage, die Arbeitsproduktivität um durchschnittlich 3.6% pro Jahr (verglichen mit 2.1% pro Jahr zwischen 1948 und 1973) und die totale Faktor-produktivität um durchschnittlich 2.9% pro Jahr (verglichen mit 2.1% pro Jahr zwischen 1948 und 1973) zu steigern.

Das hat sie nicht daran gehindert, sich aus der relativ hohen Arbeitslosigkeit und der rückläufigen Anzahl annehmbar bezahlter Jobs Vorteile zu verschaffen, um so eine Reduktion der realen Stundenlöhne um 15% von 1973 bis in die Gegenwart zu sichern. Der Punkt ist, dass die Dichotomie zwischen "liberal-flexibel" und Team/Kooperation als unterschiedliche und miteinander konkurrierende sozio-technische Formen zu einem großen Ausmaß eine falsche ist: Die für die erfolg-reiche Einführung neuer Technologien notwendige Art der Kooperation und der Teamarbeit kann heute in einem bedeutendem Ausmaß durch die Motivation der Arbeiter gesichert werden, die aus deren Vorstellung entsteht, dass sie ihre Firma wettbewerbsfähig machen müssen, damit sie auf dem Markt bestehen kann (weil sie sonst ihre Arbeit verlieren würden) - aber auch aus den drohenden Sanktionen eines freien und sich verschlechternden Arbeitsmarktes.

Die Regulationstheoretiker überschätzen das Ausmaß, in dem das Kapital ernsthafte Kooperationen mit der Arbeit eingehen muss, zum Teil vermutlich deshalb, weil sie auch das Ausmaß überbewerten, in dem die neuen, um die Team-arbeit zentrierten und dem japanischen Stil nachgeahmten Produktionstechniken tatsächlich die Fachkenntnisse der Arbeiter erhöhen und so eine gesteigerte Ab-hängigkeit der Unternehmer von den Beschäftigten im Produktionsprozess hervor-bringen. Was immer sonst die Folgen sind: Team- oder "lean"-production tut nichts, um die Fachkenntnisse der Arbeiter zu erhöhen, von einer Umwandlung in Fach-arbeiter [craftspeople] gar nicht zu reden.

Weit entfernt von der anti-tayloristischen Revolution, wie Lipietz sie ins Auge fasst, ist die Grundlage der auf der Ebene der Fabrik durch Team- oder Lean-production gesicherten Produktivitätsgewinne tatsächlich eine Hyper-Taylo-risierung - die Supervereinfachung der Arbeitsvorgänge durch die Zerstückelung dieses Prozesses in möglichst einfache Teile (von den Japanern passenderweise "Details" genannt). Erreicht wurde das durch das erhellenderweise so genannte "Stressmanagement", wo es nicht nur das Ziel ist, im größtmöglichen Ausmaß alle "indirekten" und "spezialisierten" Arbeiten aus dem Bereich des Fließbandes zu entfernen (Wartung, Reparatur, Haushaltsführung, Qualitätstests und ähnliches), ebenso auch überflüssige Materialien an den Arbeitsstationen, sondern auch um sicherzustellen, dass alle Arbeiter die ganze Zeit über, in der die Arbeit an ihrer Station ist, auch arbeiten.

Am Anfang arbeiten Manager und Teamleiter tatsächlich an jeder Arbeitsstelle und bereiten von oben eine höchst detaillierte Spezifikation ihres aus diesen Details zusammengesetzten Arbeitsbereiches vor. Die Arbeiter selbst müssen sich dann bei der Erledigung ihrer Aufgaben unter Bedingungen durchschlagen, in denen alle "Sicherheitsnetze" in Form von zusätzlichen Materialien oder zusätzlichen Mit-arbeitern möglichst abgeschafft sind. Die Arbeiter und ihre Teams dürfen eventuelle Mängel nicht durchlassen (die so am Ende des Arbeitsprozesses behandelt werden würden), sondern müssen die Verantwortung für die Qualitätskontrolle über-nehmen, indem sie jeden Mangel am Ort seiner Entdeckung festmachen und, vor allem, das Problem zu seiner Ursache zurückverfolgen. In dieser Situation sind die Arbeiter, ebenso wie die Manager, in der Lage zu entdecken, welche Aufgaben mehr (oder weniger) Zeit benötigen und welche Jobs dementsprechend umgestaltet werden müssen, so dass die Arbeitskraft in effizientester Weise verteilt werden kann.

Weil auf diese Weise die Arbeiter selbst einen unabhängigen Beitrag zur Rationalisierung der Arbeit liefern, kann richtigerweise von ihnen gesagt werden, dass sie ihre Begabungen für eine steigende Produktivität benutzen. Das auch deshalb, weil die Arbeiten so stark vereinfacht wurden, dass die Arbeiter alle (oder beinahe alle) der von den anderen Mitgliedern des Teams übernommenen Aufgaben meistern können. Das bringt sowohl größere Flexibilität und höhere Qualität mit sich als auch ein "Auffüllen der Poren" des Arbeitstages. Die Folge ist eine erhöhte Produktion sowohl durch eine gesteigerte Effizienz als auch durch eine Intensi-vierung der Arbeit pro Zeiteinheit.

Aber die auf diese Art erreichte sogenannte Mehrwertigkeit bringt keine besondere Steigerung der Fachkenntnisse der Arbeiter mit sich, außer in einer höchst ausgedünnten Bedeutung des Wortes. Die Arbeiter können sich auch keine gesteigerte Kontrolle sichern: Mit voranschreitender Zeit werden ihre Arbeiten immer mehr von oben und bis ins kleinste Detail von Ingenieuren und Managern definiert, und sie beschränken ihre Initiative in erster Linie darauf, dem Unternehmen in der weiteren Auffindung von Pausen und Verschwendungen zu helfen. Zur selben Zeit, gerade weil Team- oder Leanproduction zu einer Hyper-vereinfachung der handwerklichen Fähigkeiten führt, bietet es in keiner Weise ein Beipiel einer angeblichen Möglichkeit einer technikverkörpernden, höheren handwerklichen Fähigkeit (Humankapital) bei zugleich niedrigem fixen Kapital, wie Lipietz das suggeriert.

Im Gegenteil bereitet - wie sehr gut nachgewiesen wurde - die Einführung von "Team-" oder "Lean"production, wie die analogen Prozesse des Aufbrechens und der Vereinfachungen der Aufgaben in historischer Hinsicht, höchst vorteilhafte Bedingungen für die Einführung der höchsten Stufen der Automatisierung und neuer Technologien. Es sollte angesichts der gegenwärtigen, die gesamte Ökonomie durchziehenden Stagnation nicht überraschen, dass in dem Ausmaß, in dem durch obige Prozesse eine gesteigerte Produktivität erreicht wurde, das Ergebnis eine massive Reduktion von Arbeitsplätzen und so eine immer größere Unsicherheit für die Arbeiter der US-Autoindustrie gewesen ist.

In dieser Situation der laufenden ökonomischen Krise bedeutet die weitere Selbst-einbindung der Arbeiter in "das Teamkonzept" bloß die weitere Verknüpfung ihres Schicksals mit "ihrer eigenen" Firma, die Stellung ihrer selbst gegen ihre Kollegen in der gesamten Industrie und die Unterminierung der Reste ihrer kollektiven gewerkschaftlichen Macht. Wenn die Krise sich verschärft, wird kein Ausmaß an Goodwill seitens der Unternehmer ihre Arbeitsplätze sichern. Und in dem Ausmaß, in dem sie sich selbst an ihre eigenen Unternehmen "gebunden" haben, in diesem Ausmaß werden sie ihre eigene Fähigkeit, ihre Bedingungen zu verteidigen, zerstören.